Aufruf zum Boykott des ESC-Boykotts

Roger Waters beim Konzert "The Wall" in Hamburg 2011 © NDR 2 Foto: Mirko Hannemann

Ex-Pink-Floyd Musiker Roger Waters ist der Kopf einer Kampagne gegen den ESC in Israel.

Noch Mitte April kritisierte Roger Waters, Ex-Pink-Floyd-Musiker und politischer Aktivist, in einem Text in der britischen Zeitung "The Guardian" Madonna wegen ihrer Bereitschaft, jenseits des Wettbewerbs beim ESC-Finale am 18. Mai in Tel Aviv als Superpromi aufzutreten. Waters ist der Kopf einer internationalen Kampagne gegen den ESC in Israel: Das Eurovisionsfestival diene dazu, von der Besetzung des palästinensischen Westjordanlandes abzulenken. Dem ursprünglichen Boykott-Aufruf ist kein am ESC beteiligter Sender gefolgt, es wurde bei keinem Sender auch nur erwogen.

Baccara, Soraya und andere unterstützen den Appell

Baccara, Mayte Mateos (rechts) und Paloma Blanco auf einem Promobild ihres neuen Albums "Satin .. In Black And White" . © edel entertainment GmbH

Baccara traten 1978 in Paris für Luxemburg beim ESC an. Sie unterstützen den Aufruf gegen einen Boykott.

Jetzt hat die Initiative "Creative Community For Peace" wenige Tage vor den ersten Proben für den ESC in Tel Aviv einen Gegenaufruf lanciert. Der britische "Guardian" - aus Großbritannien kommen die meisten Unterstützer - berichtete ebenfalls. Wörtlich heißt es in dem Aufruf: "Wir, die Unterzeichnenden, glauben, dass Musik unsere gemeinsame Sprache ist, eine, die Grenzen überwindet und Menschen mit einem gemeinsamen Band vereint. (…) Der jährliche Eurovision Song Contest verbindet diese Kraft. (…) Wir glauben, dass ein kultureller Boykott ein Affront ist sowohl gegen Palästinenser wie auch Israelis, die für den Frieden zusammenarbeiten - durch Kompromisse, Austausch und gegenseitige Anerkennung."

Zu den Unterzeichnenden gehören viele Prominente, unter anderem auch die weltberühmte Performance-Künstlerin Marina Abramović, Schauspieler und Autor Stephen Fry, die Musikerin Keren Ann, Gene Simmons von der Band KISS und ESC-Teilnehmerinnen aus Spanien wie Baccara, Betty Missiego und Soraya.

Kooperationen multikultureller Art

Die US-Sängerin Madonna bei einem Auftritt in Atlanta, USA. © picture alliance Foto: Robb D. Cohen

US-Sängerin Madonna soll laut israelischen Medien beim ESC-Finale als Intervall-Act auftreten.

Bei der internationalen TV-Produktion kooperieren die teilnehmenden Länder mit dem israelischen Sender Kan. Menschen aus den israelisch besetzten Gebieten im Westjordanland sind an der Produktion offiziell nicht beteiligt. Indes hat der Bühnenbildner des ESC, der Deutsche Florian Wieder, neulich im Gespräch betont, dass zu den Teams, mit denen er in Israel auch für andere Projekte gearbeitet hat, immer auch arabische Israelis gehörten. Sie haben die israelische Staatsbürgerschaft und leben in Israel. Und sind Mitglieder von Kreativteams, die mit den TV-Sendern - auch Kan - kooperieren.

Dieses Thema im Programm:

NDR Blue | ESC Update | 25.05.2019 | 19:05 Uhr