Nemo, ESC-Act 2024 der Schweiz © Ella Mettler Foto: Ella Mettler
Nemo
"The Code", 2024 in Malmö (2. Halbfinale)
Stand: 11.04.2024 17:24 Uhr

Schweiz schickt Nemo zum ESC nach Malmö

Schon vor der Bekanntgabe brodelte die Gerüchteküche um den Schweizer Act für den Eurovision Song Contest 2024. Nemo hat sich mit "The Code" im Rennen um das Ticket nach Malmö durchgesetzt.

Viele Schweizer ESC-Fans hatten sich im Vorfeld endlich mal wieder einen weiblichen Act gewünscht, doch das Schweizer Fernsehen entscheidet sich in einem internen, mehrstufigen Verfahren für den 24-jährigen Nemo. Wohl zu Recht: Schon zwei Wochen nach seiner Bekanntgabe Ende Februar, steigt der Schweizer Beitrag bei den Wettanbietern auf Platz vier - mittlerweile führt er das Ranking sogar an. Mit so einem Ergebnis könnte Nemo an die Erfolge von Luca Hänni oder Gjon's Tears anknüpfen oder sie noch toppen - beide haben 2019 und 2021 beachtliche Erfolge für die Eidgenossen erreicht. Und ähnlich wie seine Vorgänger, ist Nemos Vita schon mit vielen musikalischen Vorschusslorbeeren ausgestattet.

Schon mit 13 Jahren auf der Musical-Bühne

Eigentlich bedeutet der Name Nemo im Lateinischen "niemand". Doch ein Niemand ist der 1999 in Biel geborene Nemo Mettler in der Schweiz schon längst nicht mehr. Im Gegenteil: Schon mit 13 Jahren tritt er vor Publikum auf - im Musical "Ich war noch niemals in New York", das auf Liedern von Udo Jürgens basiert. Für ihn steht fest: "So was möchte ich später machen! Ich will auf einer großen Bühne stehen", zitiert ihn das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF). Damit ist Nemos Weg, dessen Eltern eine Denkfabrik betreiben, ins Musikbusiness vorgezeichnet.

2016 gelingt Nemo mit Rap der musikalische Durchbruch

Doch dem Musical bleibt Nemo nicht lange treu, stattdessen versucht er es als 15-Jähriger mit Rap - und erhält bei der Musikshow "Die größten Schweizer Talente" dafür sogar Lob vom berühmten Landsmann DJ Bobo. 2016 gelingt ihm beim Rap-Gipfeltreffen "Cypher", ausgetragen vom SRF, der Durchbruch. Sein Auftritt geht im Anschluss viral. Bis 2017 veröffentlicht Nemo drei EPs - sieben seiner Songs schaffen es direkt in die Schweizer Single Hitparade. "Ke Bock", "Du" und "Himalaya" erreichen Gold- und Platinstatus.

2017 wird Nemo von SRF 3 als bestes Talent ausgezeichnet. Ein Jahr später räumt er vier Preise bei den Swiss Music Awards ab. Nemo hat es also tatsächlich auf die große Bühne geschafft - da ist er noch keine 20.

Nemo fühlt sich weder als Mann noch als Frau

Nemo, ESC-Act 2024 der Schweiz © Ella Mettler Foto: Ella Mettler
Knackt Nemo den Code für die Schweiz beim ESC 2024? Bei den Wettanbietern liegt der Sänger derzeit auf Platz eins.

2020 beginnt eine Phase der Neuorientierung in Nemos Leben: Er schreibt Lieder für andere Musikschaffende und veröffentlicht englischsprachige Songs. 2021 zieht der Musiker von Biel nach Berlin. Zu seinen bevorzugten Themen gehören jetzt Geschlechtsidentität, psychische Gesundheit und das Finden des eigenen Platzes in dieser Welt. Er entdeckt, nonbinär zu sein: "Ich fühle mich weder als Mann noch als Frau", erzählt er im Interview mit der Schweizer "SonntagsZeitung".

Auch ein bekannter Clownfisch trägt den Namen Nemo. Als Männchen geboren, können sich die bunten, schillernden Fische im höheren Alter zu Weibchen entwickeln. Was im Tierreich ganz selbstverständlich ist, bleibt den Menschen versagt. Dafür bleibt ihnen die künstlerische Freiheit, ihre Persönlichkeit in der Musik auszuleben. So macht es auch Nemo.

"The Code" ist eine Art Schweizer "Bohemian Rapsody"

Nemos "The Code" vermischt Elemente aus Rap, Drum n' Bass und Oper. Es sei das künstlerische Manifest einer persönlichen Reise, erläutert der 24-Jährige. Nemos persönliche Geschichte soll ein Aufruf an alle sein, das Reich der Authentizität zu betreten. Neben Nemo wirkten an dem Song außerdem Lasse Nyman, Linda Dale und Benjamin Alasu mit.

"'The Code' handelt von der Reise, die ich mit der Erkenntnis begann, dass ich weder ein Mann noch eine Frau bin. Die Selbstfindung war für mich ein langer und oft schwieriger Prozess. Aber nichts fühlt sich besser an als die Freiheit, die ich durch die Erkenntnis gewonnen habe, dass ich nicht-binär bin. Es ist eine unglaubliche Ehre, die Schweiz am Eurovision Song Contest vertreten zu dürfen. Diese Plattform bietet eine riesige Chance, Brücken zwischen verschiedenen Kulturen und Generationen zu bauen. Deshalb ist es mir als gender-queere Person sehr wichtig, für die gesamte LGBTQIA+-Community einzustehen." Nemo

Die Reise nach Malmö tritt Nemo übrigens nicht allein an. Kreative Unterstützung bekommt er von Schwester Ella, sie zeichnet auch für das Video zu "The Code" verantwortlich. Gemeinsam wollen die Geschwister in Schweden endlich den Code für die Schweiz knacken.

Weitere Informationen
Schweiz  Foto:  Britta Pedersen

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Dieses Thema im Programm:

ONE | Eurovision Song Contest | 09.05.2024 | 21:00 Uhr

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