Stand: 04.05.14 18:06 Uhr

Sebalter: "Man muss seine Träume realisieren"

Sebalter © Irving Wolther

Sebalter hat das ESC-Fieber gepackt. Er genießt jede Minute in vollen Zügen.

Sebastiano Paù-Lessi geht in Kopenhagen mit seinem selbst geschriebenen Song "Hunter of Stars" für die Schweiz an den Start. Das Lied beginnt mit einem Pfeif-Intro. Auf der Bühne nennt sich der sympathische Tessiner Sebalter - eine Mischung aus Sebastiano und Alter Ego.

Die Italiener gelten als geborene Sänger. Und die Tessiner können besser pfeifen?

Sebalter: (lacht) Das ist ja mal ein überraschender Interviewauftakt… Ich bin Tessiner und pfeife so gut ich eben kann. Mein Großvater hat mir schon als Kind beigebracht, auf zwei Fingern zu pfeifen, von daher habe ich damit einige Erfahrung.

Die Sängerin Siw Malmkvist bekam einen Lachanfall auf der Bühne, als sie bei ihrem Eurovisionsbeitrag "April, April" pfeifen musste und wurde gegen eine Künstlerin ausgetauscht, die eine solidere Pfeiftechnik hatte. Machen Sie sich Sorgen, ob das mit dem Pfeifen in der Show auch richtig klappt?

Sebalter: An so etwas denke ich gar nicht. Genauso gut könnte ich mir Sorgen machen, dass ich mit der Violine in der Hand stolpere und hinfalle. Ich lasse diese irrationalen Ängste nicht an mich heran. Ich bin ein positiver Mensch und denke mir, wenn ich singe wird schon nichts passieren. Hoffentlich ... (lacht)

Sebalter im Video "Hunter Of Stars".

Songcheck: Schweiz/Sebalter: "Hunter Of Stars"

Eurovision Song Contest -

Die Songchecker Tim Frühling und Torge Oelrich sind sich einig: Der singende Rechtsanwalt Sebalter hat eine gute Platzierung verdient, auch ohne große Erfahrung im Showbiz.

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Es gibt viele Sänger, die für ihr kunstvolles Pfeifen berühmt wurden, Roger Whittaker zum Beispiel. Wollen Sie das Pfeifen weiter ausbauen?

Sebalter: Ich denke nein. Meine Instrumente sind Geige und Gitarre, nicht das Pfeifen. Ursprünglich sollte der gepfiffene Part des Stücks mit der Geige gespielt werden, aber als mir die Melodie einfiel, habe ich sie gepfiffen und auf meinem Smartphone aufgenommen - und dabei blieb es dann.

Ihr Titel heißt "Hunter Of Stars" - nach welchen Sternen greifen Sie?

Sebalter: Ich greife nach den Momenten, die man genießen muss. Als ich den Titel geschrieben habe, war das so ein Moment: Ich schaute in die Sterne und freute mich daran. Aber es reicht eben nicht Träume nur zu träumen - man muss versuchen sie zu realisieren. Das funktioniert nicht immer, aber es ist den Versuch wert.

Der Titel ist auf einem Trip durch die USA entstanden und die Einflüsse hört man auch. Vorher spielten Sie Geige in einer Hardrock-Band. Welchen Stil dürfen wir denn von Ihrem ersten Album erwarten?

Sebalter: Ich habe im Laufe der Jahre unterschiedlichste Genres ausprobiert, habe Rock-Geige, Bass und Gitarre gespielt und natürlich eine Menge Musik gehört. Bei der Arbeit an eigenen Stücken hat sich so ein eigener Stil herausgebildet, für den "Hunter Of Stars“ exemplarisch ist, der sich aber auch durch mein kommendes Album ziehen wird. Am besten kann man das Ganze als Pop-Folk beschreiben.

In dem Song geht es um einen Mann, der ein Draufgänger sein möchte, aber an seinen Selbstzweifeln scheitert. Wie viel Sebastiano steckt in dem Text und wie viel Alter Ego?

Sebalter: Ich denke von beiden gleich viel. Es gibt den selbstsicheren Sebastiano und das unsichere Alter Ego und umgekehrt. Beide gehören zu mir und ergänzen einander. Je nach Situation und Stimmungslage bin ich ein ganz unterschiedlicher Mensch.

Sie arbeiten eigentlich als Wirtschaftsanwalt - ein ziemlich anstrengender Beruf. Wie schaffen Sie es, Job und Musik unter einen Hut zu bringen?

Sebalter: Bis März hat das einigermaßen gut funktioniert, obwohl mein Terminkalender zum bersten gefüllt war. Ich habe jede freie Minute genutzt, um Musik zu machen. Für andere Dinge war kaum Platz. Seit März ist das Ganze so stressig geworden, dass ich eine Auszeit als Anwalt genommen habe, um mich jetzt erst einmal ganz der Musik zu widmen.

Der juristische Hintergrund hat Ihnen im Haifischbecken der Musikindustrie bestimmt schon genutzt, oder …?

Sebalter aus der Schweiz tritt beim Konzert Eurovision in Concert in Amsterdam auf © NDR Foto: Patricia Batlle

Sebalter hatte im Vorfeld des ESC Auftritte in ganz Europa. Auch bei "Eurovision in Concert" in Amsterdam war er dabei.

Sebalter: Also, mir hat es schon gute Dienste geleistet. Für mich ist das Musikbusiness ein ganz neuer Bereich. Die Fähigkeit, wie ein Jurist zu denken, hat mir schon ein paar Mal dabei geholfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Die Schweiz tut sich seit Längerem schwer mit dem Eurovision Song Contest - seit Neuestem auch mit Europa. Wie hängt das für Sie zusammen?

Sebalter: Ich glaube nicht, dass es da eine Verbindung gibt. Der ESC ist eine Musikshow und hat jedes Jahr seine eigene Geschichte. Man kann nicht sagen, dass es sich bei der Schweiz so und so verhält. Letztes Jahr sind wir knapp am Finale gescheitert, vor zwei Jahren auch. Schauen wir mal, welche Geschichte wir in diesem Jahr erzählen werden.

Das Interview führte Dr. Irving Wolther.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 10.05.2014 | 21:00 Uhr