Kommentar

Stand: 13.05.18 04:10 Uhr

Verdienter vierter Platz für Schulte

Michael Schulte auf der Bühne in Lissabon. © NDR Foto: Rolf Klatt

Magischer Moment: Bei Michael Schultes Auftritt mit "You Let Me Walk Alone" im ESC-Finale passte einfach alles. Es wird Platz vier.

Dass er in Lissabon mit so viel Liebe bedacht wird, war ja nicht abzusehen nach dem 22. Februar, seinem Sieg beim Vorentscheid mit "You Let Me Walk Alone". Michael Schulte erntete in der Final-Nacht des ESC 2018 die Lorbeeren dafür, dass er während der Wochen vor dem Eurovision Song Contest und auch in den Tagen der Proben in Lissabon ruhig, ja, gelassen blieb. Mit vielen hohen Wertungen der 42 ESC-Jurys, ebenso mit sehr vielen Punkten aus dem Televoting schaffte er am Ende einen großartigen vierten Platz.

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Beste Platzierung seit Lenas Sieg in Oslo

Der junge Mann aus Buxtehude traf mit seinem einfühlsamen ESC-Lied über das, was der Tod seines Vaters für sein Leben bedeutet, offenbar den Nerv sehr vieler Experten aus der Musikindustrie, die in den Jurys versammelt waren - und auch die Empfindungen vieler Televoter. Michael Schulte hat während keiner Sekunde seiner Tage in Lissabon den Eindruck von besonderer Aufgeregtheit erweckt - er ist vielmehr, auch beim Live-Auftritt im Finale, über sich hinausgewachsen.

Wie weggeblasen sind die schlechten oder mittlere Plätze für deutsche ESC-Acts seit Lenas Triumph in Oslo 2010 und Roman Lobs achtem Platz 2012 in Baku.

Der aufwendige Vorentscheid ist ein Erfolg

Das Konzept, mit dem einer wie Michael Schulte neben vielen anderen für das Casting gewonnen werden konnte, war das richtige. Der 28-Jährige hat einen beeindrucken Weg hinter sich: im Song Camp sowie der deutschen Vorentscheidung.

Ernsthafte Arbeit an Musik, die sich dem Publikum wie den Juroren beim ESC aufs Sympathischste erschließt und in der Bilanz Punkte und einen vorzüglichen Rang einbringt, hat sich als Erfolgsmodus erwiesen. Ein Verfahren für einen deutschen ESC-Act wie einst, bei dem die Musikindustrie fertige "Ware" liefert, hat sich somit erledigt. Michael Schulte war keine Nummer in Plattenfirmen, er war und ist ein Juwel - unabhängig von Businessplänen und Marketingstrategien.

Moment mit Authentizität und Gefühlen im Finale

Michael Schulte auf der Bühne in Lissabon. © NDR Foto: Rolf Klatt

Seit dem Vorentscheid hat Michael Schulte eine gewaltige Entwicklung hin zum Live-Künstler gemacht.

Michael Schulte hat im Finale ein Momentum erwischt. Aber es fiel nicht vom Himmel. Er hat sich an die Bühne zu gewöhnen gewusst, er sich an das Event auf seine Art und in seinem Tempo herangerobbt. Der werdende Vater hat es sogar riskiert, ein Lied zu präsentieren, das autobiografischer nicht sein könnte: ein Liedermacher moderner Zeiten, der von Gefühlen weiß und sie auch zeigt, ohne die Distanz zu verlieren.

Michael Schulte hat eine spektakuläre Zukunft, als Texter und Komponist vor sich. Besser hätte dieser ESC für ihn nicht laufen können, besser hätte der Plan nicht laufen können, es mal mit einer aufwendigen und gründlichen Suche nach einem sehr guten Act zu probieren. Das hat sich gelohnt.

Es möge fortgesetzt werden!

P.S. Herzlichen Glückwunsch an die portugiesischen Gastgeber, die Showverantwortlichen - vor allem aber herzlichen Glückwunsch einer würdigen Siegerin, eine des Publikums, das sie wollte wie keine andere: Netta Barzilai - die Frau, die ihrem Land den vierten ESC-Sieg bescherte.

Weitere Informationen

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 12.05.2018 | 21:00 Uhr