Stand: 02.05.18 18:00 Uhr

Schwedische Perfektion von der ersten Sekunde

Vanja Radovanović auf der Bühne in Lissabon. © eurovision.tv Foto: Andres Putting

Die Chorsängerinnen von Vanja Radovanović treffen noch nicht jeden Ton richtig.

Eben versucht sich Vanja Radovanović auf der Bühne, um ihn herum stehen Chorsängerinnen in langen weißen Kleidern - und proben den montenegrinischen Beitrag "Inje", was auf Deutsch "Raureif" heißt. Hörbar mühen sich die Künstler, buchstäblich den richtigen Ton zu treffen, vor allem die Choristinnen kommen weder zu stimmlichem Volumen noch stehen sie richtig, wie es die Choreografie vorsieht. Mit anderen Worten: typische erste Bühnenprobe.

Die Bühne will erobert werden

Auch andere Künstler und Künstlerinnen stolpern sich mehr oder weniger durch die erste Probe, in ihrem Fall die Teilnehmer der zweiten Hälfte des zweiten Halbfinales. Eurovisionsintern weiß man das: Die erste Probe ist wirklich nichts für Gemüter, die es gern makellos halten. Nein, die Bühne will von den Sängerinnen und Sängern erobert werden, man muss sich an die Ausmaße gewöhnen, man muss sozusagen warm werden mit den Umständen dieser Halle.

Alle hadern und fremdeln noch, auch die ungarische Band AWS, die ihr Hardrockstück "Viszlát nyár" tüchtig schrummeln, auch wenn die Instrumentierung auf der Bühne nur gefakt wird, es kommt ja außer der Stimme alles vom Band. Ebenso Laura Rizzotto, die für Lettland antritt, sie kommt als "Funny Girl" - so der Liedtitel - ans Mikro, und erweist sich, allen Schwächen des Liedes zum Trotz, als bühnengierig. Beim vierten Durchlauf ihres Liedes sieht alles schon sehr gut aus, selbst ihre fluffig geföhnten Haare sehen schön aus.

Perfekt wie ein gut sitzender Maßanzug

Benjamin Ingrosso auf der Bühne in Lissabon. © eurovision.tv Foto: Andres Putting

Schwedische Perfektion: Benjamin Ingrosso setzt sich perfekt in Szene.

Und dann kommt Schweden dran. Benjamin Ingrosso, Spross einer Künstlerfamilie, nimmt auf der Bühne Platz. Seine Dekoration im Hintergrund ist ein waagerecht angeordneter Weißlichtbalkenspot, vor dem er seinen Titel "Dance You Off" tanzt und singt. Keine Sekunde sieht es aus, als fremdele er oder müsse sich an die Gegebenheiten in Lissabon gewöhnen. Er absolviert seine Probendurchgänge, als stiege er in einen Maßanzug, der millimetergenau passt. Und dies auch noch genau weiß.!

Nichts an ihm wirkt ängstlich - typisch schwedisch, möchte man spontan ausrufen: Es ist schon sehr lange her, dass ein schwedischer ESC-Act nicht top vorbereitet und professionell bei der ersten Probe wirkt. Benjamin Ingrosso, der so gut tänzeln kann wie andere Leute Fahrrad fahren, hat alle Posen offenbar kameragerecht einstudiert, ohne dass er mit den Augen die Kameras sucht. Er weiß ja, was das erste Bühnengesetz im Fernsehen ist: Suche nicht das Rotlicht der Kamera, die Kamera findet dich.

Es ist an diesem Probentag verblüffend, wie stark, wie industriell gefertigt der schwedische Act aussieht - und zugleich nicht langweilig und kalt wirkt. Ingrosso lächelt sogar in allen Durchgängen an den gleichen Stellen: Das ist ein Könner.

Schweden: Benjamin Ingrosso - "Dance You Off"

"Dance You Off": Benjamin Ingrossos Rezept eine verflossene Liebe zu vergessen ist tanzen, tanzen, tanzen. Ob sich der Schwede ins Finale tanzt - die Entscheidung fällt am 10. Mai.

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Dieses Thema im Programm:

ONE | 10.05.2018 | 21:00 Uhr