Die australische ESC-Teilnehmerin Montaigne schaut über ihre Schulter © SBS
Stand: 02.04.20 15:28 Uhr

Montaigne - Australiens "ungebrochener Star"

von Nina Englert
Die australische ESC-Teilnehmerin Montaigne steht mit blauer Halskrause, blauen Haaren und Clownsschminke auf der Bühne. © SBS

Montaignes Performance beim Vorentscheid: Blau!

Szenen vom australischen Vorentscheid Eurovision – Australia Decides 2020: Montaigne steht mit kurzen blauen Locken auf der Bühne, um ihren Hals eine blaue Tüll-Halskrause, die Wangen knallrot geschminkt, die Augenbrauen und Augen überbetont. Es ist eine Performance im blauen Clownsdress. Ähnliches hatte sie auch für ihren Auftritt beim ESC in Rotterdam geplant. Der Wettbewerb wurde wegen der Coronakrise allerdings abgesagt. Anfang April 2020 bestätigte der australische Sender SBS, dass Montaigne beim ESC 2021 ihre Chance bekommt. Ob ihr Auftritt dort auch so blau wird, steht natürlich noch nicht fest, denn nach einer Ankündigung der EBU brauchen alle Kandidaten, die 2020 angetreten wären, im nächsten Jahr neue Songs.

Was steckt hinter Performance zu "Don't Break Me"?

Doch was wollte die Künstlerin mit ihrer Performance ausdrücken? Ist Montaignes Song "Don’t Break Me" eine melancholische Hommage an den aussterbenden Berufsstand der Clowns? Nein, sagt sie in einem Interview, sie liebe blau einfach und finde, der Song klinge blau. Wobei "blue" im englischen Sprachgebrauch auch melancholisch oder traurig bedeuten kann. Zur Auswahl der Clown-Ästhetik sagt sie, das habe sich so ergeben und sie wolle die erste Clownin ("Lady-Clown") der Popkultur sein. Wie das nun zum Song passt, der vom anstrengenden und frustrierenden Ende einer langen Beziehung erzählt, ist nicht bekannt. Was wir wissen: Die Künstlerin hatte beim Schreiben des Songs prominente Unterstützung. Anthony Egizii und David Musumeci, die auch für die australischen ESC-Beiträge von Dami Im (2016), Isaiah (2017) und Jessica Mauboy (2018) verantwortlich zeichnen, sind Montaignes Co-Autoren.

Durchbruch mit Indie-Album "Glorious Heights"

Eines ist klar: Montaigne, die 1995 als Jess Cerro geboren wurde, liebt den schrillen Auftritt. In Australien ist sie aber längst keine Newcomerin mehr. Noch zu Schulzeiten unterzeichnet sie ihren ersten Vertrag mit einem Musikverlag. 2014 veröffentlicht sie ihre erste Single. Spätestens seit ihrem Debüt-Album "Glorious Heights" im Jahr 2016, das direkt auf Platz vier der australischen Charts einsteigt, ist sie auch außerhalb der Indie-Musik-Szene Australiens bekannt. Es folgen Plattenverträge, Auftritte auf Musikfestivals und Award-Nominierungen. Als Vorband spielt sie vor Musikgrößen wie Cindy Lauper und Blondie.

Montaigne: Aktivistin oder Drama-Queen?

Über Instagram macht die Künstlerin und Aktivistin regelmäßig auf gesellschaftliche und politische Missstände aufmerksam. Ihre aktuell mehr 45.000 Follower unterstützen sie dabei. 2019 verarbeitet sie ihre Gedanken zu Geschlechterungleichheit, Umwelt, Körperwahrnehmung und sogar Sex-Robotern in ihrem neuen Album "Complex". Die Rolle als Aktivistin wollte aber nicht mit zum Eurovision Song Contest nach Rotterdam nehmen. Dort hatte Montaigne vor, endlich ihre extreme Seite zeigen. Ihre innere Drama-Queen wartete nur darauf, sich vor dem europäischen Millionenpublikum zu beweisen.

Montaigne

Name: Jess Cerro
Geburtstag: 14. August 1995
Geburtsort: Sydney, Australien
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Vom Fußballtalent beinahe zur ESC-Teilnehmerin

Ihr Ehrgeiz zeigt sich nicht erst beim Vorentscheid, die Tochter eines australischen Profi-Fußballers war auf dem besten Weg selbst Profi-Fußballerin zu werden, bevor ihre Musik-Karriere startete. Ihr damaliger Traum, einmal für Australien an einer Fußball-Weltmeisterschaft teilzunehmen, hat sich dann schnell gewandelt. Der Eurovision Song Contest wäre für die 24-jährige die Weltmeisterschaft des Pops gewesen.

Dieses Thema im Programm:

NDR Blue | ESC Update | 25.04.2020 | 19:05 Uhr