Stand: 15.09.15 23:59 Uhr

Meldeschluss für den ESC 2016

Alle ESC-Teilnehmer auf der Bühne vor dem jubelnden Publikum am Showende des zweiten Halbfinales in Wien. © NDR Foto: Rolf Klatt

In Stockholm werden mehr Länder dabei sein als 2014 in Wien, vermutet Jan Feddersen.

In Berlin hat sich Montag der Lenkungsausschuss des Eurovision Song Contest, die Reference Group, getroffen. Man debattierte über vieles, aber vor allem wurde gesichtet, wer sich bisher für das Event im kommenden Jahr in Stockholm angemeldet hat. Offiziell sind es - Stand früher Morgen des 14. September - bislang 26. Doch es werden noch viele mehr werden, sogar mehr als die 40, die in Wien in diesem Jahr dabei waren - so lautet meine Prognose. Um eine Zahl zu nennen: Es könnten 46 sein, drei mehr als 2008 in Belgrad und 2011 in Düsseldorf - den ESCs mit den bisher höchsten Teilnehmerzahlen. Am 15. September endete die Anmeldefrist.

Zunächst sind alle der üblichen Länder dabei - von den Big Five sind keine Rückzugspläne bekannt, auch Italien wird wieder mitmachen. Skandinavien, Finnland und das Baltikum werden sich ebenfalls zeigen wollen - die Wege nach Stockholm sind ja ziemlich kurz. Klar ist: Monaco, Marokko, Andorra und Luxemburg werden kein Comeback geben. Offen ist, ob die in Wien - und schon vorher - fehlenden Traditions-Länder die Verträge der European Broadcasting Union (EBU) für 2016 zeichnen. Das sind: die Ukraine, die Türkei, Bosnien und Herzegowina, Kroatien, Slowakei und Bulgarien.

Türkei - möglich, aber ungewiss

Einigermaßen fundierte Gerüchte gehen fest davon aus, dass TRT, der Sender der Türkei, einen Kandidaten oder eine Kandidatin in die schwedische Hauptstadt schicken wird, aber sicher ist das überhaupt nicht. Zwar hat bei TRT die Führungsebene gewechselt, der stark religiös gesinnte vorherige Leiter ist nicht mehr im Job. Aber, so heißt es bei der EBU, man werde die Türkei erst einplanen, wenn die Verträge unterzeichnet sind. Sind sie es, heißt das aber noch nichts. Gut wahrscheinlich ist es trotzdem: Die Türkei ist so stark in der ESC-Geschichte verankert, gerade der jüngsten, dass das auch TRT begreiflich sein könnte. Außerdem, bei aller Liebe: Die Türkei ist ja Teil Europas, zumal als Transformationsstation zur arabischen Welt - die EBU tut momentan viel, die Leute von TRT zu überreden-

In Sachen Kroatien, Bulgarien, Bosnien und Herzegowina, der Slowakei und der Ukraine, in der gerade im Osten des Landes ein Krieg wütet, spielten zuletzt finanzielle Gründe eine Rolle, auf den ESC zu verzichten. Aber nach allem, was man von diesen Sendern hören kann, wollen sie alle in Stockholm beim ESC-Festival mit von der Partie sein. Die Ukraine ist hier besonders wichtig, weil dieses Land in Wien fehlte - und das ausgerechnet in einer politischen Situation nach den demokratischen Aufständen auf dem Kiewer Maidan. Die EBU, so ist zu vernehmen, kümmert sich um dieses Land besonders stark. Bulgarien hingegen hat wenig Gründe, weiter beim ESC zu fehlen: Als Veranstalter des Junior ESC im November in Sofia zeigt man ja, dass es an Geldlichem nicht so mangelt. Was den Balkan anbetrifft: Noch ist auch offen, ob Mazedonien wieder mitmacht. Das Land schnitt nie besonders gut ab, entsprechend ist die Popularität des ESC dort nicht sehr verankert.

Das sind, sagten sie alle zu, schon sechs Länder mehr, als in Wien an den Start gingen. Ungeklärt ist, wie es um Australien steht. Der öffentlich-rechtliche Sender hat mit der Liveübertragung des ESC in Wien (Semis und Finale) krass überdurchschnittliche Einschaltquoten notieren können. Australien, mit anderen Worten, war echt begeistert und ließ sich von dieser Teilnahme überzeugen. Aber die EBU signalisierte immer, Australiens Mitmachen sei außergewöhnlich dem 60. ESC selbst geschuldet. In Wahrheit ist die Frage für die EBU offen. Jon Ola Sand, Direktor des ESC-Projekts bei der EBU, sagte neulich selbst, das könne gut noch überlegt werden. Heißt: Möglich ist alles.

Australien - ja, bitte wieder

Guy Sebastian auf der ESC-Bühne in Wien. © Rolf Klatt / NDR Foto: Rolf Klatt

War Australiens Teilnahme am ESC tatsächlich eine einmalige Sache?

Ich plädiere für die Teilnahme Australiens sehr. Die Kolleginnen und Kollegen aus dem fünften Kontinent waren in der ESC-Medienwelt eine Bereicherung, der Sänger Guy Sebastian ohnehin. Es wäre prima, wäre Australien wieder dabei.

Dann wären es, anders als in Wien, nicht 40 Länder, sondern die Rekordzahl von 46. Sechs für das Finale gesetzt (die Big Five plus Schweden) sowie je 20 in den Semis. Es wäre ein deutliches Zeichen in einem Europa, in dem viele Länder mit der Idee der europäisierenden Integration hadern. Die EBU möge stark für alle werben! Wer, schließlich noch dies, bis 15. September es nicht zur Anmeldung geschafft hat, bekommt noch eine Gnadenfrist, die läuft am 10. Oktober ab.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 14.05.2016 | 21:00 Uhr