Stand: 21.11.15 11:45 Uhr

Musikerkollegen - solidarisch mit Naidoo

Xavier Naidoo guckt mit Schirmmütze auf dem Kopf in die Fotokamera © NDR/Alexander Laljak Foto: Alexander Laljak

Wenn sogar die ARD-Tagesthemen, wenn überhaupt alle Medien in diesem Lande über die Entscheidung des ESC-federführenden NDR zum nächstjährigen deutschen ESC-Act berichten: Dann haben die Entscheider etwas richtig gemacht. Soviel Aufmerksamkeit war zuletzt bei Guildo Horn 1998 - und das ist obendrein auch einer, der Xavier Naidoo gut finden.

ESC wird zur nationalen Angelegenheit aufgeladen

Aber dazu gleich einige Beispiele mehr, vor allem scheint mir doch dies ins Auge zu springen: Nie zuvor ist ein Eurovision Song Contest in Deutschland zu einer solch nationalen Angelegenheit aufgeladen worden. Fast alle Kritiker an der Entscheidung, Xavier Naidoo für Stockholm zu delegieren, eint die Idee, man hätte eine Volksentscheidung ansetzen müssen - über den Künstler -, bis sich die meisten einig sind. Das ist aber der Gegensatz zu dem, was Pop ist. Pop war und ist immer Differenz, ist die Kunst, einen künstlerischen Entwurf gegen den Mainstream zu formulieren. Ging schon den Beatles so oder Udo Lindenberg (auch ein Freund von Xavier Naidoo) oder Kraftwerk oder Rammstein oder Nena oder oder oder. Ein echter Star wird man nur, wenn man Kontoverses zu bieten hat - und kann es nur bleiben, wenn er (oder sie) viele Kritiker hat.

Musikerkollegen zeigen Solidarität

Joy Fleming vertritt Deutschland 1975 beim Grand Prix und belegt den 17. Platz © ARD/NDR

Joy Fleming macht 1975 den Song "Ein Lied kann eine Brücke sein" zum ESC-Juwel.

Rea Garvey, Michael Mittermeier und Hartmut Engler haben eine Lanze für Xavier Naidoo gebrochen, neben vielen anderen - aber auch eine ESC-Legende wie Joy Fleming, selbst Mannheimerin, die im "Mannheimer Morgen" sagte, dass der von ihr verehrte Kollege aus ihrer Heimatstadt kein Rechtsradikaler sei. Auf die Bemerkung des Interviewers Naidoo bekäme allerdings extremen Gegenwind... , antwortet die Frau, die "Ein Lied kann eine Brücke sein" zum Juwel machte: "Wegen dem Politischen? Das ist ja fast bösartig. Ich hoffe, dass er sich nicht so beschmutzen lassen muss mit dummen Meinungsäußerungen. Da gebe ich persönlich gar nichts drauf. Ich kenne ihn ja, der Naidoo ist doch nicht rechtsradikal oder so was. (…) Aber als Künstler musst du schon aufpassen, was du sagst, weil dir aus allem ein Strick gedreht werden kann. Natürlich kann man seine Meinung sagen. Aber ich bin auch Künstlerin und halte mich aus den Sachen raus, weil man ja eh nichts ändern kann - auch wenn ich gerade alles nicht ganz toll finde."

Und wahr ist auch: Viele jener, die nun an Xavier Naidoo etwas zu mosern haben, wollten dann, sofern sie Künstler waren, doch, dass dieser Mann ihre Musik produziert, damit veredelt und karriereförderlich macht. Das nur nebenbei. Am meisten beeindruckte mich das Facebook-Statement von Rolf Stahlhofen, Mitglied der Söhne Mannheims. Er schreibt unter anderem auch dies:
"Den Xavier Naidoo den Ich kenne, hat mit Udo Lindenberg, Peter Maffay, NENA, mit mir und vielen anderen Rock gegen Rechts gemacht, hat denen, die dem braunen Idioten die Stirn bieten, seinen vollen Support gegeben. Aufgrund der Rock gegen Rechts Tournee, konnte die Amadeu Antonio Stiftunggegründet werden. (…) Er produziert bekennend schwulen Musiker die Alben, macht mehr für Integration als so ziemlich alle moralapostelnden, sich empörenden Politiker jeder Partei, die jetzt aufschreien."

Auseinandersetzung mit allen Stimmen, bitte!

Zusammengefasst, Stand Samstag, 21. November, ein knappes halbes Jahr vor dem Finale von Stockholm: Die Kritiken sind das eine, sie sind zahlreich - und sind wichtig zu vernehmen und sich mit allen Stimmen auseinanderzusetzen. Und zugleich stimmt, dass die Zustimmung zu Xavier Naidoo mindestens ebenso so groß ist. Gut, dass sich jetzt alle melden, ob dafür oder dagegen - vor allem aber jene, die in Sachen Xavier Naidoo einige Dinge klarzustellen vermögen, weil sie ihn kennen.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 25.02.2016 | 20:15 Uhr