Stand: 02.03.21 14:15 Uhr

"El Diablo" satanistisch? - Drohungen wegen Zyperns ESC-Song

Elena Tsagrinou, Zyperns ESC-Kandidatin 2021. © CyBC

Sängerin Elena Tsagrinou wird beschuldigt, ihr Song sei "blasphemisch".

In Zypern hat sich Protest gegen den eigenen ESC-Beitrag "El Diablo" ("Der Teufel") von Sängerin Elena Tsagrinou gebildet. Nach der Veröffentlichung am vergangenen Mittwoch wurde eine Online-Petition gestartet, mit dem Ziel das Lied beim ESC 2021 in Rotterdam zu verhindern. "El Diablo" sei "für uns Christen skandalös", heißt es in der Petition, die bereits über 14.000 Unterschriften gesammelt hat. Wie die größte zyprische Nachrichtenagentur CNA berichtet, hat sich auch ein Verband von Religionslehrern in die Debatte eingeschaltet. Dieser wirft dem Song vor, er propagiere lebenslange Hingabe und ewige Liebe zu Satan. Die zyprische Rundfunkanstalt RIK hat mehrere anonyme Drohanrufe erhalten, ihr Gebäude niederzubrennen. Seitdem steht es unter besonderer Beobachtung der Polizei.

Proteste auf dem Sendergelände, Partei fordert Songwechsel

Drei Tage nach Veröffentlichung des Songs hat sich ein Mann Zutritt zum Gelände von RIK in Aglantzia, nahe der Hauptstadt Nikosia, verschafft, um dort zu protestieren. Der Mann schrie auf dem Hof Rundfunkmitarbeiter an, wie sie einen solch "blasphemischen" Song rechtfertigen könnten. Er sei schließlich ein Affront gegenüber dem Christentum. Die Polizei nahm den Mann fest, hat ihn mittlerweile aber wieder freigelassen. Auch die rechtsextreme Partei Elam hat eine Stellungnahme veröffentlicht. Zwar würde sie die Metaphorik im Titel "El Diablo" erkennen, dennoch würde der Song den Glauben - und damit die letzte Zuflucht der Menschen - verletzen. Sie fordert ebenfalls einen Austausch des Liedes: "Wir möchten, dass die Europäer diese wunderschöne Mittelmeerinsel wegen ihrer Besonderheiten und nicht wegen ihrer Liebe zum Teufel kennenlernen."

Zypern verteidigt "El Diablo" als ESC-Song

Zyperns Rundfunkanstalt steht weiterhin hinter dem Song "El Diablo" und Sängerin Elena Tsagrinou. RIK erklärte die Metaphorik des Songs. Es gehe um eine Frau, die unter einer Beziehung mit "El Diablo" leide. Dieser Teufel sei ein rücksichtsloser Ausbeuter, der ihr lediglich verspricht, sie sei sein Engel. Der Song würde den ewigen Kampf zwischen Gut und Böse beschreiben, der am Ende mit der Freiheit der Frau ende: "Besonders heutzutage hoffen wir, dass das Lied und seine korrekte Interpretation nicht nur für Frauen, sondern für alle, die ähnliche Situationen erleben, eine Inspiration sein werden", heißt es in dem Statement.

"El Diablo": Musikvideo eine Kopie?

Zyperns ESC-Kandidatin Elena Tsagrinou wird in ihrem Musikvideo von Männern getragen.  Foto: Manolas Konstantinos

Das Musikvideo zu "El Diablo" erinnert stark an einen Clip von Zara Larsson.

Doch nicht nur inhaltlich steht "El Diablo" unter Beschuss. Auch die Musik und das Video zu dem Song werden von Fans und Kritikern angegangen. So erinnere etwa der Refrain des Songs sehr stark an den Hit "Bad Romance" von Lady Gaga, heißt es etwa im ARD-Podcast ESC Update. Das Musikvideo von Elena Tsagrinou benutzt in weiten Teilen die gleiche Bühne, die gleiche Farbgebung und eine sehr ähnliche Choreografie wie die schwedische Sängerin Zara Larsson in ihrem Clip zu "Love Me Land". Larsson selbst schrieb dazu bei Twitter, die Ähnlichkeit störe sie nicht. Auf die Wettquoten haben der Song und die Diskussionen um ihn keinen Einfluss genommen. Zypern liegt in der Wette auf Sieg beim ESC 2021 seit dem Veröffentlichungstag des Songs zwischen Platz 11 und Platz 13.

Dieses Thema im Programm:

NDR Blue | ESC Update | 27.02.2021 | 19:05 Uhr