Für Ungarn steht Joci Pápai mit "Az én apám" auf der ESC-Bühne. © eurovision.tv Foto: Andres Putting
Stand: 15.05.19 16:35 Uhr

Joci Pápai - Stolzer Roma singt erneut für Ungarn

von Oliver Klebb, Stefanie Grossmann Stefanie Grossmann

Ganz in schlichtem Schwarz gekleidet und barfuß: So präsentiert sich Joci Pápai beim ungarischen Vorentscheid "A Dal". Er scheint mit nichts von seiner berührenden Ballade "Az én apám", einer Hommage an seinen Vater, ablenken zu wollen. Das Lied hat er gemeinsam mit dem bekannten Sänger und Produzenten Ferenc Molnár aka Caramel geschrieben. Zarte Gitarren- und Geigenklänge untermalen den Song, der auf Deutsch "Mein Vater" heißt. Die Stimme des 37-Jährigen bleibt klar im Fokus. Nichts ist überfrachtet - im Gegenteil, alles wirkt puristisch und authentisch. Damit überzeugt der 37-Jährige nicht nur die Jury, sondern auch die Zuschauer: Beide voten Joci Pápai auf Platz eins. Nach seiner Teilnahme 2017 in Kiew mit "Origo" darf er nun zum zweiten Mal das Abenteuer Eurovision Song Contest erleben, diesmal in Tel Aviv. Doch diesmal scheitert Pápai bereits im Semi, der Traum von einem erneuten Finaleinzug bleibt ihm verwehrt.

"Az én apám" ist ein Song über die Liebe

Der ungarische ESC-Kandidat Joci Pápai sitzt auf einer Mauer. © MTI Foto: Boglárka Bodnár

Freut sich über seine zweite ESC-Teilnahme: Joci Pápai.

Es sei ein fantastisches Gefühl, zum zweiten Mal zu gewinnen, sagt Joci Pápai nach seinem Erfolg bei "A Dal". "Mein Herz ist voller Liebe und Dankbarkeit." Von der Liebe handele auch sein Song, es gehe ums Ausbrechen aus der täglichen Tretmühle, um mehr "Zeit für Menschen zu haben, die uns am meisten bedeuten". Seine Freude auf Israel sei groß, dort könne er Orte sehen, die mit dem Leben Jesu im Zusammenhang stünden. "Es wird sicher mein größtes Abenteuer in meinen bisherigen Leben werden. Danke dafür!"

Zweiter Sieg bei Ungarns Vorentscheid "A Dal"

Joci Pápai gehört der Volksgruppe der Roma an, einer ethnischen Minderheit, die im Victor-Orbán-regierten Ungarn vielerorts bis heute nicht gern gesehen ist und trotz der Mitgliedschaft in der Europäischen Union noch immer diskriminiert wird. Umso glücklicher macht es den Musiker, als sich seine Landsleute 2017 im nationalen ESC-Vorentscheid "A Dal" für ihn entscheiden: "Ich bin der erste Roma, der Ungarn stolz beim Eurovision Song Contest vertreten wird. Ich bin sehr dankbar, dass so viele Menschen hinter mir stehen", sagt er damals zu seiner Wahl als ESC-Kandidat.

Teilnehmer

Eine Dankeshymne für den Vater

Kindheit im Tross eines Orchester-Chefs

Joci Pápai

Geburtsdatum: 22. September 1981
Geburtsort: Tata, Ungarn
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Pápai kommt am 22. September 1981 in Tata, einer ungarischen Kleinstadt etwa 70 Kilometer südwestlich von Budapest, zur Welt. Sein Vater ist Chef eines großen Gipsy-Orchesters, etwa 70 Musiker gehören zum täglichen Alltag des Jungen. Ein Umfeld, das prägt: Bereits im zarten Alter von vier Jahren nimmt Pápai das erste Mal eine Gitarre in die Hand, er ist mit dem Musik-Virus infiziert. Obwohl er das Zeug zum erfolgreichen Basketball-Spieler hat, entscheidet er sich für eine Karriere als Musiker.

Durchbruch bei Castingshow "Megasztár"  

Ein steiniger Weg beginnt, in Talentwettbewerben ringt Pápai um künstlerische Beachtung: 2001 macht er bei "Üstökös" mit, doch der Durchbruch gelingt erst 2005 mit der Teilnahme beim TV2-Casting-Format "Megasztár". Im selben Jahr kommt das erste Album "Vigaszdíj" mit "Adj erőt", dem Hit aus der Show, heraus. Es folgen diverse Chart-platzierte Singles, auf denen Pápai unter anderem mit dem Rapper Majka zusammenarbeitet. Im Jahr 2016 nimmt er zum ersten Mal am ungarischen Vorentscheid "A Dal" teil, schafft aber nicht den Sprung ins Finale. Beim zweiten Versuch ist er dann erfolgreich und landet als Kandidat beim ESC 2017 in Kiew auf dem achten Platz. Auch seine dritte Teilnahme an der Vorauswahl war eine gute Entscheidung und belohnt ihn mit dem Ticket nach Tel Aviv.

Auch Frontmann Örs Siklósi von der Band AWS ist im vergangenen Jahr in Lissabon mit einem Lied über seinen Vater für Ungarn angetreten, das Punkrock-Stück "Viszlát nyár" schafft es allerdings nur auf Platz 21.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 15.05.2019 | 02:10 Uhr