Stand: 03.06.15 15:15 Uhr

Kool Savas und Xavier Naidoo zum ESC 2016?

Rapper Kool Savas 2015 bei einem Konzert in der Columbiahalle in Berlin. © picture alliance / Eventpress Hoensch

Kool Savas, Typ "freundlicher Macker", macht gern einen auf dicke Hose, findet Jan Feddersen.

Davon darf man ausgehen: In den ESC-Abteilungen der meisten TV-Sender der EBU begannen die Überlegungen für den Contest des nächstes Jahres schon, ehe die letzte Note in Wien verklungen war. Das muss auch für den NDR stark vermutet werden. Und wer vom Verfahren auch nur irgendwann einmal gehört hat, weiß, dass Bewerbungsschreiben über die Medien auf keinen Fall günstig sind. Jedenfalls dann nicht, wenn man selbst ins Spiel kommen möchte.

Einen solchen Fall haben wir nun zu vermelden, und es geht um den Rapper Kool Savas. Der ist, das sei Menschen erläutert, die sich mit Rap und Hip-Hop nicht so auskennen, ein echter Promi und ein netter Mensch, der gern einen auf freundlichen Macker macht. Und ein Mann, der, für seine Szene typisch, eher unbescheiden, heißt: gern mit dicker Hose auftritt. Im Herbst 2012 gewann er in Berlin den Bundesvision Song Contest mit dem Titel "Schau nicht mehr zurück". Es wäre schön gewesen, wenn der gebürtige Aachener schon früher sich für den ESC interessiert hätte, aber das tut er dafür jetzt.

Details nach einem Tweet

Zunächst twitterte er nach dem Null-Punkte-Ergebnis von Wien "Jetzt ist die Frage, wer das ESC-Ding in Fahrt bringt … Ich bin Ext-ra-Ready #KKS4ESC". In einem Interview in der Tageszeitung "Die Welt" hat er die Kurzmitteilung nun näher erläutert. Zunächst sagt er nicht nur, dass er den ESC schon immer geguckt habe, auch 1982, als Nicole gewann, damals im Kreis seiner Familie. Auch führt er aus, dass ihm Conchita Wurst nicht behagte, weil eine Frau keinen Bart tragen solle.

Dann kommt er auf den jetzt wichtigen Punkt: "Die können mich und Xavier Naidoo dafür in den Vorentscheid schicken. Wir haben ja den Bundesvision Song Contest schon mal sehr gut hinbekommen. Ich glaube, wir könnten etwas von Deutschland repräsentieren, was sehr positiv ist." Er und Naidoo könnten "ein bisschen ernstere Themen" zur Sprache bringen, trotzdem "melodiös, dass man es sich anhören kann, ohne in Depressionen zu verfallen." Xavier Naidoo war es, so Kool Savas, der bei einem Telefonat seinen Kumpel auf den ESC nach Wien angesprochen hat: "Und er meinte, ja, cool, lass machen."

Xavier Naidoo auf der Waldbühne in Berlin am 27.07.2014 © picture alliance/POP-EYE Foto: POP-EYE/Kriemann

Xavier Naidoo hat Kool Savas auf die ESC-Idee gebracht.

Ich würde sagen: Das ist ein erfrischend selbstbewusster Aufschlag von einem der wichtigsten zeitgenössischen Musiker der deutschen Szene. Und ich denke, dass er seinen Hut nicht zu früh in den Ring geworfen hat - freilich, das muss man zu bedenken geben, vielleicht in den falschen Ring. Der mit 40 Jahren lebenserfahrene Musiker ist ernster zu nehmen als viele der aussortierten Stars von einst, etwa Daniel Küblböck, der sich  in puncto ESC auch öfters selbstbewerbend ins Gespräch bringt.

Ein Herz für Kool Savas?

Kool Savas ist eine Nummer im Pop-Gewerbe - und sie verdient, ernst genommen zu werden. Zumal er in dem "Welt"-Interview auf die Frage, wie denn Deutschland momentan klinge, antwortet: "Mechanisch. Sehr präzise. Wie so ein Hightech-Motor von einem Luxusautomobilhersteller." Das ist eine akkurate Beschreibung der Popmusik "Made in Germany" - handwerklich ultraperfekt, aber herzlos.

Kool Savas hätte möglicherweise sich mit seinem ESC-Ehrgeiz zuerst an den Sender wenden sollen. So von wegen: Ich nehme die Herausforderung an, es besser machen zu wollen - Deutschland in Europa stärker hörbar zu machen. Aus der Überhörbarkeit herausholen!

Aber der Impuls des Rappers ist ein positiver: Echte Promis können für den ESC gewonnen werden. Weil es der ESC ist - nicht, weil ein Album promotet werden soll. Der Aachener sagt am Ende des Gesprächs auf die Frage, ob sie beide für Deutschland antreten wollen: "Definitiv." Jetzt dürfen sie bloß nicht kneifen. Und müssen nur noch ein sehr gutes Lied vorlegen. Das ist schwer genug, doch zuzutrauen ist es ihnen. Siehe "Schau nicht mehr zurück ..."

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 25.02.2016 | 20:15 Uhr