Kommentar

Stand: 18.12.17 08:55 Uhr

ESC-Vorentscheid: Gruppendynamik beim Workshop

Das Maarwegstudio2 in Köln ist schon lange ein beliebter Aufnahmeort in der Musikszene. Von Herbert Grönemeyer bis Lena - viele Größen des Pop werden sich hier genauso wohlgefühlt haben wie die drei möglichen Eurovisions-Acts am vergangenen Samstag. Am vierten Tag stehen drei Bands auf dem Programm des Vorentscheid-Workshops, der in früheren Planungen noch "Trainingslager" und sogar "Bootcamp" hieß. Doch "Workshop" passt am besten zu der familiären und professionellen Atmosphäre. Selbst der Aufenthaltsraum vor dem Studio besitzt mit seiner großen Küchenzeile und allen möglichen Sitz- und Couchgarnituren eher den Charme einer aus dem Ruder gelaufenen WG.

VoXXclub wollen seit Jahren zum ESC

Die fünf Mitglieder der Band VoXXclub heben Choreografin Nici Grandison hoch und lachen in die Kamera. © Marcel Stober Foto: Marcel Stober

Die Lederhosen-Buam von VoXXclub lassen Choreografin Nici Grandison nach gelungener Probe hochleben.

Am Anfang erschallt ein lautes "Servus!" Die fünf Jungs von VoXXclub sind die ersten. Bekannt wurden sie unter anderem durch den Song "Rock mi", der sich 2013 wochenlang in den Charts hielt. Ihr Tagesablauf heute ist "wie ein Zirkeltraining", sagt der verantwortliche Producer Jens Bujar: Erst ein Soundcheck im Studio, dann Vocal Coaching und Choreografie-Training, bevor sie letztlich einen Auftritt performen. Aus diesem werden später 90 Sekunden zusammengeschnitten, die dann dem Eurovisions-Panel und der 20-köpfigen internationalen Jury gezeigt werden. Gleich am Anfang sieht die Band, mit wem sie es beim Soundcheck zu tun haben: "Das ist doch der Pianist von der Raab-Show!" - "Ach, ist ja geil!" Mit eben diesem Wolfgang Dalheimer geht es nun an eine erste Probe. Die fünf VoXXclubber haben zum Song "Donnawedda" eine Choreografie einstudiert, die die kleine Bühne gleich an ihre Grenzen bringt. Bandmitglied Florian Claus sagt, die Band wünsche sich seit Jahren, beim Song Contest mitzumachen. Ihr Manager habe sie jetzt heimlich angemeldet und als die Zusage zum Workshop kam, hätten sie sich riesig gefreut. Ihre Musik, die Power, die Energie soll die Menschen zum Mitmachen bringen, meint Claus. Volkstümliche Musik mit modernen Einflüssen habe sicher auch in Lissabon eine Chance. Ihr Video am Ende gerät so dynamisch wie erhofft. Mit Wadlwärmern und Lederhosen rocken die Buben stilecht das Studio. Die Textzeile "Scheiß da nix und mach des, was du magst" kann auch gut als Motto für den Tag stehen. Die Kandidaten werden beim Workshop zu nichts gezwungen, sagt Bujar: "Alles kann, nichts muss."

Trio im Schnelldurchlauf

Vocal Coach Jeff Cascaro arbeitet mit dem Trio Aubrey Bacani (li.), Laura Kästel und Wanja Janeva (re.). © Marcel Stober Foto: Marcel Stober

Vocal Coach Jeff Cascaro bei der Probe mit Aubrey Bacani (li.), Laura Kästel und Wanja Janeva (re.) - einem Trio, das bislang noch keinen Namen hat.

Zwar sind die Tage in Köln gut durchgeplant, doch wenn etwas dazwischenkommt, kann das Team spontan reagieren. Der nächste Act kommt wegen eines ausgefallenen Flugs später als geplant, muss aber früh wieder weg. Doch auch Laura Kästel, Wanja Janeva und Aubrey Bacani verlassen Köln mit einem aussagekräftigen Video. Die drei arbeiten alle bereits als Sängerinnen, kennen sich lange und haben sich frisch als Band zusammengetan. So frisch, dass das Trio noch immer keinen Namen hat. Wanja Janeva bringt ihre Geige mit ins Studio, die spontan in ihre Choreografie eingebaut wird. Vocal Coach Jeff Cascaro macht sich Notizen, Choreografin Nici Grandison gibt Tipps. "Ihr klingt toll zusammen", lobt Dalheimer die Gruppe. Sie performen den Song "Don't Let Go" für das Abschlussvideo - mit Janeva an der Geige.

Zeit für Geburtstagsständchen muss sein

Diana Schneider und Jay Oh von ZweiLand bei den Proben mit ihrem Keyboarder Benny Nauschütz © Marcel Stober Foto: Marcel Stober

Diana Schneider und Jay Oh (re.) sind ZweiLand. Unterstützung bekommen sie von Keyboarder Benny Nauschütz.

Draußen wartet derweil schon die dritte Combo des Tages. Die Gruppe ZweiLand besteht aus Diana Schneider und Jay Oh, der 2015 das "Supertalent" gewann. Ihr Keyboarder Benny Nauschütz hat heute Geburtstag. Für ihn singt das Team ein "Happy Birthday". ZweiLand haben Songs auf Deutsch und Englisch mitgebracht. Für ihr Video entscheiden sie sich für "Running" von Naughty Boy, Beyoncé und Arrow Benjamin. Diesen Song sangen sie bereits bei ihrem ersten gemeinsamen Auftritt überhaupt. Wer sie angemeldet habe, wüssten sie nicht, erklärt Jay Oh. Sie seien aber "total dankbar" dafür. Erst am Mittwochabend hatten die zwei von ihrem Glück erfahren. Jay Oh hat bereits kleine Song-Contest-Erfahrungen: 2014 war er Backgroundsänger im Schweizer Vorentscheid. Er findet den Gedanken "aufregend", nicht nur für sich zu singen, wie beim "Supertalent" - sondern für seine Nation. Während der Videoaufnahme freut sich Choreografin Nici Grandison. ZweiLand hätten sich an ihre Tipps gehalten: "Sie interagieren miteinander, sie schauen zueinander." Außerdem habe das Duo nun die Augen häufiger offen, als in den ersten Proben, was ihre Ausstrahlung verbessert.

Delegationsleiter rundum zufrieden

Producer Jens Bujar (li.) im Gespräch mit dem deutschen ESC-Delegationsleiter Christoph Pellander © Marcel Stober Foto: Marcel Stober

"Alles kann, nichts muss": Unter diesem Motto arbeiten Producer Jens Bujar (li.) und Delegationsleiter Christoph Pellander mit den Workshop-Kandidaten.

Der deutsche ESC-Delegationsleiter Christoph Pellander ist ebenfalls beim Workshop dabei. Alles laufe so, wie er sich das vorgestellt habe, sagte er. Er sei begeistert von den Coaches und der Art, wie sie sich auf die unterschiedlichsten Kandidaten einließen, genauso von der Auswahl an sich.

Dieses Thema im Programm:

NDR Blue | ESC Update | 30.12.2017 | 19:05 Uhr