Stand: 05.01.15 11:59 Uhr

Das war ein glorioses ESC-Jahr

Die Niederlande

Niederlande: The Common Linnets © NDR Foto: Rolf Klatt

Das erfolgreichste Lied 2014: The Common Linnets, die den zweiten Platz belegten, mit "Calm After The Storm".

Im zweiten Jahr in Folge löste der ESC in unserem Nachbarland einen wahren Hype aus: Das gab es, so sagen Menschen, die sich erinnern können, nicht mehr seit 1975, als Teach-In gewannen. Und es war nicht einmal ein Sieg, den das Duo The Common Linnets in Kopenhagen davontrug. Nein, ihr Lied "Calm After The Storm" schaffte Besseres: aus der absoluten Außenseiterposition zur Spitze zu gelangen. Ein zweiter Platz war ein formidables Resultat, um, kommerziell gesehen, das erfolgreichste Lied dieses ESC-Jahres zu werden.

Feddersens Kommentar

Die schönsten Bilder eines fantastischen Finales

Clubkonzert

Dass das Frauentrio Elaiza das Clubkonzert gewann, war prima ohnehin. Elaiza, möchte man hoffen, haben ihren künstlerischen Zenit noch nicht hinter sich. Sie bewiesen einmal mehr, dass es beim ESC auf Livequalität ankommt. Alles Gute für alles weitere.

Der Graf

Es gehört zum guten Ton, als Nichtgewinner den Siegern zu gratulieren und sich mitzufreuen. Für die Kameras. In Wahrheit sind jene, die nicht gesiegt haben, tief enttäuscht. Der Graf (Titel: "Wir sind alle wie eins") schien sich ernsthaft über Elaizas Triumph gefreut zu haben, er war frei von Missgunst. Respekt!

Anti-Conchita-Ressentiments

Der armenische Kandidat für den ESC, Aram mp3, machte zum ESC blöde Sprüche gegen Conchita Wurst, gegen Schwule in seiner kaukasischen Heimat und für Liebe zu Frauen. Vielleicht dachte er, das brächte ihm den schulterklopfenden Beifall von Fans. Das Gegenteil war der Fall. Vierter Platz - für ihn enttäuschend, mir gefiel sein Resultat.

Politisches

The Tolmachevy Twins proben für das 1. ESC-Halbfinale. © NDR / Rolf Klatt Foto: Rolf Klatt

Sie hatten keinen leichten Stand: Die Tolmachevy Sisters ernteten Pfiffe in Kopenhagen.

Russlands Tolmachevy-Schwestern ernteten sowohl im Halbfinale wie im Grand Final Pfiffe. Das lag natürlich nicht am Lied, es war ein durchschnittliches Philippe-Kirkorov-Kompositiönchen. Die Missfallensbekundungen waren unpolitisch, denn jene, die in Russland für den ESC verantwortlich zeichnen, sind Menschen, die sich überhaupt noch auf das Europa in vielen Farben einlassen. In Wien nicht wiederholen, bitte!

Pop aus Minsk

Teo hieß der Sänger aus Weißrussland - und sein Lied, "Cheesecake", gehörte neben dem niederländischen, zu meinem Material auf Heavy Rotation. Flott, nett, nicht weiter störend - und charmant: Man hat in Minsk die Sprache des Pop, also das, was in Europa so ankommt, besser verstanden als in den Jahren zuvor. In diesem Stil weitermachen!

United Kingdom

Jahr für Jahr werden uns neue Kandidaten aus dem United Kingdom präsentiert - und immer klingt es, als seien die ESC-Leute der BBC nicht aus Liebe auserwählt worden. Vom "Mutterland des Pop" muss immer mehr erwartet werden: Molly Smitten-Downes als Name war schon mal nicht schlecht.

Ralph Siegel

Schöne Geste, dass der Altmeister des ESC mit seiner sanmarinesischen Chanteuse Valentina Monetta es erstmals ins Finale schaffte. Und noch schöner, dass der Müncher in der Endrunde sich höchstpersönlich auf die Bühne ans Klavier begab. Man muss gönnen können: schönes Ergebnis für Ralph Siegel.

Televoting

Conchita Wurst singt auf der großen ESC-Bühne. © NDR/Rolf Klatt Foto: Rolf Klatt

Conchita Wurst war für die Televoter die Königin der Herzen.

Conchita Wurst hätte ohne den Zuspruch der Televoter nur knapp gewonnen, mit einem Vorsprung von 14 Punkten auf The Common Linnets aus den Niederlanden. Die deutsche Jury hätte "Rise Like A Phoenix" zu meinem Bedauern nur auf dem elften Platz gesehen, dafür lag sie bei den Abstimmenden per SMS und Telefon vorn. Ähnlich in Osteuropa. Überall dort, wo die österreichische Dragqueen besonders übel mit Sprüchen bedacht wurde, erhielt sie massive Unterstüzung durch die Publikumswertungen. Bemerkenswert!

Merci, Udo

Er hat als Interpret dreimal am ESC teilgenommen, Udo Jürgens. 1964 war es mit "Warum nur, warum?" ein sechster Rang, im Jahr darauf mit "Sag ihr, ich lass‘ sie grüßen" der vierte Platz und schließlich - obwohl er sich zunächst weigerte, sich dem Trubel um den ESC erneut auszusetzen - 1966 in Luxemburg, endlich, der Durchbruch mit "Merci Chérie". Ein Großer in der Hall of Fame des ESC. RIP!

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version dieses Beitrages ist uns ein Fehler unterlaufen. Anders als behauptet, hätte Conchita Wurst Punkte den ESC 2014 auch bei einem reinen Juryvoting den ESC gewonnen.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 10.05.2014 | 21:00 Uhr