Stand: 02.03.10 23:42 Uhr

Für Lena ist die ESC-Zeit wie ein Rausch

von Sabine Leipertz
Lena Meyer-Landrut beim ESC-Vorentscheid.  Foto: Willi Weber

Sie ist 18 Jahre alt, Schülerin und auf dem Sprung das ESC-Ticket nach Oslo zu ziehen: Lena Meyer-Landrut.

Mit einer ungewöhnlichen Songauswahl und extravaganten Auftritten begeisterte Lena Meyer-Landrut aus Hannover Zuschauer und Jury bei "Unser Star für Oslo". Wie fühlt es sich an, fast über Nacht zur umjubelten Newcomerin aufzusteigen? Und was hat sich Lena für Oslo vorgenommen, sollte sie das begehrte Ticket zum Eurovision Song Contest lösen? Erstaunlich locker beantwortet die 18-Jährige diese und weitere Fragen.

Wie geht es dir jetzt kurz vor dem Viertelfinale?

Lena: Gerade sind meine Freundinnen gekommen und das gibt mir noch mal Kraft. Aber gleich wird meine Aufregung wieder richtig schlimm.

Heute sprecht ihr ja auch im Ersten ein anderes Publikum an. Machst du dir darüber Gedanken?

Lena: Nö. Ich mache alles so wie immer.

Heute singt ihr allerdings zwei Songs - wie wählst du sie aus?

Lena: Ich singe die Lieder, die mir gefallen. Die gibt es in meinem Repertoire und die wähle ich dann aus, je nachdem wie gut sie mir gefallen und wie gut ich sie singen kann. Ich dachte zwar auch schon mal, ich hätte besser einen anderen Song ausgesucht - aber das ist unmöglich. Die Heavytones (Anmerk. d. Red.: Liveband der Show) machen sowieso einen Riesenjob, da kann man sich dann nicht mehr kurzfristig umentscheiden.

Der zweite wichtige Punkt auf der Bühne ist neben deiner Stimme und dem passenden Song auch die Wahl deiner Outfits. Hast du Hilfe dabei?

Lena: Wenn ich zu Hause bin, dann berät mich meine Mama, sonst meine Freunde, sonst ich mich selber. Das sind alles meine Klamotten. Die Garderobe hier berät uns zwar auch, aber letztlich sind es meine Sachen und ich gucke auch, was ich mag und was ich anziehen will.

"Jetzt wird alles aktueller und jünger"

Was verbindest du mit dem Eurovision Song Contest?

Lena: Ich hab's in den vergangenen Jahren gesehen, es war aber nie so, dass ich mich wochenlang darauf gefreut hätte.

Warum glaubst du, hat Deutschland in den letzten Jahren eher schlecht abgeschnitten?

Lena: Ich denke, der Grand Prix war in Deutschland etwas in Vergessenheit geraten, das war kein Thema, das cool ist. Man dachte: Deutschland ist sowieso schlecht, warum soll ich mir das angucken? Da muss Leben rein. Aber jetzt wird das durch Stefan Raab alles aktueller und auch ein bisschen jünger. Die Leute, die mich kennen, wissen ja, dass ich das hier mache und auch wenn ich nächste Show rausfliege, würden wir trotzdem alle den Grand Prix gucken. Also hat es schon mal was gebracht.

Was ist dir aus den letzten Jahren in Erinnerung geblieben?

Lena: Lordi fand ich als Musikrichtung und auch als Auftritt grausam, wirklich schrecklich. Aber es ist bewundernswert, dass die sich getraut haben, nach vorne zu gehen und auch für ein Land zu stehen, auch wenn nicht alle Finnen dahinter standen. Nicht alle Finnen sind Hardcore Metal Fans, aber es war etwas Innovatives und davon kann man lernen. Ich glaube, es ist wichtig, Traditionen zu wahren, deshalb sollte der Grand Prix auch weiterhin bestehen. Aber es ist auch wichtig, neue Sachen einzubringen.

Welche Art Song wäre für dich ideal, um Deutschland in Oslo zu vertreten? Würdest du in Oslo lieber einen deutschen Songtext oder einen englischen singen? 

Lena Meyer-Landrut vor der Jury  Foto: Jörg Carstensen

Lena begeistert bisher Jury und Zuschauer mit ihrem ganz eigenen Stil.

Lena: Ob deutsch oder englisch ist relativ egal, vielleicht beides. Die Stilrichtung, in der mich befinde, kennt man ja jetzt. Das ist mein Ding und darin erkenne ich mich wieder. Und in der Richtung sollte es auch sein. Ich könnte wohl nicht mit einer tiefgreifenden Ballade antreten, weil man mich dann auch gar nicht ernst nehmen könnte.

"Deutschland ist nicht nur Lederhosen"

Solltest du "Unser Star für Oslo" werden, gibt es etwas, das du Europa über Deutschland gerne sagen würdest?

