Stand: 23.09.19 14:55 Uhr

ESC 2020: Ukraine nimmt in Rotterdam teil

Die Ukraine wird zum Eurovision Song Contest zurückkehren. Wie der ukrainische Sender UA:PBC bestätigte, wird das Land beim 65. ESC in Rotterdam 2020 teilnehmen. Wie genau der Act für den nächsten ESC gewählt werden soll, ist noch nicht bekannt. In den vergangenen Jahren hat die Ukraine stets den Vorentscheid "Widbir" mit mehreren Runden im Fernsehen abgehalten. Die Ukraine gehört zu den erfolgreichsten Teilnehmerländern dieses Jahrtausends. Seit 2003 nimmt die Ukraine teil, gewann mit Ruslana in Istanbul 2004 und Jamala in Stockholm 2016 den Wettbewerb und wurde zweimal Zweiter.

2019: Rückzug von Teilnehmerin MARUV

Maruv, ESC-Teilnehmerin 2019 der Ukraine, in weißer Bluse und Corsage. © Serg Glovny/ZUMA Wire

MARUV hätte 2019 für die Ukraine beim ESC singen sollen, weigerte sich aber einen Vertrag des Fernsehsenders zu unterschreiben.

Der ukrainische Vorentscheid fand auch 2019 statt. Gewonnen hat ihn Sängerin Hanna Korsun alias MARUV mit dem selbst geschriebenen Lied "Siren Song". Danach allerdings stellte die Rundfunkanstalt UA:PBC Forderungen, die sie nicht erfüllen wollte. So sollte MARUV, die auch in Russland tourt und dort viele Fans hat, genau das untersagt werden. MARUV stellte die Klauseln des Vertrages, den sie nach dem Vorentscheid unterschreiben sollte, öffentlich ins Internet. Auf die Forderung, nicht in Russland aufzutreten, wäre sie eingegangen, sagte sie - allerdings habe sie auch auf Improvisation bei der Bühnenshow verzichten sollen und mit Journalisten nur nach Rücksprache mit UA:PBC sprechen dürfen. Darin sah MARUV einen Verstoß gegen die Menschenrechte und lehnte ab. Das ukrainische Fernsehen nominierte sie nach dem mittlerweile aufgebauten öffentlichen Druck nicht für den ESC in Tel Aviv - die Zweit- und Drittplatzierten aus dem Vorentscheid lehnten es auch ab, für die Ukraine anzutreten. Vier Tage nach dem Vorentscheid entschied der Sender, 2019 gar nicht teilzunehmen.

Russisch-ukrainischer Konflikt seit Jahren Thema beim ESC

Julia Samoylova auf der Bühne. © NDR Foto: Rolf Klatt

Julia Samoylova durfte 2017 nicht in die Ukraine einreisen. 2018 in Lissabon trat sie schließlich für Russland an.

Schon bei der Absage für 2019 hieß es seitens des ukrainischen Senders, man wolle 2020 wieder beim Eurovision Song Contest dabei sein. Allerdings nur, sofern er nicht in Russland stattgefunden hätte. In diesem Fall hätte es auch keine Übertragung der Show gegeben, hieß es. Die politische Lage zwischen der Ukraine und Russland ist seit Jahren angespannt. Beim ESC 2017 in Kiew hatte die Ukraine der russischen Teilnehmerin Julia Samoylova die Einreise verweigert, weil sie zuvor nach ukrainischem Gesetz unrechtmäßig auf die von Russland annektierte Krim gereist war. Zuletzt hatte die Ukraine in Wien 2015 nicht teilgenommen. Der Fernsehsender wollte mit dem Geld einer ESC-Teilnahme damals lieber die Nachrichten stärken. Die "instabile finanzielle und politische Situation, die militärische Aggression aus dem Osten und die Annexion ukrainischer Gebiete" habe zu der Entscheidung geführt, schrieb der Sender in seiner Absage. Ein Jahr später kehrte das Land mit Jamala zurück zum ESC und gewann den Song Contest in Stockholm.

Dieses Thema im Programm:

NDR Blue | ESC Update | 28.09.2019 | 19:05 Uhr