Stand: 18.08.15 14:34 Uhr

Al Bano & Romina Power sind zurück

Al Bano und Romina Power am 24. Juni 2015 in Berlin. © picture-alliance / Eventpress Foto: Eventpress Radke

Al Bano und Romina Power haben die Berliner Waldbühne für ihr exklusives Comeback-Konzert ausgewählt.

Boshaft ließe sich sagen: Am 21. August 2015 tritt ein älteres italienisches Paar in Berlin auf, weil es sich sonst in der Heimat südlich der Alpen langweilen würde. Vielleicht braucht es auch ein wenig Auffrischung der Haushaltskasse. Obwohl - beide müssen in den Erfolgsjahren ihrer Karriere ein Vermögen verdient haben. Aber wie dem auch sei: Die italienischen Schlagerlegenden namens Al Bano & Romina Power gibt am Freitag auf der Berliner Waldbühne ein Comeback-Konzert.

Die Open-Air-Location in der Hauptstadt ist nur etwas für Künstler mit großem Selbstbewusstsein, denn die Waldbühne muss sehr gut besucht sein, um nicht leer zu wirken. Dieses italienische Paar, das nicht mehr verheiratet ist, stellt sich der Herausforderung, dort zu performen.

Ein Konzert mit Hits von einst

Sie präsentieren alle Hits, vor allem aus den frühen bis mittleren Achtzigern: "Sharazan", "Tu soltanto tu" oder auch "Felicità". In der ESC-Community haben sie nicht wegen dieser Lieder den Zutritt in die ewige Hall of Fame erlangt, sondern aufgrund zweier Auftritte beim Grand Prix. Und das ist lange her. Am 3. April 1976 vertraten sie ihr Land mit dem zweisprachigen Lied "We'll Live It All Again (Noi lo riviremo di nuovo)". Auch in jenem Jahr musste nicht zwangsläufig in der Landessprache gesungen werden.

Al Bano und Romina Power 1976 beim Grand Prix © EBU

Die Italiener Al Bano und Romina Power waren beim ESC 1976 nicht nur ein Gesangsduo, sondern auch ein Ehepaar.

Romina Power, Tochter des US-Filmhelden Tyrone Power, war damals 25 Jahre alt, Albano Carrisi 33. Charakteristisch für ihre Vorstellung war das, was das Publikum über viele Jahre lieben sollte: eine gewisse Schnulzigkeit, aber der glaubwürdigsten Art. Sie schienen auf der Bühne zu verschmelzen in gemeinsamem Lächeln. Diese gewisse Ultra-Kitschigkeit, die beiden und ihren Liedern immer eigen war, zeigt sich auch in einem kurzen Film über ihre Hochzeit 1970. Sie waren in Italien die Saubermenschen, die Vorbilder in aufrührerischen Zeiten. Mann und Frau, die richtig katholisch heiraten. Ein Paar, in dem der Mann den Ton angibt und die Frau die Scherzchen des Gatten mit höflichem Lachen begleitet.

Der ESC-Auftritt, wenngleich nur mit dem siebten Platz abgeschlossen, öffnete dem Paar Türen in viele europäische Popmärkte. In den Achtzigerjahren waren Al Bano & Romina Power Teil der Italienisierung des deutschen Pop. Neben ihnen konnten auch Alice (ESC 1984), Drupi, Toto Cutugno (ESC-Sieger 1990) oder Umberto Tozzi & Raf (Dritte beim ESC 1987) sehr viel Erfolg in Mitteleuropa ernten.

Als Al Bano, so sein Künstlername, und Romina Power 1985 noch einmal für Italien mit "Magic, Oh Magic" beim ESC antraten, waren sie schon leicht über ihren Karrierehöhepunkt hinweg. Wieder sprang ein siebter Platz heraus. Und wieder wirkten beide wie die Ultrasympathen. Und hübsch auch, dass Romina Power in einem bronzenen Alufolien-Abendkleid auftrat - auf flachen Sandalen. Das musste sie, weil sie von der realen Körpergröße her zehn Zentimeter größer ist als Al Bano.

Scheidung des Musterpaares

Der Schock für die Schlagergemeinde war die Trennung und Scheidung von beiden 1999. In der Klatschpresse hieß es, es habe am ungeklärten spurlosen Verschwinden der Tochter gelegen - andere Stimmen sagten, Romina Power habe die Macho-Allüren ihres Mannes nicht mehr ertragen wollen. Im Jahr darauf kam Al Bano abermals zum ESC zurück, allerdings für die Schweiz als Backgroundsänger der Interpretin Jane Bogaert.

Aber sie taten sich wieder zusammen, wenn auch nicht mehr als Liebespaar. In Hamburg gaben sie voriges Jahr ihr Comeback bekannt. Am 21. August sind sie also auf der Waldbühne in Berlin zu erleben. Sie sagten dem Magazin "Bunte", sie hätten heutzutage mehr Spaß als früher. Das möchten wir einfach mal glauben. Es wird ein Wiedersehen mit alter italienischer Schlagerseligkeit - und darauf kann man sich freuen, weil sie alles ohne jede Ironie, ohne angestrengte Lustigkeit oder den Anspruch, die Welt aus den Angeln zu heben, ins Werk setzen. Felicità!

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 23.05.2015 | 21:00 Uhr