Stand: 11.02.16 15:24 Uhr

Ella Endlich: Adrenalin-Kick beim Vorentscheid

Sängerin Ella Endlich

Ella Endlich ist auf Tour und hat kaum Zeit für die Vorbereitung auf den ESC-Vorentscheid.

Bekannt wurde sie mit "Küss mich, halt mich, lieb mich", einer Liedversion der Titelmelodie des Märchenfilms "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel". Doch von Märchenprinzessinnen will Ella Endlich nichts mehr wissen. Warum das Vorentscheid-Lied "Adrenalin" eine Art Selbstfindungs-Song ist und was das alles mit einer Abenteuer-Reise in einem Käfer-Oldtimer zu tun hat, erzählt die 31-Jährige im Telefoninterview. Für ein persönliches Treffen war keine Zeit, weil Ella Endlich gerade auf einer großen Schlager-Tour unterwegs ist.

Sie sind gerade auf der "Willkommen bei Carmen Nebel"-Tour, haben Sie überhaupt Zeit, sich auf den Vorentscheid vorzubereiten?

Ella Endlich: Eigentlich nicht. Bei mir kam alles so plötzlich und auch so positiv überraschend, dass man gesagt hat, okay, wir gehen das Risiko ein und machen beides. Ich singe "Adrenalin" auch bei Carmen Nebel und kann gleichzeitig ein bisschen vorproben. Das heißt, bei Carmen Nebel findet meine Generalprobe statt.

Sie singen deutsch, das war in den letzten Jahren nicht mehr üblich ...

Endlich: Dass mein Beitrag deutsch ist, ist mir das Wichtigste gewesen. Ich hätte mich niemals hingestellt mit einem englischen Lied. Das ist sicherlich was Besonderes und auch etwas, was das Publikum honorieren wird. Es wäre eine riesige Ehre für mich, in Stockholm mit einem deutschen Lied anzutreten.

Ist das nicht gewagt? Die letzten Sieger haben alle englisch gesungen.

Endlich: Ja, aber wer nichts wagt, der gewinnt auch nicht. Ich bin zwar in der Lage, englisch zu singen, weil ich ja schon früh mit englischsprachiger Popmusik begonnen habe, aber dafür stehe ich nicht. Ich kann nur mit dem arbeiten, was ich in mir trage und dann auch wirklich gut sein.

Was für eine Show erwartet uns? Stehen Sie allein auf der Bühne?

Endlich: Ich werde mit Tänzern arbeiten, zum ersten Mal in meiner Karriere. Die meisten denken, dass ich ausschließlich Balladen singe. Aber auf dem neuen Album "Träume auf Asphalt" ist das nicht der Fall. Ich habe so viele Up-Tempo-Songs und demnach wird mein ganzes Bühnenkonzept sich eher auf den Tanz konzentrieren. Ich habe mich immer nach Lebendigkeit gesehnt und kann es jetzt endlich vor so großem Publikum auch zeigen. Was inhaltlich passiert auf der Bühne, kann ich nicht sagen, weil ich wegen der Tour erst zwei Tage vorher anreise. Also ich hoffe, die Tänzer machen ihre Arbeit schön und wir bringen das dann zusammen.

Wer plant und bereitet vor? 

Endlich: Mein Management und die Choreografin Grazia, die schon in New York und Paris als Tänzerin unterwegs war - vom Aussehen ein bisschen eine "Vivienne-Westwood-Frau", sehr künstlerisch. Die hat mich angeschaut und sofort gesagt: "Oh my god, you are so beautiful and ist’s gonna be arty. It's gonna be so arty!" Sie sucht nicht den Billig-Euro-Dance-Pop, sondern sie wird für mich eine Inszenierung bauen, die sehr kunstvoll ist.

Ist der Song wieder von Ihrem Vater Norbert Endlich komponiert?

Endlich: Nein, ich habe bei dem neuen Album mit neuen Produzenten und Komponisten zusammengearbeitet. Danach habe ich mich auch gesehnt, dass neue Impulse an mich rankommen und das hört man auch.

Vorher hatten Sie immer mit Ihrem Vater als Komponist, Texter und Produzent zusammengearbeitet. Ist das jetzt so etwas wie eine neue Ära?

Endlich: Es ist eine Weiterentwicklung und auch eine innere Katharsis. Es ist so viel passiert in den letzten drei Jahren. Das äußert sich mit diesem Album. Da ist eine neue Natürlichkeit und Lebendigkeit. Das Mädchen ist erwachsen geworden und die Märchenprinzessin eine erwachsene Frau heute. Weniger Schminke, weniger Highheels, immer mehr ich.

Gab es einen speziellen Auslöser?

Endlich: Der große Auslöser waren meine Reisen. Wenn du dich entfernst, dann kommst du zu dir selbst, sagt man ja und das ist mir so gegangen. Ich bin mit meinem alten VW-Käfer von 1960 8.000 Kilometer durch Europa gereist und hab' ungeschminkt, ungeduscht gecampt, gezeltet und hab völlig losgelassen von diesem Druck. Schönheitsideale, für andere Star sein, das ist alles so egal. Da muss ich an den Silbermond-Song "Leichtes Gepäck" denken. So ging es mir. Ich habe ganz viel weggelassen und komme zu der puren Essenz von meinem Schaffen. Lebendigkeit, Freude, Musik machen, das ist das, was bleibt.

Nach der großen Reise ist auch das Album entstanden?

Endlich: Auf der Reise hatte ich immer eine Kladde dabei, vorne im Handschuhfach und habe Textfragmente festgehalten. Ich bin bei diesem Album als Texterin federführend. Ich kann nur sagen - endlich! Endlich habe ich neue Lieder, ein neues Repertoire, wo ich drin aufgehen kann.

Womit können Sie besonders punkten beim Vorentscheid?

Endlich: Dadurch, dass ich Deutsch singe, komme ich auf einer Ebene an die Herzen der Leute, wie das kein englisches Lied kann. Das ist ganz unmittelbar, das ist die Muttersprache. Und weil ich dieses Lied so liebe und diesen Moment, werde ich einfach strahlen und das werden die Zuschauer sehen.

Welche Chancen rechnen Sie sich aus?

Endlich: Ich hab' fast das Gefühl, ein politischeres Lied könnte gewinnen, in Richtung "Nur ein Lied" von Alex Diehl. Das passt zur Zeit. Wenn es aber eine Überfrachtung gibt von bedeutungsschwangeren Liedern, dann habe ich richtig gute Chancen, weil die Leute sagen, komm lass' mich mal in Ruhe damit, ich weiß, es ist Krieg und und und. Gebt mir einfach mal ein gutes Gefühl und dann komme genau ich mit meinem Song.

Was nehmen Sie sich vor für den 25. Februar?

Endlich: Keine Angst haben. Nach vorne gehen.

Die anderen Teilnehmer

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 25.02.2016 | 20:15 Uhr