Stand: 05.07.16 11:40 Uhr

Kann Ukraine den ESC 2017 wirklich ausrichten?

Jamala aus der Ukraine hält den ESC-Pokal und eine Flagge in die Höhe. © dpa - Bildfunk Foto: Maja Suslin

Jamala hat mit ihrem Sieg in Stockholm den nächsten ESC in die Ukraine geholt.

Es steht die Frage im Raum: Kann die Ukraine im kommenden Jahr überhaupt den 62. Eurovision Song Contest ausrichten? Eventuell, heißt es, fehle es an den nötigen finanziellen Mitteln, hauptsächlich mangele es aber an eurovisionstauglicher Infrastruktur. Auf der deutschsprachigen Seite von Russia Today heißt es: "Der Kulturminister der Ukraine, Jewhen Nyschtschuk, hat darauf hingewiesen, dass die Ukraine bisher über keine geeigneten Veranstaltungsorte verfügt, um den Eurovision Song Contest auszutragen. Gleichzeitig hat der Finanzminister des Landes die Kiewer-Regierung aufgefordert, abzuschätzen, ob sich die Ukraine den Eurovision Song Contest finanziell überhaupt leisten kann."

Das ist, typisch für dieses keineswegs der Ukraine wohlgesonnene Medium, geschickt formuliert. Dabei war es auch in anderen Ländern der vergangenen ESC-Jahre durchaus ein Thema, ob die geldlichen Lasten, die mit einem ESC verbunden sind, zu tragen wären. Sogar im reichen Dänemark - als es 2014 Kopenhagen wurde - gab es eine heiße Debatte darüber, ob ein ESC finanziell verkraftbar sei.

Planspiele in Kiew

Menschenansammlung vor der Veranstaltungshalle in Kiew © NDR Foto: Rolf Klatt

In der Halle neben dem Olympiastadion in Kiew fand 2005 der erste von der Ukraine ausgetragene ESC statt.

Die Wahrheit ist, soweit das jetzt umrissen werden kann: Die European Broadcasting Union (EBU) hat auf einem Treffen ihrer ESC-Leitungsgruppe (Reference Group) in Kiew neulich einen Anforderungskatalog formuliert, beispielsweise was die Hallenfrage anbetrifft: Gesucht wird eine Arena, in die 7.000 Zuschauer passen sollen, am besten jedoch 10.000. Eine solche Halle gibt es in der Ukraine, aber sie ist nicht im nagelneuen oder wenigstens renovierten Zustand wie die Arenen in Malmö, Baku oder Stockholm. Gemeint ist, wenn die ukrainischen Leute von NTU (dem ukrainischen Fernsehen) Auskunft geben, die Halle neben dem für die Fußball-EM 2012 stark aufgehübschten Olympiastadion in Kiew. In der war der ESC 2005 beheimatet, eine alte realsozialistische Anlage, deren Bühne für die ESC-Shows etwas zu dunkel ausgeleuchtet war, aber prinzipiell funktionierte. Nur: So richtig lassen sich mit der Zuschauermenge dort nicht die Kosten amortisieren.

Insgesamt aber wollen die ukranischen Verantwortlichen sich nicht festlegen. Lily Yamborak von NTU (ihr Titel: Senior Expert of the EBU Coordination Unit Foreign Cooperation Department National Television Company of Ukraine) teilt mit: "Wir werden den ESC ausrichten. Wir haben schon vor dem Sieg von Jamala den Vertrag mit der EBU unterzeichnet, nach dem jedes Land im Falle eines Sieges den ESC ausrichten muss. Das werden wir auch tun. Das ukrainische Parlament hat das auch beschlossen. Über die Kosten gibt es viele Gespräche mit der EBU. Aber sicher werden wir es schaffen, logistisch und finanziell." Und sie fügt an: "Wir werden unseren Pflichten entsprechen. Bis 9. Juli können sich noch alle Städte in der Ukraine bewerben - und am 1. August, so ist die Lage der Dinge, geben wir nach intensiver Prüfung die Stadt bekannt, die im kommenden Jahr den ESC ausrichten wird. Wenn die Stadt bestimmt sein wird, wissen wir auch alles über die Arena."

Überraschungsstadt? Unwahrscheinlich!

Der Hafen in Kiew (Ukraine). © NDR

Kiew dürfte die besten Chancen haben, Austragungsstadt für den ESC 2017 zu werden.

Auf die Frage, wo es denn überhaupt eine geignete Halle gäbe, antwortet sie: "Es gibt viele Möglichkeiten. Kiew natürlich auch." Aber das Olympiastadion hat doch eine Dachkonstruktion, die trotzdem noch wie eine Open-Air-Geschichte bleibt - in der Mitte ohne Regenschutz. Lily Yamborak sagt darauf: "Wir werden, wenn es an etwas fehlt, etwas bauen können. Wir scheuen keine Anstrengung." Als sechste ukrainische Bewerberstadt hat sich nun auch Cherson ins Spiel gebracht, am Schwarzen Meer gelegen, wie Odessa. Daneben konkurrieren: Kiew, natürlich, sowie Lviv (das früher habsburgische Lemberg), Charkiw und Dnipro.

Zusammengefasst hat also Kiew hat die besten Voraussetzungen: Flughafen, Hotels, metropoles Flair - und vermutlich auch die geeignete Halle. Jede andere ukranische Stadt als ESC-Gastgeberin wäre ähnlich sensationell wie Jamalas Sieg in Stockholm.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 13.05.2017 | 21:00 Uhr