Stand: 10.12.2018 12:40 Uhr

Roman Lob: Unterwegs auf vielen Bühnen

Roman Lob für Deutschland © NDR Foto: Rolf Klatt
Achter Platz 2012 in Baku: Ein toller Erfolg für Roman Lob.

Ähnlich wie Michael Schulte überzeugte Roman Lob mit einem guten Ergebnis beim Eurovision Song Contest: In Baku 2012 erreichte der gebürtige Düsseldorfer und bei Köln lebende Sänger mit "Standing Still" den achten Platz für Deutschland. Für ihn, der zwei Alben veröffentlicht hat, war der ESC kein Karriereendpunkt, sondern ein gelungener Auftakt. Kurz vor Beginn der heißen Phase der neuen ESC-Saison, die mit dem Finale im Mai in Tel Aviv endet, haben wir mit ihm gesprochen.

Wie geht es dir gerade?

Roman Lob: Sehr gut, wirklich sehr gut. Es läuft. Ich war bis vor Kurzem einige Zeit in einer Solorolle am Friedrichstadt-Palast in Berlin - und bin jetzt zurück in meiner Heimat.

Du hast in Berlin in dem Stück "The One Grand Show" gespielt.

Lob: Und das hat wahnsinning Spaß gemacht, aber es ist schon ein hartes Stück Arbeit gewesen. Täglich die Show, die ganze Zeit auf der Bühne: Das war nicht ohne.

Du hast ja vor deiner Berliner Zeit in einem Dorf im Rheinland gelebt - wie hast du Berlin erlebt?

Lob: Am Anfang war ich euphorisch. Ich dachte: Mann, Berlin, das wird cool, eine geile Zeit. Allerdings habe ich auch schnell Heimweh bekommen. Aber klar ist Berlin die Großstadt überhaupt in Deutschland.

Und wie erging es dir?       

Lob: Sage ich mal so: Es gibt ja Leute, die fahren total auf die Stadt ab. Hauptsache, raus aus der Provinz. Die bleiben dann für immer.

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Roman Lob singt “Conflicted” im Finale von "Unser Star für Baku" am 16.02.2012 in Köln © NDR Foto: Willi Weber

Industriemechaniker mit Hang zur Bühne

Schon seit der ersten Show von "Unser Star für Baku" sammelte Roman Sympathiepunkte. Beim ESC-Finale in Baku belegte der gelernte Industriemechaniker für Deutschland den achten Platz. mehr

Und du?

Lob: Ich komme immer gern wieder nach Berlin, das ist schon ein cooles Pflaster. Aber leben für immer? Möchte ich dort nicht, ich gehöre dahin, wo ich auch herkomme. Aus einem kleinen 300-Seelen-Dorf. Ich brauche auch mal Ruhe, in Berlin ist alles irgendwie hektisch. Das liegt mir nicht so gut.

Wo hast du in Berlin gelebt?

Lob: In den knapp zwei Jahren im Prenzlauer Berg, aber dort in einer ruhigeren Gegend, jedenfalls nicht in einer Partymeile. Gerade im Sommer ist Berlin echt geil. Wir, meine Frau und ich, sind jetzt wieder zurückgezogen in unser Dorf, ganz entspannt. Und kommen gern nach Berlin zurück.

Du hast im Friedrichstadt-Palast gut vier Jahre nach deinem ESC-Jahr angefangen - war das noch eine Frucht deiner Superauftritte in Deutschland und Baku?

Sänger Roman Lob bei der Vorstellung der Friedrichstadt-Palast-Show 'The One Grand Show' in der Alten Teppichfabrik (Berlin, 04.07.2016). © picture alliance/Geisler-Fotopress Foto: Klaus Werner/Geisler-Fotopress
Roman Lob hat nach dem ESC seine Musikkarriere ausgebaut.

Lob: Der Regisseur Roland Welke (Anm. d. Red.: Kreativdirektor am Friedrichstadt-Palast) war schon immer Fan von meiner Musik, schon damals zu ESC-Zeiten. Ich hatte, als seine Anfrage kam, eigentlich ganz andere Pläne. Ich war mit Thomas D im Studio für ein neues Album inklusive Tour mit Unplugged-Set, aber dann kam dieses Angebot. Ich habe zu meinem Manager gesagt: 'Nee, das mache ich auf keinen Fall, was habe ich mit Theater zu tun?' Aber dann dachte ich, bevor ich Nein sage, gucke ich mir das an. Vielleicht gefällt es mir ja.

Und?

Lob: Ich war und bin froh, damals nicht vorschnell abgesagt zu haben.

Was ist aus dem dritten Album geworden?

Lob: Das ist so gut wie fertig - und kommt hoffentlich Mitte nächsten Jahres heraus. Wieder von Thomas D produziert, überhaupt mit der alten Besetzung des ersten Albums "Changes" aus dem Eurovisionsjahr 2012.

Aber du wagst trotzdem schon einen Ausflug in die rheinische Karnevalsszene?

Lob: Ja, aber nicht für den Karneval. Alle guten Bands aus unserer Gegend spielen auch beim Karneval, das macht Spaß. Ich bin ja aufgewachsen mit Kölscher Musik. Wenn Du in Köln Fuß fassen willst, gehst du aber auch durch den Karneval. Unser Projekt heißt StadtRand. Das Projekt gibt es seit 2014.

Wie kann man sich eure Musik vorstellen?      

Lob: Pop-Rock-Musik auf Kölsch, so würde ich es nennen. Kein so ein typisches Schalala … Mehr so in die Richtung BAP und Wolfgang Niedecken, Bläck Fööss oder so. Für mich war das nicht die Hauptsache, eine Sache neben meiner Popmusik. Und dann ging das Ding voll durch die Decke, damit hatten wir nicht gerechnet. Wir sind jedes Wochenende unterwegs, manchmal auch mit mehreren Aufritten pro Tag. Irre, oder? Unser neues Lied "Orjenal" ist gerade frisch rausgekommen.

Du fährst sozusagen zweigleisig - bald mit deinem neuen Album und mit StadtRand?

Lob: Manchmal habe ich Terminstress, hin und wieder bin ich ja auch noch mit einer Big Band, einem echten Orchester, als Sänger unterwegs.

Du guckst noch den ESC?

Lob: Ja, tatsächlich, den will ich nicht auslassen, natürlich nicht. Ein Jahr musste ich passen, da stand ich selbst auf der Bühne. Im Jahr 2017, als Levina für Deutschland sang.

Wie hast du die deutschen Songs empfunden?

Lob: Alle waren sie gut. Solide produziert - an ihnen war nichts, was auf eine schlechte Platzierung hindeutete. Ich hatte aber das Gefühl, die Jahre vor Michael Schulte wurden deutsche Beiträge so überhört. Schade eigentlich. Es ist ein blödes Gefühl, im Greenroom zu sitzen und auf Punkte zu warten und dann kommen keine. Ich war ja noch gut weggekommen. Doch wenn du ganz weit hinten landest - nee, das ist wirklich nicht schön.

 

Dieses Thema im Programm:

NDR Blue | ESC Update | 22.12.2018 | 19:05 Uhr

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