Stand: 16.05.15 13:00 Uhr

Mélanie René: "Ich fühle mich wie eine Gewinnerin"

Die Schweizerin Mélanie René beim Interview mit Irving Wolther.

Im Interview mit Irving Wolther erzählt Mélanie René von ihrer Studienzeit in England, die sie sehr geprägt hat.

Die Schweizer Teilnehmerin Mélanie René verarbeitet in ihrem Song "Time To Shine" sehr persönliche Erfahrungen. Im Interview mit eurovision.de erzählt sie von der Entstehungsgeschichte des Liedes und was sich hinter dem Indianeroutfit in ihrem Videoclip verbirgt.

Frau René, Ihr Lied "Time To Shine" ist in England entstanden. Was ist Ihre Beziehung zum Vereinigten Königreich?

Mélanie René: Meine Eltern haben dort studiert und ich bin auch in Besitz eines britischen Passes, doch das Land habe ich erst richtig kennengelernt, als ich 2010 selbst zum Studieren dorthin gegangen bin.

Das heißt, die Engländer haben Ihnen "Time To Shine" geschenkt?

René: (lacht) Das kann man so sagen. In dem Lied habe ich sehr persönliche Erfahrungen verarbeitet. Es spiegelt einen wichtigen Abschnitt meines Lebens wider. Ich wollte nicht wirklich einen Song auf Englisch schreiben, aber der erste Satz, der mir in den Sinn kam, als ich den Song zu Papier brachte, war "Time To Shine".

Das Lied handelt von einer Metamorphose, von einem Menschen, der seinen Wert erkennt und sich nicht länger verstecken möchte.

René: Der Text spiegelt genau das wider, was ich empfunden habe, als ich nach England ging. Ich kannte dort niemanden, und in diesem Augenblick wurde mir bewusst, dass ich mehr Vertrauen in mich haben musste, weil ich mich nur auf mich selbst verlassen konnte. Das war am Anfang nicht einfach, doch nachdem ich die ersten Schritte auf eigenen Beinen getan hatte, stellte ich fest, dass sich tatsächlich eine Verwandlung vollzog. Ich wollte diese Erfahrung dann in einem Lied festhalten, um mich später daran erinnern zu können, was mir aus eigener Kraft gelungen war. Ich weiß, dass es vielen Menschen ähnlich geht wie mir, von daher soll "Time to Shine" vor allem eines zum Ausdruck bringen: Ich habe es geschafft, und das könnt ihr auch.

Die Notwendigkeit, sich selbst zu nehmen wie man ist, hat im letzten Jahr auch Conchita Wurst zum Thema gemacht. Haben Sie diesen Prozess schon hinter sich?

René: Ich glaube, ich habe schon eine Menge Fortschritte gemacht, aber es gibt noch viel zu tun.

Der Videoclip zum Song wirkt auf viele Fans ein wenig befremdlich. Was wollten Sie mit dem Indianerkostüm ausdrücken?

René: (lacht) Wir haben nach einer Möglichkeit gesucht, den Inhalt des Songs zu visualisieren. Das Indianeroutfit soll die Kraft und den Kampfeswillen versinnbildlichen, die in uns allen stecken. Diese "Kriegerin" führt die dunkel gekleidete Sängerin zu dem, was sie wirklich ist, zu ihrer wahren Persönlichkeit.

Sie haben ihre künstlerische Laufbahn im Kulturzentrum Théâtre du Funambule in Nyon begonnen, das leider aus finanziellen Gründen derzeit geschlossen ist. Was haben Sie dem Zentrum zu verdanken?

René: Ich verdanke ihm sehr, sehr viel. Ich habe dort für mich entdeckt, dass ich Sängerin werden will. Die Workshops dort haben mir dabei geholfen, mich auch als Songschreiberin zu entwickeln, und dank der Theaterkurse konnte ich meine extreme Schüchternheit überwinden. Die Leiterin Eliane Dambre, die jetzt meine Managerin ist, hat mich immer gefördert, damit ich das tun konnte, wozu ich Lust hatte. Es ist sehr schade, dass das Zentrum nach zwölf Jahren geschlossen wurde, denn gerade für die Entwicklung des Künstlernachwuchses sind solche Einrichtungen sehr wichtig.

Ihre Eltern stammen aus Mauritius. Inwieweit ist die kreolische Kultur für Sie eine persönliche und musikalische Inspirationsquelle?

René: Sie ist ein Teil von mir und begleitet mich bei allem was ich tue - auch in der Musik und dort vor allem beim Rhythmus, der für mich eine zentrale Rolle spielt. Meine kreolischen Wurzeln sind immer sehr präsent.

Ist der Eurovision Song Contest Ihre persönliche "Time To Shine"?

René: Seitdem dieses Abenteuer für mich begonnen hat, habe ich so viel gelernt, habe ich so viele musikalische Träume verwirklichen können, habe ich so großartige Menschen kennengelernt, dass ich mich in dieser Hinsicht schon wie eine Gewinnerin fühle. Natürlich will ich für die Schweiz auch ein gutes Ergebnis erzielen, doch für mich persönlich hat sich das Ganze schon mehr als bezahlt gemacht.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 23.05.2015 | 21:00 Uhr

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