Stand: 15.04.16 15:13 Uhr

Amir: "Vergleich mit Iglesias schmeichelt mir"

Der Franzose Amir im Interview in Amsterdam bei Eurovision in Concert © NDR Foto: Patricia Batlle

Sänger Amir hat in Jerusalem Zahnmedizin studiert. "Das Diplom hängt bei meiner Mutter in der Küche", erzählt der Franzose lachend.

Der französische Teilnehmer Amir gehörte bei Eurovision in Concert zu den besonders begehrten Fotomotiven, schließlich zählt der 31-Jährige neben dem Russen Sergey Lazarev als Top-Favorit für den Sieg in Stockholm. Unser "Dr. Eurovision" Irving Wolther hatte die Gelegenheit für ein kurzes Interview mit dem sympathischen Sänger.

Nach dem schlechten Abschneiden von Lisa Angell in Wien erklärte die Leiterin des französischen Fernsehens France 2, Nathalie André: "Ich war so dumm, eine Stimme zum ESC zum Song Contest zu schicken, und nicht Enrique Iglesias." Bist du jetzt also in diesem Jahr die französische Antwort auf Enrique Iglesias?

Amir: (lacht) Ich bin ein großer Fan von Enrique Iglesias und kenne auch viele seiner Lieder auswendig. Er ist jemand, der gute Laune verbreitet, und vielleicht ist das ja unsere Gemeinsamkeit - mal abgesehen davon, dass wir beide einen etwas dunkleren Teint haben. Aber er hat seinen Platz in der Musikszene und ich meinen.

Frankreich: Amir - "J'ai cherché"

Eurovision Song Contest

Sein Ohrwurm ist wieder ein Hoffnungsschimmer für Frankreich beim ESC. Mit Lebensfreude und Spaß geht Amir und dem Song "J'ai cherché" für Frankreich zum ESC.

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Und was ist mit der Stimme?

Amir: Natürlich gibt es sicherlich mehr Gemeinsamkeiten zwischen mir und Enrique Iglesias als zwischen Lisa Angell und Enrique Iglesias, aber unsere musikalischen Welten unterscheiden sich schon sehr. Der Vergleich schmeichelt mir trotzdem (lacht).

Die islamistischen Anschläge in Paris haben Frankreich zutiefst erschüttert. Ist die Entscheidung, einen Sänger jüdischen Glaubens mit nordafrikanischen Wurzeln zum ESC zu schicken, vor diesem Hintergrund auch als politisches Signal zu verstehen?

Amir: Nein, gar nicht. Meine Religion oder politische Überzeugung haben da nicht die geringste Rolle gespielt. Ich vertrete Frankreich in meiner Rolle als französischer Staatsbürger, und jeder Franzose, jeder Jude, jeder vernünftige Mensch gleichwelcher Weltanschauung kann die fürchterlichen Anschläge, egal ob in Frankreich, in Belgien oder in anderen Teilen Europas, nur verurteilen. Wir sind auf dieser Welt, um das wahre Leben zu leben, Spaß zu haben, Musik zu machen, uns mit anderen Menschen zu verstehen - ein Leben, in dem Religion und Herkunft anderer Menschen keinen Anlass geben, über sie zu urteilen. Sie sind eine Bereicherung, sie öffnen uns die Augen für andere Kulturen, und das ist für mich auch der Grund, weshalb wir alle beim ESC dabei sind. Ich bin sehr, sehr stolz, Frankreich dort vertreten zu dürfen und Teil dieser Idee zu sein.

Die Buchmacher sehen dich im Finale unter den Top Five. Das hat für Frankreich in den letzten Jahren ja eher Seltenheitswert. Was unterscheidet dich von den französischen Kandidaten der Vorjahre?

Amir: Der Unterschied liegt nicht unbedingt bei mir, sondern bei der französischen Delegation, die sich die Zeit genommen hat, die Entwicklung unter die Lupe zu nehmen, die der Wettbewerb in den vergangenen Jahren genommen hat - er hat sich ja sehr stark verändert - und dem aktuellen Trend zu folgen. Ich bin sozusagen Teil eines Maßnahmenpakets, das für die französische ESC-Teilnahme 2016 beschlossen wurde. Das betrifft die Wahl der Bühneninszenierung, die Wahl von Interpret und Beitrag, die Wahl der Arbeitsweise allgemein, die sich dem aktuellen Erscheinungsbild des Song Contests angepasst hat. Ich bin sehr froh, dabei sein zu dürfen, denn in meinen Augen ist der Wettbewerb, so wie er jetzt ist, eine großartige Sache.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 14.05.2016 | 21:00 Uhr