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"Viszlát nyár", 2018 in Lissabon (Finale) (21. Platz, 93 Punkte, davon 28 Jurypunkte)
Stand: 08.02.2021 13:48 Uhr  | Archiv

Headbangen mit AWS aus Ungarn

"Auf Wiedersehen Sommer" - ganz poetisch klingt der Titel von AWS aus Ungarn für den Eurovision Song Contest 2018 in Lissabon. Doch "Viszlát nyár", wie der Song im Original heißt, ist alles andere als ein Märchen. Dahinter verbirgt sich nicht nur textlich, sondern auch musikalisch harter Tobak. In dem Stück der fünfköpfigen Band aus Budapest, die gepflegten Punkrock spielt, geht es ums Sterben. In der europäischen Kultur sei dieses Thema immer noch ein Tabu, findet die Formation um Frontmann Örs Siklósi. Der damals 25-Jährige hat den sehr persönlichen Song geschrieben, in dem er auch den Tod seines Vaters verarbeitet. Man sei nicht darauf vorbereitet - und dann "kommt die bittere Erfahrung und eine unendliche Traurigkeit", sagt er. Es gehe ihnen darum, die Angst vor dem Tod zu nehmen, und mit dem Wissen um Endlichkeit ein glücklicheres Leben zu führen. Am 5. Februar 2021 starb Frontmann Örs Siklósi selbst im Alter von 29 Jahren an Leukämie.

VIDEO: Ungarn: AWS - "Viszlát nyár" (3 Min)

AWS

Mitglieder: Örs Siklòsi (Gesang), Dániel Kökényes (Gitarre), Bence Brucker (Gitarre), Áron Veress (Drums) und Soma Schiszler (Bass).
Wohnort: Budapest
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Wut und Freude ausdrücken

Die fünf jungen Männer, die keine Scheu vor diesem schweren Stoff haben, sind neben Sänger Siklósi Dániel Kökényes, Bence Brucker, Áron Veress und Soma Schiszler. 2006 gründen sie als Teenager AWS in Budakeszi, einer Gemeinde am westlichen Rand von Budapest. Heute ist die ungarische Hauptstadt ist das Zuhause der Band, die sich modernem Metal-Rock - mit Elementen aus Metalcore, Post-Hardcore und Psychedelic Rock - verschrieben hat. Ihre Musik sei ein Mittel, Gefühle auszudrücken - von extremer Wut bis ausgelassener Freude.

Auftritt bei Europas renommiertem Musikfestival

Mit dieser Haltung touren AWS seit 14 Jahren durch Ungarn, aber auch in Slowenien, Rumänien, Österreich und England sind sie zu hören. Ein Höhepunkt ist ihr Auftritt 2010 auf dem mehrfach ausgezeichneten Musikfestival "Sziget". 400.000 Musikfans besuchen jährlich das Open-Air-Event auf der Donauinsel in Budapest, wo Topacts wie Iron Maiden, Muse oder Radiohead performen. Darüber hinaus veröffentlichen AWS drei Alben, zuletzt erscheint 2016 "Kint a vízből", zu Deutsch "Aus dem Wasser".

Metal-Community steht hinter AWS

Viel Wert legen die fünf Musiker auf den Zusammenhalt in der Metal-Community, die in Ungarn eine lange Tradition hat. Immer wieder machen Headbanger-Formationen aus dem osteuropäischen Land auf sich aufmerksam. Dazu gehören zum Beispiel Tankcsapda, Ektomorf oder Tormentor, die zum Teil auch schon beim Wacken Open Air zu Gast waren. Dank der umfassenden Unterstützung ihrer Anhänger gewinnen AWS den diesjährigen Vorentscheid "A Dal", zur Überraschung von manchen Fans und Experten. Denn als vierte rutschen sie auf den letzten Drücker ins Finale. Zwei der Juroren geben der Band im Vorfeld lediglich null Punkte. Dabei scheint klar zu sein. Die ungarischen Zuschauer sind der seichten Popmusik überdrüssig. Schon im vergangenen Jahr fällt bereits Joci Pápai mit härteren Klängen auf.

"Eine Botschaft übermitteln"

Beim Eurovision Song Contest wollten sich AWS mit "Viszlát nyár" treu bleiben und auf keinen Fall verstellen. Und sie möchten aus ihrer Position heraus "eine Botschaft übermitteln". Es gehe ihnen darum, die Realität nicht hinter Fassaden zu verstecken und ein Lächeln vorzugaukeln. "Es gibt immer eine Alternative - sowohl was Musik als auch was Werte betrifft." Das wollten Örs Siklósi, Dániel Kökényes, Bence Brucker, Áron Veress und Soma Schiszler in Lissabon beweisen.

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