Stand: 21.12.12 12:20 Uhr

Lill Lindfors: "Die Sehnsucht nach Spannung"

Einladung nach Brasilien

Hat die Teilnahme von 1966 Ihrer Karriere genützt?

Lindfors: Nicht wirklich. Aber damals habe ich schon viel gearbeitet, so dass ich nicht auf einen Erfolg beim Eurovison Song Contest angewiesen war. Andererseits sorgt so ein Event für viel Publicity, so dass der Auftritt mir eine Einladung nach Brasilien einbrachte. Ich flog mit meinem Komponisten nach Rio de Janeiro, wo wir bei einem Wettbewerb auftraten, bei dem eine Reihe illustrer Gäste eingeladen war. Henri Mancini, Gilberto Gil, sogar der Gitarrist Laurindo Almeida, der Gitarre in unserer Hotellobby spielte. Es war wunderbar!

Sie haben danach eigene Fernsehshows in mehren Ländern, darunter Deutschland, gehabt mit hochkarätigen Gästen wie Eartha Kitt. Wieso hatten Sie mit Ihrer Musik in Deutschland nicht so einen Erfolg wie etwa Ihre Landsfrau Siw Malmquist?

Lindfors: Ich war nicht so erpicht darauf, Schlager zu singen. Ich habe ja jahrelang viel Fernsehen in Deutschland gemacht, etwa mit Charles Aznavour in Saarbrücken. Aber ich fing parallel an, in Schweden als Schauspielerin am Theater zu arbeiten und hatte weniger Zeit, in Deutschland zu arbeiten. Ich habe danach so viel in Skandinavien gemacht, eigene Shows auf der Bühne und im Fernsehen gehabt.

Im November 2012 sind Sie am Reichstheater in Schweden im Stück "Einsame Herzen" aufgetreten ...

Die Schauspielerin, Sängerin und Moderatorin Lill Lindfors spielt im Theaterstück "Einsame Herzen" am Reichstheater mit Kollegen Reuben Sallmander. © Riksteatern/ Foto: Carl Thorborg

Kann wunderbar über sich selbst lachen: "Ich bin eine gute Mischung" scherzt Lindfors, die jüngst in der Komödie "Einsame Herzen" spielte.

Lindfors: Ich bin gerade fertig mit der Tour. Ich gebe im Dezember noch im Süden Schwedens ein Konzert in der Kirche in Öland, wo ich lebe, und dann habe ich einen Monat frei.

2010 ist Ihr letztes Album erschienen. Was für eine Musik machen Sie jetzt?

Lindfors: Ich mische immer die Stile. Ich bin schon immer von brasilianischer Musik fasziniert gewesen, und ich mache schwedischen Folk, nein, warten Sie, Poesie, und spiele weiter auf der Theater-Bühne und im Film. Ich bin in nichts besonders gut, ich bin eine gute Mischung.

Sie engagieren sich seit 1998 als Botschafterin für UNICEF weltweit besonders für Schulen für Mädchen. Wo führen Sie Ihre Reisen hin?

Lindfors: Nach Nepal, in mehrere afrikanische Staaten, nach Thailand. Wenn die Welt sich ändern soll, müssen Mädchen und Frauen Zugang zu Bildung haben. Das ist sehr wichtig. Ich war gerade in einem Projekt über den Kongo involviert, wo wegen des Krieges katastrophale Zustände herrschen. In wenigen Tagen findet eine Demonstration in Stockholm statt, um auf die Situation dort aufmerksam zu machen.

Frau Lindfors, werden wir Sie beim Finale in Malmö in irgendeiner Art auf der Bühne wiedersehen?

Lindfors: Nein, nicht beim Song Contest, da habe ich meinen Anteil schon geleistet...

Ich meinte nicht, ob Sie singen wollen, sondern als Gast in Erscheinung treten ...

Lindfors: Na ja, es könnte sein, dass alle ehemaligen Moderatoren präsentiert werden, so etwas ist angedacht, ich bin deswegen kontaktiert worden, weiß aber noch nicht, was daraus wird. Aber ich weiß nicht, ich habe damals meinen Trick mit dem Kleid und der Bluse gemacht, und ich glaube, ich kann nie wieder etwas in diese Richtung machen. Alle erinnern sich an diesen Moment. Ich finde, das sollte ich dabei belassen.

Viele Fans würden sich jedenfalls freuen!

Lindfors: Vielleicht husche ich dann nur kurz über die Bühne! (lacht)

Welcher ist Ihr Lieblingstitel vom ESC?

Lindfors: Da gibt es einige, viele davon sind alt. Carola mit Främling, also Stranger oder Gigliola Cinquettis italienischer Siegertitel von 1964, Non ho l'eta.

Ist es für Sie, wie für viele Skandinavier, Tradition, sich mit der Familie vor dem Fernseher zu versammeln, um den Song Contest zu sehen?

Lindfors: Einmal habe ich ein paar Tickets fürs Melodifestivalen-Finale gekauft, um mit meiner Enkelin ins Globen in Stockholm zu gehen. Sie musste allerdings Ohrstöpsel tragen, weil sie erst sieben Jahre alt war und es so laut war. Doch, es ist eine Familientradition, aber ich finde, der Event ist zu groß geworden. Und ist nicht mehr so national geprägt. Die meisten singen auf Englisch. Klar, das ist gut zu verstehen, aber die Landessprachen sind doch auch schön.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 04.05.1985 | 21:00 Uhr