Stand: 15.01.2016 14:54 Uhr  | Archiv

Der ESC-Choreograf Fredrik Rydman im Interview

War es kompliziert, die Performance zu produzieren?

Rydman: Ja, es hat viele Stunden gebraucht, ehe wir die richtige Balance gefunden hatten. Die animierte Jungenfigur und Måns zusammen - das brauchte in den Details sehr viel Abstimmung. Ich saß bei der Produktion sozusagen im Publikum und habe mich immer gefragt, ob mich das, was vorne läuft, berührt. Am Ende hatte ich das Gefühl: So könnte der Funken überspringen.

Sie touren mit Ihrer Inszenierung "Swan Lake Reloaded" von Tschaikowskys Ballett "Schwanensee" durch Europa, unter anderem machen Sie Station in Hamburg. Was ist moderner Tanz heutzutage?

In einer Szene aus "Swan Lake Reloaded" im Hamburger Thalia Theater 2013 zieht Tänzer Robert Malmborg (als Siegfried) Maria Andersson (als Odette) über den Boden, auf den Federn fallen. © picture alliance / dpa
Bei Fredrik Rydmans Version des "Schwanensees" fliegen die Federn.

Rydman: Das ist der Versuch, mit den körperlichen Vorstellungswelten von heute ein berühmtes Stück wie "Schwanensee" zu versehen. Die Geschichte bleibt - aber sie wird auf der Bühne nicht im Stil des klassischen Balletts aufgeführt, sondern heutiger. Auch mit den Sounds und Rhythmen des HipHop.

Mein Eindruck ist - ich bitte um Ihr Urteil als Choreograf -, dass bei zu vielen Liedern des ESC getanzt wird: Manchmal hätte die Darbietung eines Liedes gereichet. Was meinen Sie?

Rydman: Bei vielen Liedern denken jene, die sie auf die Bühne bringen wollen, dass es möglichst spektakulär sein muss. Und dann denken sie an Tanz, an bewegte Menschen während der drei Minuten. Aber sie prüfen nicht genau, was zum Lied, zur Message der Performance passt. Sie wollen, so scheint mir, zu viel auf einmal.

Sie lieben HipHop. Ist HipHop der Schlager unserer Zeit?

Rydman: Gute Frage. Ich war noch nicht auf der Welt, als der Schlager begann, populär zu werden. HipHop ist das, was in den Achtzigern Jazzdance war: eine Art, moderne Unterhaltungsmusik auch körperlich zu zeigen, zu performen. Ich meine damit auch Filme wie "Flashdance" oder "Dirty Dancing": Musik auf der Bühne zu zeigen, Popmusik, geht ohne körperliche Inszenierungen nicht mehr. Mit den Mitteln des HipHop lässt sich viel hierfür machen. Ich denke, beim ESC wird nicht zu viel getanzt - aber das, was als visuelles Element getanzt wird, ist oft nicht gut genug als Teil der Inszenierung.

Was planen Sie für den ESC im Mai in Stockholm?

Rydman: Eine Menge. Ich bin der "Head of Choreography" dessen, was der Sender SVT als Gastgeber der Shows machen wird. Wir sind sieben Leute in unserem Team.

... und Sie sind der Boss?

Rydman: Nein. Wir sind ein Team und alle Ideen kommen auf den Tisch, um sie zu besprechen.

Der Coreograph Fredrik Rydman mit Baseball-Mütze © Mats Bäcker
Der gelernte Tänzer legt auf Hierarchien keinen Wert.

Muss man sich das wie bei der berühmten Compagnie von Pina Bausch vorstellen: Sie war die Chefin, aber eine, die auf Hierarchie keinen Wert legte?

Rydman: Ja, das ist unser schwedisches Prinzip der Kooperation, so machen wir das auch für den ESC in Stockholm.

Können Sie uns schon Einzelheiten sagen?

Rydman: Natürlich nicht. Aber wir haben uns auf vier Worte geeinigt, eines davon ist "Courage", also Mut, Ermutigung, Tapferkeit, das kann ich verraten. Wir sind aber nicht der Hauptteil der Shows, wir halten uns zurück. "Courage" könnte als stimulierende Botschaft verstanden werden. Und die wollen wir erschaffen. Es ist nur ein Wort, das ich hier verrate, aber Courage meinte eine Ermuting, das Leben allen Widrigkeiten zum Trotz optimistisch zu leben.

Wann fängt die Arbeit wirklich an?

Rydman: Sie hat längst begonnen. Wir stehen seit Wochen unter Spannung. Etwas von dieser Spannung soll das Publikum spüren.

Zur Person: Fredrik Rydman wurde am 29. August 1974 im schwedischen Västerås geboren. Er lebt vor den Toren Stockholms, in Alvsjö. Momentan tourt sein Stück "Swan Lake Reloaded" durch Deutschland. Das Motto lautet: "Tschaikowsky meets Street Dancers". Termine: 19. bis 24. Januar in Düsseldorf, 28. bis 31. Januar in Hannover, 2. bis 7. Februar in Frankfurt am Main, 9. bis 14. Februar in Hamburg sowie 16. bis 21. Februar in Berlin.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 14.05.2016 | 21:00 Uhr

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