Stand: 12.03.18 10:15 Uhr

Benjamin Ingrosso tritt für Schweden an

Benjamin Ingrosso nach seinem Sieg beim Melodienfestivalen © Eurovision.TV

Überzeugte Fans und Juroren: Sänger Benjamin Ingrosso.

Die schwedische Vorentscheidung für den ESC 2018 hat der 20-jährige Benjamin Ingrosso mit dem Elektro-Lounge-Stück "Dance You Off" gewonnen. Sein Sieg beim Melodifestival setzte sich aus beiden Teilen des Wertungsschemas zusammen. Sowohl bei den internationalen Juroren lag der Sohn von Pernilla Wahlgren (öfter beim Melodifestival dabei, unter anderem 1991 mit "Tvillingsjäl") und dem Tänzer Emilio Ingrosso vorn: Die elf Juroren sahen ihn eindeutig auf dem vordersten Platz, auch bei der Punkteverteilung des Televotings hatte er vor Felix Sandman mit "Every Single Day" die Nase vorn.

Zwei Stunden - und ein gerechter Sieger

Die Übertragung aus der Friends-Arena in Solna bei Stockholm dauerte rund zwei Stunden und bot eine Fülle von kleineren und größeren Trends beim schwedischen Melodifestival. Die Lieder waren allesamt gut bis sehr gut produziert; auch kleinere und größere Stimmschwächen wurden dezent weggeblendet; Moderator David Lindgren führte durch die Show mit musicalhafter Routine, er hatte nur einen einzigen, kaum hörbaren Versprecher. Als Sidekick diente ihm Fab-Freddie, eine Kunstfigur.

Zwei Elemente stachen während des Melodifestival hervor: erstens der Interval-Act mit dem schwedischen Sangesstar Helena Sjöholm, die mit dem Männertrio Solala das berührende Lied "Vår bästa tid är nu" (Unsere beste Zeit ist jetzt) vortrug. Zweitens, unmittelbar vor Verkündigung des schwedischen Televoting-Ergebnisses die dreifache Melodifestival-Teilnehmerin Caroline af Ugglas, die Robin Bengtssons schwedisches ESC-Lied vom Vorjahr in einer dramatischen Cirque de soleil-artigen Fassung mit dem schwedisch-multikulturellen Chor "Gränslos röster" (Grenzenlose Stimmen) aufführte - und am Ende zur Solidarität mit nach Schweden Geflüchteten aufrief. Der Saal applaudierte überwiegend.

Fast kein Trash, dafür jede Menge Pop

Gemessen an früheren Vorentscheiden war das diesjährige fast völlig frei von dem, was man Schlager oder Klamauk nennen muss. Lediglich die Trashgruppe Rolandz hatte diesen Stoff zu bieten, es reichte nur für den zehnten Rang. Auffällig war, dass auf den vorderen drei Plätzen zwar mit Benjamin Ingrosso der professionellste und überzeugendste Künstler unter allen gewann. Der Act dahinter, mit gar nicht so großem Abstand von 23 Punkten, Felix Sandman, rutschte erst über die zweite Runde, die Andra-Chansen-Show vom vorigen Wochenende ins Finale.

Prognosen für das Fortkommen der Lieder sind naturgemäß immer schwierig, Schweden stand in den Wettbüros schon vor dem Melodifestival ganz weit vorne, was daran liegen mag, dass dieses Land bis auf eine Ausnahme im Jahr 2010 stets im Finale war und gut bis sehr gut dort abschnitt.

Der Sommerhit aber wird, neben "Dance You Off", "In My Cabana" (In meiner Hütte) der gebürtigen Polin Margaret, die als Einzige der zwölf Kandidaten des Abends des Schwedischen nicht mächtig war: Das Lied ist von vollkommener Anspruchslosigkeit, aber hübsch zum Tanzen, etwa beim Bügeln. Ebenso hitverdächtig ist der Titel des gebürtigen Chilenen Mendez, dessen tanzbarer salsa-artiger Titel "Everyday" keine Gnade vor den internationalen Juroren fand, aber auf dem dritten Platz beim Televoting landete. Ihm blieb dennoch nur der allerletzte Rang - aber er wird Zukunft haben.

Dieses Thema im Programm:

ONE | 10.05.2018 | 21:00 Uhr