Stand: 19.05.13 01:28 Uhr

Favoritin erfüllt die Prognosen

Emmelie de Forest beim ESC in Malmö © NDR Foto: Rolf Klatt

Sie konnte kaum mehr als kreischen und wieder kreischen: Emmelie de Forest aus Dänemark hat gewonnen. Und damit holt sie zum dritten Mal nach 1963 (Grethe und Jörgen Ingmann) und 2000 (Olsen Brothers mit “Fly On The Wings Of Love”) die ESC-Trophäe in ihr Land. Es war ein ziemlich intensives Kopf-an-Kopf-Rennen während der 39 Länder umfassenden Wertung. Lange nicht so sicher wie Loreen oder Alexander Rybak war “Only Teardrops” die ganze Voting-Tour über von Aserbaidschan und Ukraine ‘verfolgt’. Letztlich fiel ihr Sieg deutlich aus - aber: Sieger-Acts wie Loreen, Lena und Alexander Rybak hätten auch gewonnen, wenn bei ihnen nur exsozialistische Länder abgestimmt hätten. Bei Emmelie de Forest wäre das nicht der Fall gewesen: Strikt nach osteuropäischen Wertungen gerechnet wäre Farid Mammadov Sieger vor Zlata aus der Ukraine geworden.

Blockwertungen fielen in diesem Jahr besonders krass auf. Der exsowjetische Block bediente sich großzügig mit Punkten untereinander. Die Dänin hingegen holte sicher hohe Punktzahlen aus den skandinavischen Nachbarländern. Auf dem vierten Platz konnte sich schließlich die Norwegerin Margaret Berger einfinden, Russlands Dina Garipova wurde Fünfte. Skandinavien und Ex-UdSSR - das ist dieses Jahr der ESC auf den Top 5-Rängen.

Auffällig: Armenien und Aserbaidschan nahmen sich mit keinem Punkt zur Kenntnis.

Schön, dass Ungarn, die Niederlande, Italien und Malta in der ersten Hälfte des Tableaus landeten. ByeAlex erhielt von Lena, die von der verregtneten Reeperbahn die deutschen Punkte übermittelte, straffe zwölf Punkte: Der loungige Beitrag war der deutsche Konsens, auf den sich Jurys und Televotende einigen konnten.

Womit man zu Cascada kommen muss. “Glorious” war nach meinem Geschmack perfekt dargeboten. Natalie Horler war bei keiner Probe besser. Ihre Performance hat in der Malmö Mässan Arena tosenden Applaus ausgelöst. Aber trotzdem bekam der deutsche Beitrag nur 3 Punkte aus Albanien, 6 aus Österreich, 5 aus Israel, 3 aus Spanien und 1 Punkt noch aus der Schweiz. Fünf Länder, 18 Punkte - das war dann der 21. Rang.

Es ließe sich jetzt viel spekulieren, woran dieser, auch die Fans von Cascada enttäuschende Platz nun liegt: Hat Europa die Deutschen überwiegend satt? Ist Dance etwa nicht populär? Die Dänin siegte, und das war von den Indizien her deutlich, weil sie in den Wettbüros Europas als sichere Bank erkannt wurde. Cascada belegte bei den professionellen Prognostikern ebenso einen guten Rang - etwa in den Top 8. Warum jetzt der 21. Platz?

Sportlich gesehen landet jedes Landes immer irgendwo - und Deutschland kann nicht erwarten, immer sehr gute Platzierungen zu erreichen.

Nächstes Jahr also, könnte man sagen, findet der ESC in der gleichen Region statt wie in in diesem. Nur auf der anderen Seite des Öresunds. Vielleicht kriegt die Stadt Kopenhagen ihre neue Monsterhalle, in der Nähe des Flughafens, bis dahin fertig.

Es war ein, offen gestanden, verdienter Sieg. Eine Gewinnerin, die die Kompromisskandidatin aller war. Das Lied – die Bemerkung sei mir persönlich nachgesehen – sehr schnell überhört.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 18.05.2013 | 21:00 Uhr