Stand: 01.09.14 14:03 Uhr

Trauer um den "Borriquito"-Mann Peret

Ein Mann mit braunem Anzug und Kotelleten sitzt in einem Sessel - der spanische Sänger Peret (eigentlich: Pedro Pubill Calafs) in einem Archivbild aus den Siebzigerjahren © picture alliance/KPA

Der Sänger Peret nahm 1974 für Spanien beim ESC teil. Nun ist er im Alter von 79 Jahren gestorben.

1971 wurde seine Musik über sein Heimatland hinausgetragen: Sein Lied "Borriquito" kam mit dem Ende der Ferienzeit nach Mitteleuropa. Ein ungewöhnliches Stück, auf Anhieb wiedererkennbar, sofort nach- und mitsingbar: diese kleine Hymne auf einen kleinen Esel, der nicht so will, wie sein Besitzer es gern hätte. Peret hieß der Interpret. In seiner katalanischen Heimat war er ein Prominenter des Showgeschäfts. 1935 in Mataró, nahe Barcelona, geboren, wuchs Pedro Pubill Calafs als Kind eines fliegenden Händlers und Spross einer Gypsy-Familie (Gypsy: Zigeuner, Roma, Sinti) auf. Sein Talent für das Gitarrespielen war bald offenkundig. Aus dieser Begabung sollte ihm eine beeindruckende Karriere erwachsen.

Krude Mischung aus Rock’n’Roll und Rumba

Peret kreierte von den Fünfzigerjahren an eine Art Mischung aus Rock'n'Roll und Rumba. Diese krude Mixtur war faktisch grandioses Entertainment, bei dem Peret seine Gitarre nicht allein als Zupfinstrument nutzte, sondern auch als Perkussionsfläche. Mambo, Rumba, Flamenco, Paso Doble waren in den Fünfzigerjahren Mode in den USA und Mitteleuropa. Es waren auch erste Klänge aus mediterranen und lateinamerikanischen Traditionen.

Spanische Musik war in Mitteleuropa, also auch in unserem Land, eher unbekannt. Perets "Borriquito" hat im Sommer 1971 eine Welle spanisch klingender Schlager auch über die Pyrenäen hinweggebracht. Es war eine Musik, die vor allem nach Spanien gereiste deutsche Urlauber in die mitteleuropäischen Breiten brachten. Und zwar, ehe deutsche Schlagersänger Mallorca als "17. Bundesland" kommerziell für Auftritte entdeckten. "Borriquito" bildete den Auftakt einer Fülle von schwungvollen Liedern. Zahlreiche Coverversionen des Hits sind erschienen. In Italien versuchte sich Raffaela Carrá daran, in Deutschland Rex Gildo.

ESC-Teilnahme 1974 in Brighton

Peret war 1974 in Brighton insofern kein Unbekannter, als er dort Spanien repräsentieren sollte. Sein '"canta y sé feliz" (Sing und sei glücklich) galt nicht als Favorit auf die ESC-Krone in jenem Jahr, schließlich war auch Olivia Newton-John als Promi schlechthin vertreten. Auch Gigliola Cinquetti war schon vor ihrem Auftritt an der südenglischen Küste ein Star. Aber dem spanischen Interpreten war ein vorderer Platz zugetraut worden. Immerhin: Mit dem von ihm selbst komponierten Lied belegte Peret den neunten Platz. Einen Punkt erhielt er auch aus Deutschland. Ein Hit wurde "canta y sé feliz" hierzulande nicht. Auch in Spanien kam das Lied nicht über den Sommer hinaus auf höhere Ränge. Peret war, anders als die meisten ESC-Sänger jener Jahre, fern von dieser Steifheit vor dem Mikrofon. Bis heute ist der Beitrag von 1974 einer der beliebtesten ESC-Auftritte in Spanien.

Auftritt bei den Olympischen Spielen in Barcelona

Perets Karriere verebbte mit den frühen Achtzigerjahren zusehends. Er verlegte sich auf seine Arbeit als Prediger in einer christlichen Kirche. Für spanische Musik stand in Europa viel eher das, was Julio Iglesias sang. 1992, zu den Olympischen Sommerspielen in Barcelona, war es jedoch Peret, der bei der Schlussveranstaltung mit auf der Bühne stand - wertgeschätzt und gefeiert als Sänger Kataloniens. Das echte Comeback zeichnete sich schließlich Ende der Neunzigerjahre ab. Jüngere erinnerten sich an ihn, an den Mann, der ein Lied zur Gitarre lustvoll und mit Schwung interpretieren konnte. Ein Mann, dessen Musik im Radio früher ständig zu hören war. 2000 erschien das Album "Rey de la Rumba" (König des Rumba). Mit auf dieser Tribut-Scheibe ist der berühmte David Byrne ("Talking Heads"), der offenbar wusste, mit welcher Legende er musizierte.

Erster Gypsy der ESC-Geschichte

Vor Kurzem sprach Peret darüber, dass er an Krebs erkrankt sei und bald sterben werde, aber so lange auf der Bühne bleiben würde, wie es seine Kraft zuließe. Vorigen Mittwoch ist der Mann, der erste Gypsy der ESC-Geschichte, der Musiker, der den Erfolg der Gypsy Kings möglich machte, im Alter von 79 Jahren in Barcelona gestorben. Nicht nur das spanische Publikum trauert um einen Musiker, der für lebensbejahende Kompositionen stand - und viel Freude machte.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 06.04.1974 | 21:00 Uhr