Jonida Maliqi
"Ktheju tokës", 2019 in Tel Aviv (Finale) (17. Platz, 90 Punkte, davon 43 Jurypunkte)
Stand: 13.06.2019 11:06 Uhr  | Archiv

Albanerin Jonida Maliqi singt über Migration

Es ist der erste Schritt in Richtung Eurovision Song Contest in Tel Aviv: Sängerin und Moderatorin Jonida Maliqi gewinnt das 57. Festivali i Këngës, den albanischen Vorentscheid. Die 36-Jährige überzeugt die Jury unerwartet knapp mit dem dramatischen Titel "Ktheju tokës" (Kehre zurück in dein Land). Musik und Text stammen von Eriona Rushiti und entfalten rhythmisch und gesanglich eine geradezu hypnotische Wirkung - auch dank der albanischen Sprache, die in dem Song ihren ganz besonderen Reiz entfaltet. Für Isreal haben die Verantwortlichen das Arrangement noch einmal überarbeitet - mit Erfolg: Maliqi setzt sich im zweiten Halbfinale durch, qualifiziert sich für das Finale. Dort erreicht sie den 17. Platz.

VIDEO: Albanien: Jonida Maliqi - "Ktheju tokës" (3 Min)

 

Jonida Maliqi braucht zehn ESC-Anläufe

1995 steht Jonida Maliqi als 13-Jährige erstmals beim albanischen Vorentscheid auf der Bühne - an der Seite von Schauspieler Aleksander Rrapi. 1999 startet sie ihre Solokarriere. Immer wieder will sie das Festival als Karriere-Sprungbrett nutzen, im zehnten Anlauf klappt es schließlich. Wenn Jonida Maliqi nicht singt, spielt sie die weibliche Hauptrolle in der albanischen Musical-Version von Romeo und Julia. Darüber hinaus moderiert sie TV-Shows wie "Dancing With The Stars Albania" oder "The Voice Of Albania".

"Ktheju tokës" - Lied über Migration

Geboren 1983 in der Hauptstadt Tirana, erlebt Jonida Maliqi als junge Frau die Umbrüche in dem ehemals kommunistischen Land. 1990 lehnen sich Tausende Albaner gegen das autoritäre Regime auf, etliche fliehen nach Italien. Insgesamt verlassen mehr als 800.000 Menschen den kleinen Balkanstaat. Das Lied sei der albanische Diaspora gewidmet, sei aber auch "für Einwanderer, für alle Menschen auf der ganzen Welt", sagt Jonida Maliqi. Der Song thematisiert, wie schwer es ist, sein Heimatland verlassen zu müssen. Viele Migranten sind ständig auf der Suche nach der eigenen Identität. Aus fast jeder (kosovo-)albanischen Familie mussten Mitglieder die Heimat verlassen - Jonida Maliqis Schwester lebt heute beispielsweise auf Zypern. Auch das Video zu "Ktheju tokës" verdeutlicht diese Zerrissenheit, es zeigt Szenen von Flucht und Vertreibung. Kinder irren zwischen brennenden, zerstörten Häusern umher. Der Song spiegele ihre Gefühlswelt wieder, so die 36-Jährige.

In Albanien als Sängerin und Stilikone bekannt

Die albanische ESC-Teilnehmerin Jonida Maliqi © RTSH
Trendsetterin in Sachen Mode: Viele Albanerinnen orientieren sich an Jonida Maliqis Look.

In Albanien gehört Jonida Maliqi heute zu den populärsten Popsängerinnen. Bei ihren Landsleuten gilt sie mit ihrem Look - den markanten Augenbrauen und dunkel geschminkten Augen - als Stilikone und Trendsetterin. Ihr Gesicht ziert verschiedene Modemagazine - sogar die albanischen Ausgabe der Cosmopolitan. Viele Frauen orientieren sich am Modestil der 36-Jährigen.

Festivali i Këngës: Abiturienten vergeben Preis

Jonida Maliqi

Geburtsdatum: 26. März 1983
Geburtsort: Tirana, Albanien
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Obwohl die nationale Fachjury im vergangenen Jahr mit Eugent Bushpepa und seinem Titel "Mall" den richtigen Riecher hatte - schließlich belegte er einen guten elften Platz - entschied sich das albanische Fernsehen, ein wenig frischen Wind in die 57. Ausgabe des Festivali i Këngës zu bringen. Zwar nicht die Fernsehzuschauer, dafür aber ein 150-köpfiges Panel aus jungen Abiturienten durften mitentscheiden. Einfluss auf das Endergebnis hatten sie zwar nicht, aber immerhin durften sie - wie die Angehörigen der Presse - einen eigenen Preis vergeben. Erstmalig wurden die insgesamt 22 Teilnehmer nicht auf die zwei Semifinalabende aufgeteilt, sondern mussten ihre Songs am ersten Abend mit Orchesterbegleitung und am zweiten Abend in der endgültigen ESC-Version mit Halbplayback vortragen.

Weitere Informationen
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Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 17.05.2019 | 02:10 Uhr

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