Cláudia Pascoal tritt beim Festival da Canção 2018 mit ihrem Lied "O Jardim" auf. © RTP / EBU
Stand: 19.04.18 12:28 Uhr

Cláudia Pascoal - Requiem für Großmutter

von Oliver Klebb

Leise, nachdenklich und melancholisch - so klingt die Pop-Ballade "O Jardim" ("Der Garten"), mit der Cláudia Pascoal im ESC-Finale von Lissabon den Titel für ihr Heimatland Portugal verteidigen möchte. Mit dem Song verarbeitet Isaura, die Komponistin, den tragischen Verlust ihrer Großmutter: "Sie war mein bester Freund, es war einfach unausweichlich darüber einen Song zu schreiben. Ich habe immer noch mit der Tatsache zu kämpfen, dass sie nicht mehr da ist. Für mich ist das Schreiben von Songs ein therapeutischer Prozess. Ich hoffe, die Menschen können sich mit der Geschichte identifizieren. Mögen alle Großmütter künftig in Erinnerung bleiben, so wie meine."

Die Sängerin Cláudia Pascoal aus Portugal

Portugal: Cláudia Pascoal - "O Jardim"

Cláudia Pascoal präsentiert ihre Ballade "O Jardim" (Der Garten) im Duett mit Komponistin Isaura. Den portugiesischen Vorentscheid gewann die 23-Jährige dank der Publikumswertung.

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Und tatsächlich: Das Lied in portugiesischer Sprache berührt, es begeistert aber nicht - besonders, wenn noch die beeindruckende Stimme des Vorgängers Salvador Sobral im Ohr nachklingt. Zu langsam, zu getragen ist die Performance für eine Künstlerin, deren Stimme nicht gerade mit großem Volumen gesegnet ist. Auf der Bühne wurde Pascoal beim Festival da Canção, dem portugiesischen Vorentscheid, von Isaura unterstützt. Eine sympathische Geste, denn nicht zuletzt ist der portugiesische Vorentscheid - wie auch der ESC - ein Komponistenwettbewerb.

Pannen und Skandale beim Festival da Canção

Überschattet wird Pascoals knapper Sieg beim Vorentscheid vor Mitfinalistin Catarina Miranda von einem großen Eklat im Vorfeld des Finales: Böse Zungen könnten deshalb behaupten, sie sei nicht Portugals erste Wahl gewesen. Favorit Diogo Piçarra hatte sich mit dem Song "Canção do Fim" ("Lied vom Ende") im zweiten Halbfinale gegen seine Mitbewerber durchgesetzt, tritt dann aber enttäuscht vom Wettbewerb zurück, nachdem ihm in den sozialen Netzwerken vorgerworfen worden war, er habe sich bei seinem Lied in Teilen bei Bob Culls Gospel "Open Our Eyes" bedient. Und schon im ersten Halbfinale zeigte der portugiesische TV-Sender RTP - auch verantwortlich für den ESC im Mai - organisatorische Schwächen: Am Tag nach der Entscheidung müssen die Verantwortlichen die Ergebnisse sowie die Liste der Finalteilnehmer korrigieren. Ein Mitarbeiter habe die Abstimmungsergebnisse des Publikums falsch aufgeschrieben.

Casting-Shows bestimmen bisherige Karriere

Cláudia Pascoal

Bürgerlicher Name: Cláudia Rafaela Teixeira Pascoal
Geburtsdatum: 12. Oktober 1994
Geburtsort: São Pedro da Cova, Portugal
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Cláudia Pascoal kommt am 12. Oktober 1994 in São Pedro da Cova, einer Kleinstadt in der Nähe der portugiesischen Metropole Porto zur Welt. Seit ihrem 15. Lebensjahr spielt sie Gitarre, unternimmt erste musikalische Gehversuche als Straßenmusikerin. Als Teenager beginnt Pascoal auch, bei Casting- und Talentwettbewerben im Fernsehen mitzumachen - wobei der große Erfolg zunächst ausbleibt: 2010 macht sie bei "Ídolos" mit, 2013 versucht sie sich bei "Factor X" und im Jahr 2015 unternimmt sie einen zweiten Anlauf bei "Ídolos". Im Jahr 2017 gelingt dann bei "The Voice of Portugal" endlich der Durchbruch: Pascoal schafft es bis in die Live-Shows des Halbfinales, belegt am Ende den sechsten Platz. Neben ihrer Solokarriere ist sie die Frontfrau in ihrer Band Morhua. Neben der Musik gilt ihre zweite Leidenschaft dem Moderieren: Beim Casting für die Jugendtalkshow "CurtoCircuito" belegt sie 2014 den dritten Platz.

Schweres Erbe eines grandiosen ESC-Siegers

UMFRAGE

Mögliche Antworten

Schafft es Cláudia Pascoal im Finale unter die Top 10?

Trotz der bislang eher mäßig erfolgreichen Gesangskarriere und der großen Fußstapfen, die ihr Portugals Vorjahressieger und begnadeter Sänger Salvador Sobral hinterlässt, geht Pascoal selbstbewusst ins ESC-Finale: "Ich habe keine Angst vor Millionen von TV-Zuschauern aufzutreten. Es wird ein schöner Moment", sagt die 23-Jährige. Ihr Erfolgsrezept sei es, an das zu glauben, was sie tue. Wer weiß, vielleicht sind es auch in diesem Jahr wieder die leisen und melancholischen Töne, die das Publikum verzaubern.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 12.05.2018 | 21:00 Uhr