Margot Hielscher bei ihrem Auftritt 1958 beim Grand Prix d'Eurovison de la Chanson im niederländischen Hilversum. Schwarz-Weiß-Foto © picture alliance/dpa
Stand: 22.08.17 11:45 Uhr

Deutschland: Margot Hielscher

Lange bevor Margot Hielscher 1957 am Grand Prix teilnahm, war sie schon berühmt. Die gebürtige Berlinerin hatte zwischen 1935 und 1939 eine Ausbildung als Modezeichnerin und Kostümbildnerin, von 1937 bis 1940 als Sängerin und Schauspielerin absolviert, als sie für den Film entdeckt wurde. Gustav Gründgens persönlich nahm ihre Schauspielprüfung ab.

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Die Grande Dame Margot Hielscher

Nach ihrem Debüt an der Seite Zarah Leanders kam 1942 ihr erster großer Film heraus, "Frauen sind keine Engel" mit Curd Jürgens als Filmpartner. Plötzlich war sie populär, ihr Bild hing an Soldatenspinden und sie "fand das toll", wie sie einmal im Gespräch mit der "Süddeutschen Zeitung" verriet.

"Zur Dame verdammt"

Während des Krieges sowie danach spielte sie ähnliche Rollen. "Zur Dame verdammt, dem Adel verpflichtet", so Hielscher über ihre Schauspielkarriere, in der sie "immer wieder die geheimnisvolle, mal spleenige und recht oft adelige Grande Dame" spielte, wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" über sie schrieb.

In 50 Filmen hat die Künstlerin und unverbesserliche Perfektionistin mitgewirkt, zuletzt in der Serie "Rivalen der Rennbahn" (1989) sowie 1994 in "Der Nelkenkönig". Zeitweilig besaß die seit 1949 in München ansässige Tochter eines Bankkaufmanns sogar eine eigene Filmgesellschaft. 200 Fernsehaufzeichnungen lagern in den Archiven, ebenso wie 400 Liedaufnahmen.

"Telefon, Telefon": Nicht aggressiv genug

Margot Hielscher, deutsche Kandidatin beim Grand Prix 1957 in Frankfurt © HR

Falsch verbunden: Mit "Telefon, Telefon" konnte Hielscher nicht bis zum Siegertreppchen vorpreschen.

Zum Grand Prix kam die Künstlerin ein Jahr nach Freddy Quinn. 1957 vertrat sie Deutschland in Frankfurt am Main mit dem Lied "Telefon, Telefon", einer Komposition von Ralph Maria Siegel, dem Vater von ESC-Urgestein Ralph Siegel und ihres späteren Mannes Friedrich Meyer, einem Filmkomponisten. Es gewann zwar die Niederländerin Corry Brokken, dennoch schnitt Hielscher mit Platz vier gut ab.

"Ich wusste, 'Telefon, Telefon' war nicht der absolute Hit des Abends. Er hatte nicht die Aggressivität, die ein Siegerlied haben muss", sagte Hielscher im Gespräch mit ESC-Experte Jan Feddersen. Ein Jahr später vertrat die Sängerin die Bundesrepublik erneut, diesmal in Hilversum. Erneut trat sie mit einem Lied von Friedrich Meyer an. "Für zwei Groschen Musik" erlangte aber nur den siebten Platz.

Eigene Talkshow zur Prime-Time

Durch Meyer lernte die Künstlerin Größen wie Benny Goodmann, Nat King Cole, Leonard Bernstein und Bing Crosby kennen. Duke Ellington hat in ihrem Wohnzimmer gar Konzerte gegeben. Diese Kontakte nutzte Hielscher für eine eigene Fernsehshow während der 1960er-Jahre: "Zu Gast bei Margot Hielscher", in der sich Hielscher mit Gästen wie Bernstein, Wernher von Braun, Franz Beckenbauer und insgesamt mehr als 700 Prominenten unterhielt.

"Begeisterung ist ein Lebenselixier" sagt die Diva, die immer noch das Theater und  Konzerte besucht. Sie hat 2008 zuletzt die Bühne betreten und ein komisches Programm mit dem Münchner Oberbürgermeister Christian Ude bestritten - ein Fach, das bei der mit dem Bundesverdienstkreuz und dem Filmband in Gold für Verdienste um den deutschen Film (1985) ausgezeichneten Münchnerin immer zu kurz gekommen ist.

Margot Hielscher starb am 20. August 2017 im Alter von 97 Jahren in München.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 12.03.1958 | 21:00 Uhr