Die australische Sängerin Montaigne singt beim ESC 2021.  Foto: Jess Gleeson
Stand: 10.03.21 11:29 Uhr

Montaigne - Australiens "ungebrochener Star"

von Nina Englert
Die australische ESC-Teilnehmerin Montaigne steht mit blauer Halskrause, blauen Haaren und Clownsschminke auf der Bühne. © SBS

Montaignes Performance beim australischen ESC Vorentscheid 2020: Blau!

Szenen vom australischen Vorentscheid Eurovision - Australia Decides 2020: Montaigne steht mit kurzen blauen Locken auf der Bühne, um ihren Hals eine blaue Tüll-Halskrause, die Wangen knallrot geschminkt, die Augenbrauen und Augen überbetont. Es ist eine Performance im blauen Clownsdress. Ähnliches hatte sie auch für ihren Auftritt beim ESC in Rotterdam geplant. Der Wettbewerb wurde wegen der Coronakrise allerdings abgesagt. Anfang April 2020 bestätigte der australische Sender SBS, dass Montaigne beim ESC 2021 ihre Chance bekommt. Dann wird ihr Auftritt wahrscheinlich nicht ganz so blau, sondern sehr bunt werden. Das verspricht schon der Titel ihres Songs für 2021: "Technicolour".

Durchbruch mit Indie-Album "Glorious Heights"

Montaigne, 1995 als Jess Cerro geboren und Tochter eines australischen Profi-Fußballers, war zunächst auf dem besten Weg, selbst Profi-Fußballerin zu werden, bevor ihre Musik-Karriere startete. Ihr damaliger Traum, einmal für Australien an einer Fußball-Weltmeisterschaft teilzunehmen, hat sich dann schnell gewandelt. Noch zu Schulzeiten unterzeichnet sie ihren ersten Vertrag mit einem Musikverlag. 2014 veröffentlicht sie ihre erste Single. Spätestens seit ihrem Debüt-Album "Glorious Heights" im Jahr 2016, das direkt auf Platz vier der australischen Charts einsteigt, ist sie keine Newcomerin mehr und auch außerhalb der Indie-Musik-Szene Australiens bekannt. Es folgen Plattenverträge, Auftritte auf Musikfestivals und Award-Nominierungen. Außerdem spielt sie vor Musikgrößen wie Cindy Lauper und Blondie.

Montaigne

Name: Jess Cerro
Geburtstag: 14. August 1995
Geburtsort: Sydney, Australien
Kontakt:
Instagram
Facebook
Twitter
YouTube
Website

Musikvideo entstand bei Pride-Event in Sydney

Den Song "Technicolour" hat Montaigne zusammen mit Songwriter und Produzent Dave Hammer extra für den ESC geschrieben. Er dreht sich um die Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen ohne psychische Schäden überstehen zu können. Man könne verletzlich sein, müsse dann aber den Mut aufbringen, andere um Hilfe zu bitten, so die Sängerin. Die erste Zeile "I wanna be close to my mother" schrieb sie nach einem emotionalen Telefongespräch mit ihrer Mutter. Sie bildete den Ausgangspunkt für "Technicolour". Der australische Delegationsleiter Josh Martin findet: "Montaigne hat eine Hymne geschrieben, die alles zusammenfasst, wofür wir als Sender und Land stehen. Wo kann man es besser zur Premiere bringen als bei einem der beliebtesten Pride-Events der Welt - dem schwulen und lesbischen Karneval in Sydney!" Montaignes Auftritt beim sogenannten Mardi Gras im Stadion Sydney Cricket Ground ist nun auch das offizielle Musikvideo Australiens für den ESC.

Montaigne: Aktivistin oder Drama-Queen?

Über Instagram macht die Künstlerin und Aktivistin regelmäßig auf gesellschaftliche und politische Missstände aufmerksam. Ihre aktuell mehr 45.000 Follower unterstützen sie dabei. 2019 verarbeitet sie ihre Gedanken zu Geschlechterungleichheit, Umwelt, Körperwahrnehmung und sogar Sex-Robotern in ihrem Album "Complex". Die Rolle als Aktivistin wollte sie aber nicht mit zum Eurovision Song Contest nach Rotterdam nehmen. Dort hatte Montaigne vor, endlich ihre extreme Seite zeigen. Ihre innere Drama-Queen wartete nur darauf, sich vor dem europäischen Millionenpublikum zu beweisen.

Dieses Thema im Programm:

NDR Blue | ESC Update | 13.03.2021 | 19:05 Uhr