Witloof Bay für Belgien am 03.05.2011 bei den Proben in der Düsseldorf-Arena © NDR Foto: Rolf Klatt
Stand: 12.05.11 23:54 Uhr

Belgien: Witloof Bay

von Sabine Leipertz

Belgien kann auf eine lange Tradition beim Eurovision Song Contest zurückblicken. 1956 gehörte das Land zu den Grand-Prix-Gründern. Aber nur ein Mal in der ESC-Geschichte gelang es einem belgischen Kandidaten, auf dem ersten Platz zu landen. Das war 1986, als Sandra Kim mit "J’aime la vie" den Titel gewann. Danach war aber erst mal lange Schluss mit ESC-Erfolgen. 2003 holte die Band Urban Trad mit dem Song "Sanomi" - in einer Kunstsprache gesungen - den zweiten Platz und erst 2010 meldeten die Belgier erneut den Status einer veritablen Musiknation an. In Olso sang sich Tom Dice mit "Me And My Guitar" auf den sechsten Platz - nicht zuletzt auch mithilfe von zwölf Punkten aus Deutschland.

Traditionell kommen die belgischen Kandidaten immer abwechselnd aus dem flämischen und dem wallonischen Teil des Landes. Da mit Tom Dice im 2010 die Flamen am Zug waren, konnten sich nun die Wallonen Hoffnung auf den Sieg machen. In Düsseldorf trat 2011 die A-Capella-Formation Witloof Bay mit dem swingenden Titel "With Love Baby"an.

Witloof Bay © Witloof Bay Foto: RTBf/Michel Leroy

Belgien: Witloof Bay - With Love Baby

Belgien schickte Witloof Bay mit dem Titel "With Love Baby" zum Eurovision Song Contest 2011 nach Düsseldorf.

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Stimmen als Instrumente

Zwei Mal versuchten sich belgische Kandidaten durch den Einsatz einer Kunstsprache den Sieg beim Eurovision Song Contest zu holen. Nach Urban Trad waren es 2008 Ishtar mit dem Song "Oh Julissi". Ihre Teilnahme endete allerdings bereits im Halbfinale. Die Teilnehmer von 2011 verließen sich dann doch lieber auf die englische Sprache - versuchten aber dennoch mit mit einer besonderen Gesangskunst zu überzeugen.

Bei Witloof Bay war nicht die Sprache der "Ear-Catcher", sondern die Instrumente. Denn - wie bei A-Capella-Gruppen eben so üblich - übernahmen ihre Stimmen die Instrumentenparts. Darin ist die Combo so erprobt, dass sie auf allen großen A-Capella-Musikfestivals in Europa auftreten. Bei den legendären The Manhattan Transfer waren die sechs schon als Vorgruppe zu hören.

Profi-Sänger und ein Vize-Weltmeister

Genau genommen bestehen Witloof Bay aus fünf Sängern und Sängerinnen und einem Beatboxer. RoxorLoops ist nicht nur Sänger und - zusammen mit dem Bariton Benoît Giaux - Komponist ihres ESC-Songs, sondern auch der amtierende Vize-Weltmeister des Beatboxings. Bei "With Love Baby" übernimmt er alles, was eine Schlagzeug- und Percussion-Sektion zu bieten hat: also die perfekte Nachahmung von Bass-Drum, Snare, Hi-Hat & Co. Die anderen vier Mitglieder sind Florence Huby (Alt), Etienne Debaisieux (Bass), Nicolas Dorian (Tenor) und Alexia Saffery (Soprano). Alle sind ausgebildete Sänger und arbeiten als Lehrer oder Songschreiber.

Stimmgewaltig durch gesundes Gemüse?

Witloof Bay für Belgien in der Kostümprobe im zweiten Halbfinale © NDR Foto: Rolf Klatt

Originell: Der Bandname bedeutet auf deutsch "Chirocée Bucht".

Bei der Frage nach der Bedeutung ihres Bandnamens beachte man vor allem die phonetische Gleichheit von Bandname und Titel. Der Verdacht liegt also nahe, dass - der besseren Einprägsamkeit halber - einfach der Song den Namen der Truppe nochmal transportieren soll. So weit, so trickreich. Stimmt aber nicht ganz. Witloof ist in erster Linie das flämische Wort für Chicorée. Belgien ist nämlich Vorreiter im Anbau dieses aus der Familie der Korbblüter stammenden Gewächses, das 1846 erstmals von Bresier, Chefgartenbauer am Botanischen Garten in Brüssel, gezogen wurde. Während der Pro-Kopf-Verbrauch beispielsweise in den Niederlanden bei nur 300 Gramm und in Frankreich bei vier Kilogramm jährlich liegt, schlägt er bei den Belgiern mit stattlichen acht Kilogramm zu Buche.

Ob sich die Damen und Herren der "Chirocée Bucht" damit stimmlich dopten, ist allerdings nicht bekannt. Sicher hingegen ist, dass sie im zweiten Halbfinale von Düsseldorf auf Platz 4 starteten, einen sicheren Auftritt hinlegten - und den Sprung ins Finale trotz der Originalität ihrer Darbietung nicht schafften.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 14.05.2011 | 21:00 Uhr

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