Stand: 06.02.19 10:21 Uhr

Assi Azar: Tu' Gutes und sprich' drüber

ESC-Moderator Assi Azar © SVT Foto: Daniel Kaminsky

Assi Azar moderiert zusammen mit Bar Refaeli, Erez Tal und Luca Ayoub die ESC-Shows 2019.

Vor Kurzem ist er vom israelischen Sender Kan als eine von vier Personen benannt worden, die den Eurovision Song Contest am 14., 16. und 18. Mai in Tel Aviv moderieren werden. Eine große Ehre ist das für ihn, den TV-Promi in Israel: Assi Azar.

Charmante Moderation der Halbfinals

Mit Lucy Ayoub hat Assi Azar schon die Auslosung der Halbfinals sehr charmant moderiert. Im Mai ist er mit der delikaten Aufgabe betraut, von den teilnehmenden Acts aus dem Greenroom halbwegs Ernsthaftes und Ernstzunehmendes zu erfahren. Wer dort als Künstler oder Künstlerin sitzt, hat ja meist keinen Sinn für Plaudereien: Man ist aufgeregt und wartet auf Punkte oder beklagt mit einem Lächeln im Gesicht das Ausbleiben der Punkte. Er wird das, nach allem, was man über ihn weiß, schon meistern.

Popularität führte Azar zum ESC

Denn Assi Azar ist in Israel nicht irgendwer. Er ist 39 Jahre jung und hat schon eine Fülle von sehr populären TV-Shows moderiert. Mit seinem ebenfalls beim ESC als Conférencier wirkenden Kollegen Erez Tal moderierte er über viele Jahre die israelische Variante von "Big Brother". Azar ist jedoch insofern eine besondere Figur des Entertainments in seinem Land, weil er sich 2005 als schwuler Mann outete. Vier Jahre später produzierte er eine TV-Dokumentation mit dem Titel "Mama, Papa: Ich muss euch etwas sagen" - eine sehr einfühlsame Geschichte über Eltern und deren queere Kinder.

Via Twitter eine wichtige Botschaft

Für ihn ist das Thema Homosexualität, zumal wegen der vielen (jüdischen, muslimischen, christlichen) religiösen Bürger und Bürgerinnen in seinem Land, immer ein wichtiges gewesen. Nun hat er via Twitter bekannt gegeben, dass er seine beim ESC verdiente Gage dem LGBTQ (Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender und Queer)-Jugendprojekt "IGY" spenden wird.

Azar schreibt: "I was deep in the closet till the age of 24. Today, I am proud to be a part of the LGBTQ community, and will keep using my voice to do what ever I can to help." Auf Deutsch: "Bis ich 24 war, habe ich mich versteckt. Heute bin ich stolz, Teil der LGBTQ-Community zu sein, ich möchte meine Stimme dazu nutzen für alles, wobei ich helfen kann."

Ist das auch wirklich gut so?

IGY, eine landesweit in Israel arbeitende Organisation, darf sich Ende Mai, wenn der ESC vorbei ist, auf 105.000 Schekel freuen, das entspricht der Summe von 25.000 Euro. Und das ist, um ein Wort des früheren Berliner Bürgermeisterkandidaten Klaus Wowereit zu zitieren, "auch gut so". Dass Assi Azar seine karitative Geste, sein soziales Engagement als Zeichen der Solidarität formuliert, ist ebenso zu loben: In anderen ESC-gastgebenden Ländern gab es diese offen queere Performance einer prominenten Figur bislang nicht.

Nur ein wenig hat es ein Geschmäckle, weil der TV-Promi seine soziale Tat so stark publiziert hat - als ob es nicht gereicht hätte, die Geste kurz vor dem ESC zu veröffentlichen. Andererseits: Solidarität mit jenen, die nun wirklich in ihren Familien keine Lobby haben - egal ob jüdisch, arabisch, christlich oder nichtgläubig - zu üben, ist an jedem Tag wichtig. Nicht umsonst gilt Assi Azar bei fundamental-religiösen Israelis und bei Bürgerinnen und Bürgern im Westjordanland und in Gaza als Antifigur. Hingegen sehen ihn moderne Israelis, vor allem Jugendliche, als Held der Aufklärung und Echtheit, als Mutigen und als Vorbild.

Dieses Thema im Programm:

NDR Blue | ESC Update | 23.02.2019 | 19:05 Uhr