Die belgische Band Hooverphonic tritt 2020 beim ESC in Rotterdam an. © Hooverphonic
Stand: 05.05.20 16:00 Uhr

Hooverphonic - Mit Erfahrung zum Erfolg?

Hooverphonic, Belgiens ESC-Kandidaten 2020.  Foto: James Arthur Gekiere

Hooverphonic sind Belgiens Kandidaten für den ESC 2020.

Belgien setzte vor allem auf Erfahrung - und wollte mit der bekannten Band Hooverphonic seine Wunschkandidaten zum Eurovision Song Contest nach Rotterdam schicken. Antreten sollte das Trio mit dem Song "Release me". Der ESC 2020 in Rotterdam wurde allerdings wegen der Coronakrise abgesagt. Hooverphonics ESC-Auftritt ist aber nur um ein Jahr auf 2021 verschoben. "Dass sie die belgischen Farben vertreten, davon haben wir seit Jahren geträumt", sagt Olivier Goris, Manager des TV-Senders Éen. Der Fernsehsender gehört zum flämischen Broadcaster VTR, der sich bei der Wahl des belgischen Kandidaten in dem zweisprachigen Land mit dem wallonischen Sender Radio Télévision Belge Francophone (RTBF) abwechselt. Nach zwei verpassten Final-Teilnahmen durch Eliot in Tel Aviv 2019 und Sennek ein Jahr zuvor in Lissabon sehnt sich unser Nachbarland nach einem Erfolg. Für den sollen keine Nachwuchssänger aus Casting-Formaten sorgen, sondern Hooverphonic, die sich nicht nur in der belgischen Musikszene einen Namen gemacht haben. Nach einer Ankündigung der EBU brauchen aber alle Kandidaten, die 2020 angetreten wären, im nächsten Jahr neue Songs.

Von Hoover zu Hooverphonic

Die Köpfe hinter Hooverphonic sind Alex Callier und Raymond Geerts. Beide stammen aus Sint-Niklaas in Ostflandern. Die Band besteht seit 1995, damals heißt sie allerdings noch Hoover. Doch da zwei weitere Gruppen und auch ein großes amerikanisches Elektrogeräte-Unternehmen unter diesem Namen firmieren, ändern sie ihn in Hooverphonic. Und mit dem Erzeugen von Klängen und Tönen kennt sich Alex Callier als gelernter Toningenieur bestens aus. Ausgestattet mit Synthesizer, Sampler und Drumcomputer eifern Hooverphonic ihren musikalischen Vorbildern Portishead und Massive Attack nach, die für den typischen elektronischen Trip-Hop-Sound stehen. Schon als Kind liebt Alex Callier melancholische Musik. In seinen Klavierstunden kann er Bach und Mozart wenig abgewinnen - Erik Satie dafür umso mehr. Als Jugendlicher hört er vor allem die schwermütigen Songs von Depeche Mode oder The Smith.

Hooverphonic

Mitglieder: Alex Callier, Raymond Geerts, Luka Cruysberghs

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Große Bühne bei der Fußball-EM 2000 in Belgien

Die Musiker, Produzenten und Komponisten verstärken sich außerdem mit einer Sängerin - und veröffentlichen 1997 bei einem großen Plattenlabel ihr Debütalbum "A New Stereophonic Sound Spectacular", das in Calliers kleinem Appartement in Brüssel entsteht. Erste Erfolge lassen nicht lange auf sich warten: Der Song "Wicky2" ist im Soundtrack des Films "Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast" zu hören. Außerdem touren Hooverphonic als Vorband von Beth Orton durch Europa, in den USA treten sie mit Fiona Apple auf. Immer wieder wechselt die Besetzung der Band, häufig verlassen die Sängerinnen die Band, doch der Erfolg bleibt: Im Jahr 2000 spielen Hooverphonic ihren Song "Visions" bei der Eröffnungszeremonie der Fußball-Europameisterschaft in Belgien. Ein Jahr später treten sie als Headliner bei Rock Werchter auf, das neben Glastonbury in Großbritannien und Sziget in Ungarn zu den größten europäischen Musikfestivals gehört.

Luka Cruysberghs verstärkt Hooverphonic als Sängerin

Die belgische Band Hooverphonic tritt 2020 beim ESC in Rotterdam an. © Hooverphonic

Seit 2018 verstärkt Sängerin Luka Cruysbergh die Band Hooverphonic.

Seit 2018 bestehen Hooverphonic aus Alex Callier, Raymond Geerts und Luka Cruysberghs, die im selben Jahr "The Voice Flandern" gewonnen hat. Inzwischen fühlen sie sich in vielen Musik-Genres zu Hause, zumeist spielen sie laut des Senders VRT Indie-, Ambient- oder "gepflegte" Popmusik. Hooverphonic sind eine feste Größe in Belgiens Musikszene, die sich besonders mit elektronischen Klängen einen Namen gemacht hat. Die Band hat zehn Studioalben veröffentlicht, die mehr als zwei Millionen Mal verkauft wurden. Zweimal, 2011 und 2013, bekommen Callier & Co. die Auszeichnung als beste Band Belgiens, den "MIA", jetzt sind Hooverphonic erneut dafür nominiert. Es ist der wichtigste Musikpreis in dem kleinen Land. Außerdem kann sich Alex Callier, der auch Coach bei "Voice of Belgium" und seit vielen Jahren Fan und Zuschauer des ESC ist, im Jahre 2000 mit dem Titel "Musikproduzent des Jahres" schmücken.

"Release Me" hieß der Song für Rotterdam

Mit der schnellsten Bekanntgabe aller Teilnehmerländer und viel Lobes-Hymnen im Gepäck sollten Hooverphonic zum ESC einmal eben über die Grenze ins Nachbarland fahren. Dass große Namen nicht immer automatisch Erfolg bedeuten, mussten die Finnen im vergangenen Jahr bitter erfahren. Das Aus von DJ Darude lag wohl aber vor allem an der schlechten Song-Auswahl. Mitte Februar stand dann endlich auch der Song fest, mit dem Hooverphonic im Mai in Rotterdam antreten wollte: "Release Me". Bis dahin machte die Band noch ein bisschen Werbung in eigener Sache: Zurzeit präsentiert sie ihr neues Album "Looking For Stars" europaweit. Bleibt für 2021 Hooverphonic "Good luck" oder - wie der Flame sagt - "veel geluk" zu wünschen.

Dieses Thema im Programm:

NDR Blue | ESC Update | 25.04.2020 | 19:05 Uhr