Stand: 15.09.14 15:43 Uhr

Ist Brücken zu bauen nötig?

Die Öresundbrücke verbindet Dänemark und Schweden © NDR Foto: Oliver Klebb

Brücken verbinden - daher passt das Motto "Building Bridges" besonders gut zum Eurovision Song Contest.

Ende voriger Woche ist das wirklich hübsche Motto des nächsten ESC bekannt gegeben worden: "Building Bridges" - Brücken bauen. Der Laie, der nicht in alle Details einer solch großen Veranstaltung eingeweiht sein kann, fragt sich natürlich: Wozu braucht es ein Motto? Reicht es nicht, einfach "60. Eurovision Song Contest 2015 in Wien" zu sagen? Ist nicht mit diesen knappen Worten alles gesagt? (Man sich könnte sogar den Ortszusatz "in Wien" sparen. Für ESC-Freunde ist es letztlich wohl einerlei, von wo das Festival übertragen wird.)

Einführung eines Mottos seit 2002

Ein Blick auf die Altstadt von Tallinn (Estland). © Baltikum Tourismus Zentrale

In Estlands Hauptstadt Tallinn fand erstmals ein Eurovision Song Contest unter einem Motto statt. Es lautete: "A Modern Fairytale".

Aber seit dem ESC 2002 in Tallinn gibt es zu einem Song Contest eine Überschrift. Damals: "A Modern Fairytale", ein modernes Märchen. Die Einführung eines Mottos dient zwei Zwecken: Man dämpft seitens der Veranstaltungssender die Angst, ein ESC könnte nicht genügend Flair haben. Der andere ist, dass die Bekanntgabe des Mottos Meldungen macht. Man schreibt darüber - und rätselt, was es bedeuten könnte. Klappern gehört zum Handwerk, sozusagen: Niemand in der ESC-Community kann unfallfrei und lückenlos alle Motti seit 2002 aufsagen. Wozu auch?

Das Brückenbauerische hätte auch das Motto von irgendeinem Jahr sein können, nun ist es das für 2015. Es passt vor allem zum 60. ESC seit 1956. In Wien wird freilich noch kein offizieller Geburtstag gefeiert. Vielmehr wird dort aller Wahrscheinlichkeit nach das Jubiläum eingeleitet. Eine spezielle Gala wie 2005 in Kopenhagen, so hörte ich, wird es erst danach im Herbst geben: Das passt terminlich und werblich besser zwischen zwei ESCs.

Verständigung: Wichtigster Zweck des ESC

Brücken zu bauen ist tatsächlich der wichtigste Zweck des ESC überhaupt gewesen. Seit 1956 gucken sich europäische Länder (und Israel sowie seit einigen Jahren die zu Asien zählenden Kaukasusländer wie Aserbaidschan, Armenien und Georgien) einmal im Jahr in einem Wettbewerb in die Karten: Das war und ist insofern ein Juwel, als in allen Ländern der Eurovision gewöhnlich außer Sport nichts wirklich an übernationalen Formaten läuft.

"Building Bridges" passt insofern perfekt, als mit Conchita Wurst nun eine den ESC gewann, die die Idee der Toleranz und der Neugier so glamourös und einsichtig transportiert, wie kein Act in der ESC-Geschichte zuvor. Könnte sein, dass der ORF und seine Eurovisionsverantwortlichen für das kommende Jahr so ähnlich dachten, als sie sich für dieses Motto entschieden.

Einige Länder, die in Kopenhagen fehlten, werden wieder dabei sein, etwa Zypern und Bosnien und Herzegowina. Eventuell auch, die Anmeldung fehlt noch, Kroatien. Traurigerweise hat die Türkei abermals dem ESC abgesagt - ohne Begründung.

37 Länder haben in Kopenhagen teilgenommen. Vorbehaltlich der Anmeldungen, die offiziell bis zum 15. September 2014 formuliert sein müssen, könnten es 2015 mindestens 39 Länder werden. Sie dürften Wien im Mai zu Europas Pop-Metropole schlechthin verwandeln. Es wäre dem Motto angemessen.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 23.05.2015 | 21:00 Uhr