Kommentar

Stand: 19.05.19 03:00 Uhr

Herzlichen Glückwunsch, Duncan Laurence!

Was für eine spannende Punkteauswertung beim 64. Eurovision Song Contest. Würde die überraschend auf dem zweiten Platz nach den Juryergebnisse liegende Nordmazedonierin Tamara Todesvka auch bei der Publikumswertung genug ernten können, um sensationell den Abend für sich entscheiden?

Nein, es reichte nicht. Der Niederländer Duncan Laurence hatte zum großen Jubel seiner Landsleute, der Zuschauer in der ESC-Arena von Tel Aviv und auch der Journalisten im Pressezentrum für seine Performance die meisten Punkte auf seinem Konto. Er hatte weder die Jurywertung gewonnen noch das Televoting - aber in der Addition beider Wertungsblöcke den Triumph auf seiner Seite.

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Es war ein verdienter Sieg. Der Niederländer hatte ein auch für viele Pop-Radiowellen höchst akzeptables Lied im Angebot - und er wusste außerdem in puncto Ausstrahlung und Gesang zu überzeugen. Es ist der erste Sieg für die Niederlande seit Teach-In mit "Ding-A-Dong" 1975 - für das Land, das 1956 den ESC mitbegründete und sich seit 44 Jahren mit einer Fülle von deprimierenden Ergebnissen auseinanderzusetzen hatte, ist das ein Trost sondergleichen.

Duncan Laurence ist auch deshalb ein mehr als nur respektabler Sieger, weil er den ESC immer als seinen Traum verstanden hat: Einmal dort für sein Land an den Start gehen zu können - das war sein Wunsch.

Die Punktezeremonie - spannend wie nie

Der Clou der Punktezeremonie, bei der ihn auch der Schwede John Lundvik, Führender nach der Jurywertung, nicht mehr einholen konnte, war indes, dass die Urteile der Jurys und der Televoter krass voneinander abwichen. Nordmazedoniens Kandidatin Tamara Todevska, die mit ihrer Ballade "Proud" zu keinem Zeitpunkt während der ESC-Probentage auch nur den Hauch eines Anscheins von Siegesmöglichkeit verströmte, war Zweite bei den Jurys, aber ganz weit hinten beim Publikum.

Für Schweden steht John Lundvik mit "Too Late For Love" auf der ESC-Bühne. © picture alliance Foto: Ilia Yefimovich

Der Schwede John Lundvik gehörte im Finale von Tel Aviv zu den Lieblingen der Jurys.

John Lundvik hingegen war der Darling der Profis mit 239 Punkten, fiel aber beim Publikum mit 93 Punkten fast ganz und gar durch. KEiiNO, die Nachbarn aus Norwegen, wurden mit 47 Jury-Punkten für ihr hörbar mitklatschfähiges Lied abgestraft, um mit 291 Punkten das Televoting zu gewinnen.

Es ist der erste ESC der neueren Art, bei der die Vorlieben von Jurys und Televotern auseinanderfielen: In Stockholm 2016 hatte der Russe Sergej Lazarev bei den Zuschauern die meisten Punkte geholt, bei den Jurys hingegen die Australierin Dami Im. In jenem Jahr war es schließlich die Ukrainerin Jamala, die gewinnen konnte.

Glückwunsch: Mahmood Zweiter, Sergej Lazarev Dritter

Italiens Mahmood lag in beiden Wertungsblöcken jeweils knapp hinter ihm - das reichte für einen zweiten Platz. Hierzu ebenfalls herzliche Gratulationen an den Kandidaten der Herzen. Dass Sergej Lazarev aus Russland Dritter wurde - auch das ist gerecht so. Schließlich verkündet er das Europäische mit Leidenschaft in seinem Heimatland.

Weitere Informationen

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 18.05.2019 | 21:00 Uhr