Stand: 26.01.16 10:29 Uhr

ESC-Motto als politisches Zeichen

Lostöpfe der Halbfinalauslosungen für den ESC 2016 © EBU

Nach der Auslosung steht nun fest, welches Land in welchem Halbfinale startet.

Die ESC-Saison nimmt spürbar an Fahrt auf: Schwedens TV Sender SVT hat Logo und Motto präsentiert und die Semifinale sind ausgelost. Diese Auslosung am Montag in Stockholm war allerdings eher weniger aufregend. Die allermeisten Lieder des 61. ESC im Mai sind noch nicht bekannt - erst wenn wir sie alle kennen, sind Spekulationen über die Finalchancen der einzelnen Beiträge möglich. Die besten Acts werden am Ende ohnehin vorne liegen, einerlei, in welchem Halbfinale sie sich qualifizieren mussten.

Deutschland stimmt im zweiten Halbfinale ab

Wenig überraschend auch, dass Deutschland als gesetztes Land der Big Five das zweite Semi wählte, bei dem dessen Publikum mitstimmen kann. Die ARD bevorzugt die zweite Qualifikationsrunde, weil der Donnerstag als erster großer ESC-Tag hierzulande etabliert ist. Nebenbei: Wo die beiden Shows in der ARD-Kette übertragen werden, steht noch nicht fest. Auf jeden Fall auch auf eurovision.de im Livestream.

Nebenbei: Österreich kann von Deutschland - beide Länder landeten ja im Finale des Vorjahres gemeinsam auf dem letzten Platz mit je null Punkten - keine Begünstigung erfahren. Unsere südlichen Nachbarn starten im ersten Halbfinale. Man kann also den Act der Nachbarn bestaunen, aber nicht für ihn stimmen.

"Come Together": Beatles-Hommage oder politisches Statement?

Interessant war dagegen die Bekanntgabe des Mottos des 61. Eurovision Song Contest: "Come Together". Auf deutsch: Kommt zusammen. Das könnte als Verneigung vor dem Werk der Beatles genommen werden, "Come Together" ist schließlich das erste Lied des 1969 erschienenen "Abbey Road"-Albums der Fab Four. Oder man versteht "Come Together" als politische Parole - gegen die europäische Krise, die wir momentan zu beklagen haben.

Die Idee der Einheit Europas sei heutzutage so wichtig wie in den 50er-Jahren, als der Eurovision Song Contest startete, sagte Martin Österdahl, Produzent des ESC in Stockholm. Beim Eurovision Song Contest gehe es nicht um Grenzen, Politik oder Ideologien. "Der Wettbewerb überwindet jene Grenzen, die uns voneinander trennen." Das ist natürlich - auch - Festtagslyrik, Worte für die Galerie, die nichts konkret bedeuten müssen. Dass sie aber als Motto über dem ESC stehen, sagt viel über ein Land, in dem manche die Anfang des Jahres eingerichteten Grenzkontrollen zu Dänemark am liebsten wieder abschaffen würden. Und dieses Bekenntnis von Martin Österdahl sagt auch, dass der ESC sich politisch versteht.

Leuchtender Löwenzahn

Eine freundliche Pointe der Vorstellung des Mottos ist das bildliche Symbol dazu: eine Art Lampe, wie es sie in dem uns allen bekannten berühmten schwedischen Möbelkaufhaus zu erwerben gibt - aber nein, es ist eine Blume. Gemeint ist der Löwenzahn, wenn er seine Blüte hinter sich hat und zur Pusteblume wird. Dieses Gewächs wurzelt tief in der Erde, ist überall in den warmen Monaten in Europa wachsend. Die Samen der Pusteblume wehen überall hin und sorgen dafür, dass überall Löwenzahn wachsen und in neuen Erden Wurzeln schlagen kann. Im Hinblick auf den ESC ließe sich sagen: Dieses Festival will sich von der aktuellen europäischen Nervosität nicht anstecken lassen und hält die Fahne des Miteinanders aufrecht.

Bleibt der ESC populär?

Ich finde, man muss dieses Motto so deuten: Es wird im Mai spannend - aber nicht im Hinblick auf die Lieder und ihr Abschneiden. Sondern ob der ESC als Show so populär bleibt wie in den vergangenen Jahren. Wird das Niveau der Einschaltquote im eurovisionären Raum gehalten, ist das ein Zeichen, dass Europa keine schlappe Utopie ist. Die leuchtende Pusteblume mag hierfür das beste Symbol sein.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 14.05.2016 | 21:00 Uhr