Stand: 15.05.13 15:30 Uhr

Linda Martin: "Ich vermisse das Orchester"

Linda Martin beim Grand Prix d'Eurovision 1992

1984 belegte Linda Martin für Irland Platz zwei - das konnte sie mit dem Sieg beim Grand Prix d'Eurovision 1992 noch toppen.

Für Irland hat Linda Martin 1992 in Malmö den Grand Prix gewonnen. Am Ort ihres Triumphes sprach sie am Rande des ersten Halbfinals mit eurovision.de über den Musikwettbewerb gestern und heute und schwelgte in Erinnerungen an ihren ESC-Sieg.

Frau Martin, was empfinden Sie, kommen Sie an den Ort Ihres Triumphes zurück?

Linda Martin: Dankbarkeit und Glück. Das klingt wie eine Floskel, okay? Aber es war so. Ich kam angereist, um es anders zu machen als 1984.

Was war denn so unterschiedlich?

Martin: Mit "Terminal 3" war ich Zweite geworden - und wenn Portugal uns als Iren Punkte gegeben hätte, wären wir auch vor den "Herrey's" gewesen. Aber der nächste Platz hinter dem Sieger ist ja auch schön gewesen. Na, wir haben dann analysiert, uns die Lieder der anderen noch mal angehört und unser eigenes nochmals geprüft. Und eines Nachts rief Johnny (Anmerkung der Redaktion: Johnny Logan) an. Ich schlief schon, aber er sagte atemlos: Ich hab's, ich habe das Lied, mit dem du gewinnen kannst.

Und das war "Why Me?".

Martin: Tatsächlich, ja. Und was hatte es, was "Terminal 3" nicht hatte? Eine längere Zwischenpassage, sodass es weniger gleichförmig klang - nicht: Vers, Refrain, Vers und so weiter, sondern mit einem den Schluss aufbauenden Teil, der das Lied noch stärker als Ballade zeigte.

Haben Sie mit dem Sieg selbst gerechnet?

Martin: Nein, so selbstvertraut war ich nicht. Aber meine Gefühle waren gut balanciert, als ich nach Malmö kam. Alle waren freundlich, auch die Leute. Manche sagen, das sei erst heute so weltoffen, aber ich empfand es 1992 auch schon so.

Wie waren die näheren Umstände bei jenem ESC, den Sie gewannen?

Martin: Erinnern Sie das nicht? Doch, natürlich: Es war saukalt, es hatte mehr vom Spätwinter als von einem Frühling mit Wiesen, die schon grün werden. Malmö 1992 war grau und kalt.

War es wichtig für Sie, immerhin ein Star in Irland, die Eurovision zu gewinnen?

Martin: Ja, das war es. Tritt man zum zweiten Mal an, will man nicht schlechter als beim ersten Mal abschneiden. Das konnte nur einen Platz nach oben bedeuten. Ich wusste, dass das mein Lampenfieber, das jeder gute Künstler kennt, steigen lässt, aber mit Johnny im Rücken wusste ich, dass ich eine Chance habe.

Sie unterstützen Ryan Dolan stark?

Martin: Ja, und das tue ich gern. Ein sehr begabter Mann wie Ryan braucht vielleicht Hilfe von einer, die schon lange im Spiel ist - so eine wie ich. Er ist noch sehr jung, für ihn ist alles sehr, sehr aufregend. Ich möchte ihn irgendwie auch beschützen, ehe er am Sonnabend im Finale antritt. Er soll wissen: Nichts kann schiefgehen.

Beinahe 30 Jahren kennt man Sie durch den ESC über Irland hinaus, viel hat sich geändert, modernisiert. Sehen Sie diese Änderungen mit Wohlgefallen?

Martin: Oh, ich vermisse das Orchester so sehr. Mit echten Musikern eine Ballade zu singen - das gibt noch eine ganz andere Stimmung. Wenn die Musik vom Band kommt, kann man kaum improvisieren, vielleicht noch einen besonderen Akzent setzen.

Welche Lieder mochten Sie in den jüngsten ESC-Jahren?

Martin: Gina G.'s "Ooh, Aah … Just A Little Bit" von 1996, das war toll. Und diese wilde Tänzerin, wie hieß die noch? Jolana, Jolena, Jolene … Ruslana, okay. Dieses Getrampel war nicht so mein Ding, aber sie hat eine wahnsinnige Show gemacht, das war gut.

Und Lena aus Deutschland?

Martin: "Satellite" oder so? Ja, okay. Nein, sie war sehr süß, sehr frisch, aber ich mochte weder dieses Lied von ihr noch das, das sie in Düsseldorf sang. Das hat mein Showherz nicht wirklich erfreut.

Die Fragen stellte Jan Feddersen für eurovision.de, Übersetzung und Mitarbeit: Ivor Lyttle.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 09.05.1992 | 21:00 Uhr