Stand: 12.05.15 16:37 Uhr

Der lässige Eduard Romanyuta

Eduard Romanyuta im Interview mit eurovision.de © NDR Foto: Irving Wolther

Eduard Romanyuta singt für Moldau - und stammt aus der Ukraine.

Der erste Probendurchlauf Moldaus verspricht einen heißen Auftakt für den diesjährigen Jubiläums-ESC. Mit seinen 22 Jahren besitzt Eduard Romanyuta schon mehr Bühnenerfahrung als viele seiner älteren Kollegen. Er ist ein vielfach ausgezeichneter Kinderstar. Im Interview mit eurovision.de nach seiner Probe in Wien spricht der Sänger über Anti-Helden und die Aufgabe, als Ukrainer Moldau zu vertreten.

Herr Romanyuta, Sie standen schon mit vier Jahren zum ersten Mal auf der Bühne. Ist der ESC ein Kindheitstraum für Sie?

Eduard Romanyuta: Musik gehörte schon immer zu meinem Leben und schon als kleiner Junge habe ich mir vorgestellt, eines Tages auf der ESC-Bühne zu stehen. Jetzt ist dieser Traum wahr geworden. Es ist eine große Ehre für mich, ausgerechnet den 60. Jubiläumswettbewerb eröffnen zu dürfen.

Andere Kinderstars wie Britney Spears haben sehr darunter gelitten, keine Privatsphäre zu haben und ständig von der Presse verfolgt zu werden. Wie war das bei Ihnen in der Ukraine?

Romanyuta: Wenn man sich entscheidet, diesen Weg einzuschlagen, muss man bereit sein, die Dinge so zu nehmen, wie sie sind. Natürlich war das nicht immer einfach. Zum Beispiel, wenn meine Familie und ich im Supermarkt einkaufen waren und ständig irgendwelche Leute fotografiert haben, was wir in den Einkaufswagen taten. Aber das gehört halt dazu.

Der Videoclip zu "I Want Your Love" zeigt Sie als Outlaw, der von der Polizei verfolgt wird. In dem Song "Berega.240" werden Sie von der Polizei sogar erschossen. Gefallen Sie sich in der Rolle als Anti-Held?

Eduard Romanyuta im Interview mit Irving Wolther von eurovision.de © NDR Foto: Irving Wolther

Romanyuta entspannt im Gespräch mit Irving Wolther.

Romanyuta:Nein, wieso Anti-Held? Wir erzählen einfach nur eine spannende Action-Story, um dem Ganzen zusätzliche Würze zu geben, und versuchen diese Geschichte auch auf die Bühne zu übertragen. Die Kostümwechsel symbolisieren dabei die Verfolgungsjagd mit den Polizisten. Ich glaube, die Umsetzung ist uns ganz gut gelungen.

Sie sind nicht nur ein erfolgreicher Sänger, Sie schreiben nebenbei an Ihrer Doktorarbeit an der Ternopil National Economic University. Wie schaffen Sie, Musik und Promotionsstudium unter einen Hut zu bringen?

Romanyuta:Das war schon als Kind nicht einfach. Ich hatte immer schlechte Noten, weil ich ständig bei Konzerten aufgetreten bin. Dann habe ich ordentlich gebüffelt und die Klausuren mit besseren Noten nachgeschrieben, darüber dann aber wichtige Aufnahmetermine im Studio verpasst. Wenn man zwei Dinge gleichzeitig macht, leidet immer eines von beiden darunter. Aber ich bin meinen Lehrern sehr dankbar, dass sie sich nach dem Unterricht stets die Zeit genommen haben, mir den verpassten Stoff noch einmal zu erklären. Ich hoffe, dass auch meine Professoren an der Hochschule so viel Geduld mit mir haben werden und ich nach dem ESC meinen Doktor abschließen kann. Aber jetzt widme ich mich voll und ganz meinem Auftritt in Wien.

Was ist ihnen wichtiger: Studium oder Musik?

Eduard Romanyuta: Wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich mich immer für die Musik entscheiden. Sie ist mein Leben. Das Studium ist sozusagen mein Auffangnetz für den Notfall.

Ein Wirtschaftsstudium hilft sicherlich im Musikbusiness, aber hilft die Musik auch beim Studium?

Eduard Romanyuta:(lacht) Ja, Musik hilft mir manchmal, bestimmte Dinge besser in Erinnerung zu behalten.

Sie sind gebürtiger Ukrainer und wollten ursprünglich für Ihre Heimat am Song Contest teilnehmen. Jetzt gehen Sie für Moldau an den Start. Sehen Sie sich trotzdem als ukrainischen Teilnehmer?

Eduard Romanyuta: Das Motto dieses Wettbewerbs lautet ja "Building Bridges". Und ich danke Moldau, dass sie eine Brücke zur Ukraine gebaut haben, um mir die Teilnahme zu ermöglichen. Es ist einfach eine großartige Chance, um Erfahrungen zu sammeln, sich mit anderen Künstlern auszutauschen und sein eigenes Publikum auszuweiten. Natürlich setzt mich das auch ein wenig unter Druck, weil die Erwartungen gleich zweiter Länder, der Ukraine und Moldaus, auf meinen Schultern lasten. Und natürlich trete ich in erster Linie für Moldau an, aber ein Sieg wäre sicherlich das schönste Geschenk, das ich meiner ukrainischen Heimat machen könnte.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 23.05.2015 | 21:00 Uhr

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