Aljoscha für die Ukraine im 2. Halbfinale des ESC.

Ukraine: Aljoscha

von Marco Lambrecht

Bevor beim 55. Eurovision Song Contest in der Telenor Arena in Oslo ein einziges Mikrofon angeschaltet wurde, hatte sich die Ukraine bereits den ersten inoffiziellen Preis verdient. Das Land hatte mit Abstand die chaotischste Kandidatensuche aller 39 Teilnehmerländer abgeliefert.

Dabei sah am 6. März 2010 die Welt noch in Ordnung aus. Der bereits im Dezember 2009  vom ukrainischen Fernsehen intern nominierte Sänger Vasyl Lazarovitsch präsentierte an jenem Abend fünf potenzielle Beiträge der Öffentlichkeit. Die Fernsehzuschauer und eine Expertenjury entschieden sich einstimmig für den Titel "I Love You", den der Berliner Produzent Brandon Stone zusammen mit Olga Yarynich geschrieben hatte.

Ukraine: Aljoscha - Sweet People

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Der ukrainische Umsturz 

Während sich Vasyl Lazarovitsch in die Vorbereitungen auf den Eurovision Song Contest stürzte, braute sich in der Chefetage des ukrainischen Fernsehens NTU Ungemach zusammen. Am 15. März trat der amtierende Präsident der Anstalt, Vasily Ilaschuk, zurück und räumte seinen Chefsessel für Egor Benkendorf. Letzterer war zuvor Produktionsdirektor beim Fernsehsender Inter gewesen und gehörte zu jenen Medien- und Musikschaffenden, die die Nominierung von Vasyl Lazarovitsch stark kritisiert hatten. In einer seiner ersten Amtshandlungen als neuer NTU- Boss annullierte Benkendorf die Entscheidung und setzte für den 20. März 2010 einen Vorentscheid an.

Vorentscheid ohne Happyend 

Aljoscha © NTU

Aljoscha.

Der geschasste Sänger fügte sich nach einigen Protesten und reihte sich mit "I LoveYou" in das 20-köpfige Teilnehmerfeld der in Rekordzeit organisierten Show ein. Wieder hatten Televoter und Juroren je zur Hälfte das Sagen, nur hieß diesmal die Gewinnerin Aljoscha mit dem Titel "To Be Free". Ein niedergeschlagener Lazarovitsch landete abgeschlagen auf Rang sieben. Doch kaum war die neue Siegerin gekürt, brachte sie ihr Titel wieder zu Fall. "To Be Free" war nicht nur bereits 2008 veröffentlicht worden, zu allem Überfluss hatte sich Aljoscha bei der Komposition zu stark von Linda Perry und Grace Slick und deren Song "Knock Me Out" inspirieren lassen.

Die improvisierte Kandidatin 

Als am 22. März 2010 die offizielle Anmeldefrist zum Contest verstrich, stand die Ukraine immer noch ohne einen legitimen Kandidaten da. Aber anstatt aufzugeben, schluckte NTU die für einen solchen Fall vorgesehene Strafzahlung. Benkendorf versprach, innerhalb einer Woche die Lücke im Teilnehmerfeld von Oslo zu schließen. Es musste also doch wieder eine Entscheidung hinter verschlossenen Türen her und am 24. März wurde Aljoscha erneut als ukrainische Kandidatin bestätigt. Die 24-jährige Sängerin wird mit der Powerballade "Sweet People" ins Rennen gehen - einer Eigenkomposition, bei der sie die Unterstützung von Boris Kukoba und Vadim Lisitsa bekam.

Ein frisches Gesicht 

Ukraine: Aljoscha © NTU

Aljoscha singt für die Ukraine.

Aljoscha oder Olena Kucher, wie ihre Mutter sie kennt, stammt aus der Stadt Saporischschja und hat an der Nationalen Universität für Kunst und Kultur in Kiew Gesang studiert. Ihre Stimme umfasst vier Oktaven, was auch die Produzenten der Plattenfirma "Catapult Music" beeindruckt haben dürfte, bevor sie die junge Sängerin 2008 unter Vertrag nahmen. Jedoch ist sie trotz zweier Veröffentlichungen mit "Snow" und "You'll Be Gone" in der ukrainischen Musikszene noch keine bekannte Größe. Dies dürfte sich aber schlagartig ändern: Trotz der verkorksten ukrainischen Kandidatensuche konnte sich Aljoscha bei der Endrunde in Oslo behaupten und mit Rang zehn kehrt sie mit einem respektablen Ergebnis aus Norwegen in ihre Heimat zurück.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 29.05.2010 | 21:00 Uhr

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