Stand: 10.02.15 09:00 Uhr

Dänemark: Strahlende Show, prima Sieger

Anti Social Media: Die dänischen ESC-Teilnehmer 2015. © EBU Foto: Wouter van Vliet (EBU)

Anti Social Media sind beim "Melodi Grand Prix" angetreten und lösten das dänische Ticket nach Wien.

Alborg ist nicht gerade das Herzstück dänischen Glamours. Man könnte sogar sagen: Von wo auch man guckt - diese Stadt liegt irgendwie im Nirgendwo. Ganz weit oben in Jütland, danach nur noch flache Landschaften, die schließlich in Skagen enden, wo Ost- und Nordsee aufeinandertreffen. Keine Stadt in diesem Land liegt so fern der Hauptstadt - und doch wurde von dort am Samstag eine famose Vorentscheidungsshow ausgestrahlt. Die Halle erinnert bei Tageslicht innen wie außen eher an eine aufgemotzte Turnhalle, am Abend jedoch, wenn alles fein telegen ausgeleuchtet ist, wirkte der Ort wie der Hotspot eurovisionären Entertainments schlechthin. Man dachte mal wieder: Fernsehinszenierungen machen aus jedem Ort noch einen sehr hübsch zu begehenden Catwalk.

Es hatte den Anschein eines Madison Square Gardens von New York oder irgendeiner Monsterarena wie in Hamburg, Helsinki oder Paris. In dieser Stadt jedenfalls gewannen vor fünf Jahren bei eisigsten Temperaturen bis zu minus zwölf Grad draußen Chanée und Thomas N'Evergreen das Ticket nach Oslo. Dort wurde ihre typisch skandinavische Nummer - von Thomas G:son mitkomponiert - Vierter: "In A Moment Like This" wurde zum dänischen Popschlager der Saison. Es war im Übrigen eine reine Plastikgeschichte. Das Paar bestritt damals in Oslo so gut wie nichts gemeinsam. Man wohnte im gleichen Hotel - ging sich aber - nicht einmal aus bösen Gründen, aus dem Wege.

Eine dänische Castingband

Auch die Gewinner des diesjährigen "Melodi Grand Prix" in Alborg sind nichts anderes als das: Die zusammengecastete Band namens Anti Social Media wird es vermutlich nach dem ESC nicht weiter geben. Aber jetzt zählt der ESC und die Repräsentation von einem der erfolgreichsten Länder der vergangenen Jahre beim Contest. Sie traten mit Startnummer 7 an, gaben eine perfekt einstudierte Nummer zum Besten. Drei Leute an Instrumenten (die sie gar nicht echt bespielten, beim ESC kommt das Instrumentale ja immer vom Band), zwei Frauen im Chor (die irritierend perfekt mit den Händen zu klatschen wussten und nicht zu dieser Band zählen), dazu der Sänger Philip Thornhill. Ihr Lied heißt "The Way You Are" (So wie du bist) und ist ein ausgesprochen fein plätscherndes Liedchen, von dem fix ausgegangen werden muss, dass es den Sprung ins Finale packt.

"The Way You Are" ist auf eine gewisse Art insofern typisch dänisch, besser: skandinavisch, weil es eine flotte Nummer, nichts Experimentelles sein will und auch nichts Besonderes verheißt. Lediglich ein Lied, das gefällt, am besten den meisten. Es muss nicht für die Ewigkeit gültig bleiben, sondern nur im Mai funktionieren. Erst im Semifinale, dann möglichst im Finale - und schließlich, für das Geldverdienen, auch in den Charts.

Einprägsamer Name

Anti Social Media ist ein Name, der außerdem gut merkbar ist: Social Media ist durch das Internet und seine Kommunikationsforen ein gängiger Begriff, und fügt man diesem noch ein Wörtchen wie "Anti" an, kommt dabei etwas heraus, das ein leichter Gag sein könnte (was auch immer die Gründe sein mögen, dies für einen Gag zu halten), vor allem aber lädt es zu Interpretationen ein. Anti Social Media könnte bedeuten, dass da eine Band signalisiert, sich nicht mit der Flüchtigkeit von Facebook-Freundesnetzen zufrieden zu geben. Sondern lieber gründlich auf echte Freundschaften zu setzen, solche, die von Angesicht zu Angesicht gelebt werden.

Emmelie de Forest hat 2013 gewonnen. © NDR Foto: Rolf Klatt

Mit Emmelie de Forest konnten die Dänen zuletzt 2013 beweisen, dass sie ein Händchen für gute Musik haben.

Ich gebe diesem dänischen Beitrag große Chancen auf ein sehr gutes Ergebnis. Seit Drama Queens Nichtqualifikation für das Finale im Jahre 2007 hat es Dänemark immer geschafft, sich im Finale zu bewähren - und mit der Siegerin Emmelie de Forest hat dieses Land gezeigt, dass man dort weiß, wie europäische Popmusik geht. Vielmehr: Wie man den eigenen Vorschlag zur Tonspur Europas macht. Anti Social Media setzen bestimmt diese Tradition fort: ein mitsummbares, gut erinnerbares Lied, das sich sehr leicht in die Gemüter senkt.

Es war, nebenbei gesagt, die bislang beste Vorentscheidung. Dänemarks "Melodi Grand Prix" bewies einmal mehr, wie man aus dem ESC-Vorentscheid eine Börse macht, bei der Newcomer echte Chancen haben. Sie war ein Vorbild für viele Länder. So kann das gehen, um Erfolg zu haben.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 23.05.2015 | 21:00 Uhr