Stand: 19.05.08 19:15 Uhr

1. Kostümprobe: Höllenfeuer und Azteken-Karneval

von Simone Stoffers
Der israelische Sänger Boaz Mauda während einer Probe für das 1. Halbfinale © AP Foto: Srdjan Ilic

Viel Schräges bei der ersten Kostümprobe für das Halbfinale am Dienstag: Die Show wird mit einem Augenzwinkern eingeläutet, eine Performance zwischen Balkanhochzeit und Fernsehballett bringt die Zuschauer in die richtige Stimmung. Und gleich mit dem zweiten Titel scheint der Höhepunkt erreicht: Boaz Maudas glockenhelle Stimme erfüllt den Saal, und sorgt dafür, dass Israels Song direkt ins Herz geht. Sein Auftritt ist schlicht, aber nicht unsexy, nur mit grauer Hose und einem weißen Unterhemd bekleidet, bringt die jemenitische Nachtigall so manchen Hormonhaushalt durcheinander.

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19. Mai: Kostümprobe fürs erste Halbfinale

Sommerlicht, Bonbonkleid und Teufelswerk

Estlands Kreisiraadio sorgt gleich im Anschluss für Abkühlung: Mit einem stampfenden Kinderlied bringen die drei Herren am Rande der Midlife-Crisis in pastellbunten Anzügen Stimmung in die Halle. Wundern Sie sich nicht über deutsche Fahnen auf der Bühne, schließlich wird immer wieder auf Deutsch das "Sommerlicht" besungen. Was jedoch die Schilder mit Torte, Zwiebel und Wurst bedeuten, erschließt sich dem Zuschauer nicht.

Ebenfalls aus dem Rahmen fällt Belgien, das wieder auf eine Kunstsprache setzt. Während das Kleid der Sängerin von Ishtar an ein Bonbon erinnert, lässt die Musik trotz der wohlklingenden Stimmen eher an einen Heimatfilm denken. Etwas feuriger geht es bei Elnur und Samir zu. Mit Vorschusslorbeeren war der "Engel-gegen-Teufel"-Beitrag von ESC-Debütant Aserbaidschan bedacht, doch Höllenfeuer allein kann in Zeiten von Marilyn Manson nicht überzeugen.

Truthahn ohne Unterleib

Laka treten für Bosnien-Herzegowina an © NDR Foto: Rolf Klatt

Dustin The Turkey hingegen erfüllt die Erwartung seiner Fans und rockt die Bühne mit wilden goldbemalten Tänzern, die ihr Outfit bei Lido-Girls und Azteken-Karneval zusammengeklaut haben müssen. Dustin, der Truthahn ohne Unterleib, sitzt auf seiner Disco-Box, auf deren Laufband: "Czech Tereza call me!!" läuft. Die Punkte aus der Tschechischen Republik scheinen also sicher. Schwieriger wird es bei Laka aus Bosnien-Herzegowina. Sein poetischer Song in schräger Inszenierung mit strickenden Bräuten wird von vielen Serben favorisiert. Und auch wenn er nicht ins Finale kommen sollte, kann er sich immerhin rühmen, das erste Mal eine Wäscheleine auf einer ESC-Bühne benutzt zu haben.

Finnische Flammen

Teräsbetoni aus Finnland © AP Foto: Srdjan Ilic

Zu den Höhepunkten gehören auch Teräsbetoni aus Finnland, die in diesem Jahr ganz dicht am Erfolg von Lordi anknüpfen wollen - nur ohne Masken. Mit allem, was die Pyrotechnik hergibt, inklusive Flammen und Feuerwerk, vor allem aber mit einem kräftigen Hu! Ha! zeigen die Hardrocker, dass der ESC wirklich kein Schlagerwettbewerb ist. Am Ende beweist Dima Bilan für Russland noch einmal, dass er es auch im zweiten Anlauf wirklich ernst meint mit dem Gewinnen: Im schneeweißen Outfit wälzt er sich barfuß auf dem Boden, um dann zusammen mit seinem Streicher und dem Eiskunst-Star Jewgeni Pljuschtschenko "Believe!" zu flehen. Ob’s fürs Finale reicht, zeigt sich am Dienstagabend.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 24.05.2008 | 21:00 Uhr