Stand: 07.03.14 18:06 Uhr

"Kunst und Musik hängen für mich zusammen"

Er ist einer der acht "Unser Song für Dänemark"-Kandidaten - und trifft beim deutschen Vorentscheid auf einige alte Bekannte vom Bundesvision Song Contest: Das Gezeichnete Ich. Damals "unterlag" er Unheilig. Was er aber überhaupt nicht schlimm findet. Sein Motto für den deutschen Vorentscheid: Die Zuschauer sollen mit dem Herzen entscheiden, welcher Song ihr Favorit ist. Auch sonst geht der Sänger und Künstler sehr gelassen und entspannt an sämtliche Aufgaben heran.

Teilnehmer

Das Gezeichnete Ich - in Bildern wie Zeichnungen

Vorprogramm von den Pet Shop Boys und von a-ha, Teilnahme am Bundesvision Song Contest, jetzt der ESC-Vorentscheid - es läuft nicht schlecht. Fällt es da schon mal schwer, nicht abzuheben?

Das Gezeichnete Ich (lacht): Nein, damit habe ich keine Probleme, da ist der Name Programm bei mir, den habe ich mir ja nicht umsonst gegeben. Der Name ist ja eine Metapher für den Menschen, für die Verletzlichkeit, für das wahre Ich, auf dem alle rumhacken. Dieser kleine Junge oder dieses kleine Mädchen, das da irgendwo in einer Kammer in unserer Seele sitzt und immer Angst hat. Damit haben wir alle zu kämpfen. Darum ist Abheben oder sind Eitelkeiten nicht so das Problem.

Der Name an sich und auch viele deiner Texte sind ja sehr poetisch. Poesie scheint dir viel zu bedeuten?!

Das Gezeichnete Ich: Ja, und dabei hatte ich eine Vier oder sogar mal eine Fünf in Deutsch. Das hat dem aber keinen Abbruch getan. Zu dichten hat mir immer Spaß gemacht. Das war in der Schulzeit auch schon immer das einzige, was ich zum Deutschunterricht beizutragen hatte.

Du hast ja schon einiges erreicht. Was wäre dein größter Traum?

Das Gezeichnete Ich: Ach Gott, ich hab ja noch gar nicht viel erreicht! Ich habe ein paar Leute erreicht, über die ich sehr froh bin. Die meine Musik zu schätzen wissen und sie auch wirklich lieben und die verfolgen was ich mache. Das gibt mir immer Kraft, weiterzumachen. Und die Musik selbst hält mich auch immer am Laufen, die schreit immer in mir. Darum: Es gibt noch so viel aufzuschreiben und zu machen, aber wirklich erreicht habe ich eigentlich noch nichts. Auch von der Professionalität und Qualität her ist noch ordentlich Luft nach oben. Vielleicht schaffe ich es mal, da hinzukommen, wo ich noch hin will. Und wenn nicht schaue ich zurück und sage: Ich habe zumindest alles gegeben. Das ist dann auch in Ordnung.

Um die Fotos für dein erstes Album aufzunehmen, hast du mit dem Fotografen Andreas Mühe sogar einen Berg bestiegen. Für die perfekte Optik nimmst du offenbar einiges in Kauf?!

Das Gezeichnete Ich: Ja, ich fand den künstlerischen Aspekt dabei toll. Gerade habe ich mir auch ein durchsichtiges Klavier für den ESC gebaut. Manche würden das ein Gimmick nennen. Für mich gehört aber immer auch eine künstlerische Bastelstunde dazu. Kunst und Musik, das hing für mich immer zusammen, das eine inspiriert das andere. Ich finde auch das neue Albumcover sehr philosophisch, ein echt tolles Cover. Das hat alles seinen Charme. Ich versuche gerne dem, was ich musikalisch mache, auch optisch Ausdruck zu verleihen. Früher wurde viel mehr für den Künstler entschieden. Heute kann man auch eigene Ideen umsetzen, das finde ich toll. In Kunst hatte ich nämlich eine Eins.

Die Fotos, die bei dem Shooting entstanden sind, sehen absolut perfekt und akkurat inszeniert aus, voller Ästhetik. Bist du ein Perfektionist durch und durch?

Das Gezeichnete Ich: Nein, überhaupt nicht, ich bin ein Chaot. Aber manchmal muss es einfach perfekt sein. Ich bin dieser Alles-Mensch, ich finde manchmal dieses cool und machmal jenes. Beim ersten Album hat es mich einfach gereizt, das zu provozieren, Das Gezeichnete Ich. Damals fand ich diesen Caspar-David-Friedrich-Look toll. Zum Glück habe ich Andreas Mühe gefunden, der diese Idee so bravourös umgesetzt hat. Die Bilder haben am Ende auch einiges gekostet - ich konnte mir keins leisten.

Ich persönlich finde ja auch deine Videos sehr schön, zum Beispiel das zu "Dein Herz". Sind das auch deine eigenen Ideen?

Das Gezeichnete Ich: Dankeschön! Ja, das ist alles von uns entworfen, in diesem Fall von meinem Bassisten. Das ist aus einer spinnerten Idee und Unterhaltung entnommen, die wir dann einfach umgesetzt haben. Ich freue mich auch schon auf die nächsten Videos, für die habe ich schon ganz tolle Ideen. Ich finde, das gehört eben auch zum künstlerischen Prozess dazu. Und solange ich das irgendwie finanziert bekomme und Freunde habe, die mir dabei helfen, nutze ich es und habe Freude daran, mich so ausdrücken zu können. Danke auf jeden Fall für das Lob, das gebe ich nachher gleich an meinen Kollegen weiter.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 13.03.2014 | 20:15 Uhr