Kommentar

Stand: 26.11.18 13:40 Uhr

Lena sagt "Dankeschön"

Lena Meyer-Landrut tritt bei der Charity-Gala "Dreamball" auf. © Picture-Alliance / dpa Foto: Jens Kalaene

Nach einem Jahr mit Rückschlägen meldet sich Lena Meyer-Landrut mit dem Song "Thank You" zurück.

Ihre Fanbase umfasst mittlerweile Millionen Follower auf allen möglichen Social-Media-Kanälen: Die Rede ist von Lena Meyer-Landrut. Seit ihrem Eurovisionssieg für Deutschland 2010 in Oslo hat sie sich zu einem echten Pop-Star gemausert. Nun hat sie ihren neuen Song "Thank You" veröffentlicht. Und was flott und frisch klingt, wie ein unbewölktes Dankeschön, ist in Wahrheit - achtet man genau auf den Text - eine Abrechnung mit all jenen, die sie mies angingen. Mitte November erschien das Lied, eine Auskopplung des seit längerem geplanten Albums. In einem Interview mit Spiegel Online sagt sie hierzu: "Es geht mir nicht nur um Mobbing und Hass im Internet, sondern generell darum, aus etwas Negativem etwas Positives zu machen. Bei der Arbeit am neuen Album hatte ich einen Moment, in dem ich mich neu fokussieren und sortieren musste und mich viel mit diesen Themen auseinandergesetzt habe. Jetzt kann ich endlich darüber sprechen."

Jahr 2018 lief nicht ganz rund

Es ist ihre Antwort auf ein eher nicht so glatt verlaufenes Jahr 2018. Die Tourneeauftritte wurden abgesagt, die Veröffentlichung des Nachfolgealbums des 2015 erschienenen "Crystal Sky" wurde immer wieder verschoben. Lena Meyer-Landrut, eine der einflussreichsten jungen Pop-Künstlerinnen in Deutschland, machte sich generell rar. Nun erklärt sie: "Es war viel los, viel Lärm. Viele Dinge prasselten auf mich ein, ich habe viel reagieren müssen. Ich habe den Fokus auf mich und meine Mitte verloren. Ich musste alles einmal reflektieren und aufarbeiten, das war der Grund, warum ich mir dann auch eine kleine Auszeit genommen habe, die breit als Krise diskutiert wurde. Dabei war es gar keine Krise im eigentlichen Sinne, sondern der Moment, in dem ich mir gesagt habe, jetzt ändere ich etwas."

Musik gegen Neider und Kritiker

"Thank You" ist ihre Antwort auf das, was man auf diesem Instagram-Post sehen kann: Hässliche Worte sind auf einer Glasscheibe zu sehen, Vokabeln, die niederträchtig gemeint sind und immer gegen die ESC-Siegerin gerichtet: "Arrogante Göre", "Du dumme Schlampe", "Du wirst nie genug sein" oder "Hässlich und nichts wert" - und schließlich die Killerformel gegen Frauen schlechthin: "Fotze".

Sie setzt ihr Statement dagegen, ein Paradebeispiel für positives Denken, auch wieder auf Instagram: "Wachstum durch Widerstand" ist auf ihrem weiß glasierten Gesicht zu lesen.

"Selbstliebe" wichtiger Teil des neuen Albums

Dazu führt sie in dem Gespräch aus: "Im Album geht es um Selbstliebe, um romantische Liebe und um Nächstenliebe. Es geht darum, wie ich leben möchte. Deshalb heißt das Album auch 'Only Love L'. Das ist meine Unterschrift unter jedem Brief, einfach weil ich es schön finde, Dinge mit Liebe und einem guten Gefühl zu beenden."

Nicht kleinkriegen lassen, so muss das wohl verstanden werden. Lena Meyer-Landrut erläuterte: "Wenn man Bewusstsein für sich selber hat, fällt es auch leichter, sich von dem Bewusstsein der anderen nicht so abhängig zu machen. Selbstliebe hat auch etwas damit zu tun, etwas Gutes für sich zu tun und auch aus schlechten Dingen etwas Gutes für sich zu ziehen. Das heißt nicht, dass von vornherein alles gut ist."

Tournee folgt im Jahr 2019

2019 - das wird, so darf man es verstehen, ein Jahr der Selbstbehauptung, ohne sich aus dem öffentlichen Leben zurückzuziehen. Wobei: Präsent war sie ja auch, wenn sie nicht da war - Fans fragten dann eben, wo sie denn bleibe. Und auch das sind öffentlich gemachte Spuren, die zu einem Dasein als Star zählen. Wirklich Sorgen müsste sich Lena Meyer-Landrut machen, wenn den Fans gleichgültig wird, was sie so macht, auf welchen Reisen sie gerade ist und welchen Gedanken sie nachhängt.

"Thank You", das vorab veröffentlichte Lied des kommenden Albums, ist ein Zeichen, das allen jungen Frauen signalisiert: nicht unterkriegen lassen, nicht klein beigeben, sich nicht vom Urteil anderer abhängig machen. Und in dieser Welt, in der alle über alle meinen urteilen zu müssen, ist das eine gute Message.

Dieses Thema im Programm:

NDR Blue | ESC Update | 22.12.2018 | 19:05 Uhr