Stand: 07.09.15 11:04 Uhr

Interview mit dem australischen Teilnehmer

Guy Sebastian aus Australien bei Eurovision in Concert in Amsterdam 2015 © NDR Foto: Patricia Batlle

Der Australier Guy Sebastian liebt Europa in all seinen Facetten - nicht nur kulturell, auch kulinarisch.

Der australische Superstar Guy Sebastian hat seine Heimat beim diesjährigen ESC in Wien vertreten und ist nun während seiner "Madness"-Tour nach Europa zurückgekehrt. Nach seinem Konzert im Hamburger Knust haben wir den Sänger zum Interview getroffen. Er erzählt herrlich entspannt von seiner Liebe zu Europa und den Reaktionen in Down Under auf seinen fünften Platz in Wien. Aber es gibt auch den nachdenklichen Guy Sebastian: zum Beispiel beim Thema Flüchtlinge.

Du bist wieder in Europa unterwegs. Wurde beim ESC in Wien deine Liebe für den alten Kontinent entfacht?

Guy Sebastian: Auf jeden Fall. In Australien haben wir nur ein Land und eine Sprache. Hier fährst du zwei Stunden mit dem Zug, und alles sieht anders aus, es gibt unterschiedliches Essen, und auch die Menschen haben einen ganz anderen Look. Ich war ja in Oslo und Stockholm, und hier in Deutschland war ich in Köln, Mannheim, Berlin und Hamburg. Europa ist so ein spannender Schmelztiegel. Und der ESC bringt diese unterschiedlichen Kulturen zusammen. Mit einer Sprache, der Sprache der Musik.

Wie war der Spirit bei deinen Konzerten? Es waren ja für dich ungewohnt kleine Clubs.

Sebastian: In Australien hab ich gerade eine Arena-Tour hinter mir. Da waren jedes Mal 15.000 Menschen. Und hier in Hamburg waren es zum Beispiel nur einige Hundert. Das ist sehr viel persönlicher. Ich liebe das. Und als Künstler liebe ich es, an unterschiedlichen Plätzen aufzutreten. Man spielt einfach jedes Mal anders und verhält sich anders.

Hast du gemerkt, dass viele ESC-Fans bei den Konzerten waren?

Sebastian: Ja, auf jeden Fall. In jeder Show konnte ich eine Handvoll ESC-Fans erkennen. Es haut mich echt um, wie sehr einen die ESC-Fans auch nach dem Contest unterstützen. Es gibt Fans und es gibt ESC-Fans. Die unterstützen einen ungemein, kommen überall hin, rufen sogar bei Radiosendern an, um für dich Werbung zu machen.

Wie hat Australien eigentlich auf deinen fünften Platz reagiert?

Sebastian: Es war, als hätte ich eine olympische Goldmedaille gewonnen. Niemand hatte erwartet, dass wir es in die Top Ten schaffen. Wir haben ja keine Nachbarländer, die uns unterstützen, und ich hatte keinen Schimmer, wie es laufen könnte. Es hat mich richtig umgehauen, wie freundlich wir aufgenommen wurden. Und Australien war richtig stolz.

Denkst du noch manchmal an die Zeit in Wien? Gute Gedanken?

Sebastian: Ja klar. Sehr gute Gedanken! 

Was war das Schönste während der zehn Tage?

Sebastian: Tafelspitz und Schnitzel (lacht). Als ich zurückkam, haben die Leute gesagt: Wow, du hast es dir aber gut gehen lassen (deutet auf seine Hüften). Danach musste ich erst einmal mein Training intensivieren.

Stehst du noch in Kontakt zu Künstlern vom ESC 2015?

Sebastian: Ja, ich hab gerade Måns Zelmerlöw getroffen. Wir sind in Schweden auch bei einem Festival gemeinsam aufgetreten. Das war lustig. Nach meinem Konzert in Oslo bin ich mit Debrah Scarlett, du weißt, die Rothaarige, um die Häuser gezogen. Ann Sophie habe ich aber nicht getroffen. Ich weiß gar nicht, wo sie wohnt.

Hier in Hamburg!

Sebastian: Wirklich? Schade, ich hätte sie gern hier getroffen!

In Deutschland ist "Tonight Again" nach dem ESC leider nur eine Woche in den Charts gewesen (Platz 44). Hattest du dir von der Show in Wien mehr versprochen?

Sebastian: Manchmal bauen Leute eine Verbindung zu einem Song auf, manchmal nicht. In Schweden war "Tonight Again" einige Wochen auf Platz 2. Ich glaube in 17 Ländern landete der Song in den Top Ten. Ich denke, das ist okay. Ich hatte zum Glück andere Songs, die in Deutschland erfolgreicher waren als "Tonight Again".

Inwiefern ist der Musikmarkt in Deutschland anders als in Australien?

Sebastian: Der Markt ist riesig. Und was ich daran liebe: Er ist auch so vielfältig. Wenn ich hier das Radio anmache, läuft Hip-Hop, Urban und viel mehr. Ich möchte zurückkommen, um in Berlin meine nächsten Songs zu schreiben.

Noch eine politische Frage. In diesem Jahr erwarten wir in Deutschland mehr als 800.000 Flüchtlinge. Du selbst bist als kleiner Junge aus Malaysia nach Australien gekommen. Was geht dir bei den aktuellen Bildern durch den Kopf? Wie wichtig war es für dich, in einer offenen Gesellschaft aufzuwachsen?

Sebastian: Ich denke die Menschheit hat ihren Verstand verloren. Wenn man dieses Bild von dem toten Jungen am Strand sieht ... (schüttelt traurig den Kopf). Ich musste an meine Kinder denken und habe geweint. Oder jetzt am Wochenende: Flüchtlinge laufen Hunderte Kilometer von Ungarn nach Österreich. Die Welt spielt verrückt - und ich kann hier ein Konzert in Hamburg spielen, aber nur weil Australien mich damals aufgenommen hat. Wenn Australien mich abgeblockt hätte, wäre ich nicht hier. Es ist vielleicht nur eine kleine Geschichte. Aber am Ende durfte dieser kleine Junge aus Malaysia dieses große Land sogar beim Eurovision Song Contest repräsentieren.

Das Interview führte Clever Juhls.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 23.05.2015 | 21:00 Uhr