Stand: 25.11.16 10:30 Uhr

Seyran: "Ich bin ein Showman"

Auftritte beim EGC-Treffen in Köln 2016  Foto: Sahar Nadi

Beim Treffen des Eurovision Clubs Germany in Köln begeisterte Seyran im November das Publikum.

Zum dritten Mal in Folge nimmt die Bundesrepublik am Turkvision Song Contest teil, der im Dezember in der türkischen Hauptstadt Ankara stattfinden soll. In diesem Jahr geht für Deutschland sogar ein ESC-erfahrener Künstler an den Start: Seyran Ismayilkhanov nahm 2011 an der aserbaidschanischen Castingshow "Milli Seçim Turu" teil, aus der die späteren Song-Contest-Gewinner Nigar Jamal und Eldar Gasimov als Sieger hervorgingen. Der in Moskau ausgebildete Singer-Songwriter lebt seit 2005 in Köln und hat nach Veröffentlichungen in aserbaidschanischer, russischer und englischer Sprache nun sein erstes deutsches Album veröffentlicht. Den Titelsong "Nur die Liebe zählt" stellte er beim Treffen des Eurovision Clubs Germany (ECG) in Köln vor, wo er das Publikum mit "Pust ves mir podozhdyot", der russischen Version von Sergey Lazarevs "You Are The Only One" und einer modernen Interpretation des Udo-Jürgens-Klassikers "Merci, Chérie" begeisterte.

Wie kam es dazu, dass du beim Turkvision Song Contest für Deutschland an den Start gehst?

Seyran: Das ist ein Traum für mich und ich wollte eigentlich schon letztes Jahr dabei sein, aber ich war zu spät mit meiner Bewerbung. Ich habe dann dieses Jahr einen neuen Anlauf unternommen und Türkshow, der Sender, der für Deutschland am Turkvision Song Contest teilnimmt, hat mich aus einer Reihe von Kandidaten ausgewählt.

Du stammst ursprünglich aus Aserbaidschan, repräsentierst jetzt aber die Bundesrepublik und die deutsch-türkischen Zuschauer. Bringt dich das in einen Identitätskonflikt?

Seyran: Eigentlich nicht. Ich wurde zwar in Aserbaidschan geboren, ging dann aber nach Russland, um Musik zu studieren und kam 2005 nach Deutschland. Anschließend habe ich auch einige Zeit in Istanbul gelebt, von daher würde ich mich eher als Weltbürger bezeichnen. Ich freue mich aber, dass ich für Deutschland am Turkvision Song Contest teilnehmen darf, schließlich lebe ich ja in Köln. Und ich möchte den Beitrag richtig gut präsentieren.

Was für ein Beitrag wird das denn sein?

Seyran: Das ist erst einmal ein Geheimnis. Wir haben zwei sehr schöne Songs produziert, eine Ballade und eine schnelle Nummer, und wir werden Ende November entscheiden, welchen der beiden wir beim Turkvision Song Contest vorstellen werden.

Können wir denn mit viel Tanz und Effekten auf der Bühne rechnen?

Seyran: Ich bin schon ein Showman, nicht nur Sänger. Es muss schon bunt sein - und ich glaube, das wird es auch (lacht).

Du hast schon einige ESC-Erfahrungen sammeln können, neben deiner Teilnahme in Aserbaidschan hast du dich 2016 auch für die Schweiz beworben. Hattest du denn keine Lust, an Unser Song 2017 teilzunehmen?

Seyran: Vielleicht nächstes Jahr. Im Augenblick ist es mir zu viel, ich habe eine Menge Auftritte und auch eine neue CD herausgebracht. Es ist besser, nicht alles auf einmal zu machen, sondern die Dinge langsam anzugehen.

Du hast in sehr unterschiedlichen Musikmärkten gearbeitet, Aserbaidschan, Russland, die Türkei, Deutschland. Gibt es einen Markt, den du besonders schwierig findest?

Seyran: Ich glaube, in der Musikbranche ist es in den letzten Jahren insgesamt recht schwierig geworden durch diese Flut an Castingshows. Natürlich hat jedes Land seine eigenen "Macken", aber im Moment ist es für alle schwer. Viele kommen plötzlich groß raus, aber es ist wichtig, dass man am Ball bleibt und für seinen Erfolg etwas tut. Das hängt vom Manager ab, aber natürlich auch vom Künstler selbst.

Mit den deutsch-türkischen Beziehungen steht es aktuell nicht zum Besten. Du vertrittst die Bundesrepublik jetzt beim Turkvision Song Contest in der Türkei - hast du das Gefühl, du musst jetzt nochmal so gut sein?

Auftritte beim EGC-Treffen in Köln 2016  Foto: Sahar Nadi

"Es ist besser, nicht alles auf einmal zu machen, sondern die Dinge langsam anzugehen."

Seyran: Eigentlich nicht. Ich bin so wie ich bin, und ich bin kein Politiker. Ich bin Musiker, ich bin Künstler und versuche, eine Brücke zwischen den Kulturen zu schlagen. Das ist mein Ziel, egal in welchem Land ich singe. Es ist natürlich traurig, aber es ist im Moment so wie es ist, und ich hoffe, dass es sich wieder ändern wird.

Du hast ja an einer Vielzahl von Wettbewerben teilgenommen, bei so bedeutenden wie dem Sunčane-Skale-Festival in Montenegro, aber auch bei kleineren Contests. Wir schreiben jetzt schon Ende November und für den Turkvision Song Contest, der im Dezember stattfinden soll, steht noch immer kein genaues Datum fest. Wie empfindest du diese Ungewissheit als Künstler?

Seyran: (lacht) Ich habe schon Schlimmeres erlebt, von daher bin ich ganz entspannt. Wir haben ein professionelles Team und werden einfach das Beste daraus machen.

Welche Ziele hast du für die nächsten Wochen und Monate?

Seyran: Erst einmal den Turkvision Song Contest gewinnen und nach Deutschland holen (lacht). Und nächstes Jahr geht's weiter mit neuen Songs. Ich bereite gerade ein neues Showprogramm vor. Dafür probe ich regelmäßig mit meiner Band und möchte dann auch auf Tournee gehen, um meine Musik in möglichst vielen Städten zu präsentieren.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 14.05.2016 | 21:00 Uhr