Lena: Deutschland ist nicht nur Lederhosen. Und Deutschland ist nicht verstaubt und auch nicht unlustig. Es gibt so viele lustige und lebensfrohe Menschen in Deutschland. Es gibt so viele wunderschöne Städte und Orte, die es auf jeden Fall wert sind, einen Blick drauf zu werfen und nicht immer nur den Bierkrug und die Lederhose vor Augen zu haben, wenn man an Deutschland denkt.

Wir suchen ja "Unseren Star für Oslo". Hast du schon ein bisschen Starluft geschnuppert?

Lena: Ein bisschen schon, was ich aber total komisch finde, weil ich mich überhaupt nicht als Star fühle. Klar sprechen einen Leute an, die mich im Fernsehen gesehen haben und das cool finden. Anscheinend bin ich bekannt, aber ich fühle mich gar nicht bekannt. Ich bin dann meistens ein bisschen peinlich berührt, aber innerlich freue ich mich riesig. Ich finde es total schön, wenn Leute mir sagen, dass sie toll finden, was ich mache. So weiß ich ja, dass sie das, was ich mache, schätzen. Und das bestärkt mich unglaublich.

In den Online-Votings liegst du klar in Führung. Wie fühlt es sich an, dass offenbar so viele Leute dich in Oslo sehen und hören möchten?

Lena: Das ist irgendwie unfassbar. Ich bekomme so viel Lob, dass ich das alles gar nicht gleichzeitig verarbeiten kann. Das ist echt Wahnsinn. Ich pack das alles in ein kleines Säckchen und kann das dann später noch mal auspacken, um das alles zu verarbeiten. Es ist vor allem aber schön und gut, wenn man das zu schätzen weiß. Ich glaube, das ist nämlich ganz schwierig und habe ich in den letzten Tagen sehr deutlich gemerkt, dass es schon fast Routine geworden ist. Wenn jemand sagt 'Du machst das toll', dann sag ich sofort 'Danke'. Ich merke dann aber erst später, was die Person gesagt hat. Ich versuche jetzt, genauer darüber nachzudenken.

"Mein Herz klopft ganz doll"

Was war dein bisher schönstes Erlebnis oder der schönste Moment bei "Unser Star für Oslo"?

Lena: Es ist insgesamt ein großartiges Erlebnis. Es ist ein Rausch. Was ich auf gar keinen Fall missen möchte. Es hat mich so viel weiter gebracht und mir so viel neue Erfahrung geschenkt. Das ist ein Teil in meinem Leben, den ich nie vergessen werde, weil es so ganz anders ist, als der Rest meines Lebens.

Wie geht es dir kurz bevor Sabine Heinrich und Matthias Opdenhövel ihre Umschläge mit euren Namen öffnen?

Lena: Mein Herz klopft ganz doll. Obwohl ich mir vorher immer sage, es ist so großartig, dass ich das hier alles miterleben darf, ob ich nun rausfliege oder nicht ist im Grunde genommen egal. Ich habe schon so viel hier gewonnen, das kann mir keiner mehr nehmen. Und trotzdem bin ich in dem Moment tierisch angespannt, die Hände schwitzen und ich denke eigentlich immer nur 'Bitte weiter, bitte, bitte weiter.' Für mehr Worte lässt mein Gehirn keinen Platz.

Wie stehst du zu dem Vergleich deiner Stimme mit Björk?

Lena Meyer-Landrut bei Unser Star für Oslo  Foto: Willi Weber

Stimmlich wird Lena oft mit Björk verglichen, einen Song von ihr wird sie aber nicht singen.

Lena: Björk ist ja an sich erstmal ganz großartig. Sie ist eine Frau, die Riesiges geschaffen hat, vor allem, die ihr eigenes Ding durchsetzen konnte. Die Vergleiche finde ich etwas komisch, weil jeder Mensch einzigartig ist. Den Vergleich mit ihr nehme ich einfach so auf, weil ich auch meinen Stil durchziehe. Ich habe aber nicht vor, hier etwas von Björk zu machen, weil mir das zu krass ist. Sie ist eine Ikone und Ikonen nachzumachen ist immer schwierig. So wie Falco. Wäre geil, was von ihm zu singen, aber würde ich auch nicht machen.

Überrascht du die Zuschauer auch mit einem eigenen Song, falls du weiterkommst? 

Lena: Nein. Ich kann kein Instrument spielen und keine Noten lesen, geschweige denn neue Sachen selber schreiben. Aber ich schreibe viele Texte und auch gute, meiner Meinung nach, also ich bin immer sehr zufrieden damit. Wenn ich weiter Musik machen darf, dann werden die auch sicherlich eingebracht.

"Ein fremdes Lächeln erpicht mein Herz"

Wie sieht dein Leben nach "Unser Star für Oslo" aus, wenn du nicht beim Eurovision Song Contest in Norwegen dabei sein solltest?

Lena: Ganz normal. Ich gehe zur Schule, ich will mein Abi machen, ich treffe mich mit meinen Freunden, ich fahre zum Training, alles ganz normal, so wie vorher.

Hast du ein Lebensmotto? 

Lena: Ein bisschen Fröhlichkeit an die Menschen weitergeben und ein fremdes Lächeln erpicht mein Herz.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 12.03.2010 | 20:15 Uhr