Stand: 05.02.2016 15:18 Uhr  | Archiv

Gregorian: "Feuer, Laser, das ganze Programm"

Produzent Frank Peterson und Sänger Billy King von Gregorian © NDR/Nicole Janke Foto: Nicole Janke
Gregorian-Produzent Frank Peterson (li) lebt in Hamburg, genau wie Halbamerikaner Billy King, einer der Sänger.

Mit ihren choralen Coverversionen bekannter Popsongs sind Gregorian seit sechzehn Jahren weltweit erfolgreich. Beim deutschen Vorentscheid treten die sechs "Mönche" mit der Eigenkomposition "Masters Of Chant" an. Gregorian-Erfinder und Produzent Frank Peterson und Sänger Billy King erklären, was an der speziellen Gesangsart so herausfordernd ist. Außerdem verrät Peterson, warum er in diesem Jahr unbedingt dabei sein wollte.

Sind Gregorian was für den ESC? Oder erst einmal für den ESC-Vorentscheid?

Peterson: Total. Obwohl das spirituell anmutet, es ist Unterhaltung. Und wir haben noch nie eine Show gespielt, bei der wir nicht am Schluss Standing Ovations bekommen haben. Wir geben in 26 Ländern Konzerte, in ganz Europa, auch in Japan, China und Israel und überall gefällt das den Leuten. Ich weiß nicht, warum es nicht zum ESC passen sollte. Es ist anders, es ist unique, und das ist auch der Vorteil, den wir haben.

Wie ist es überhaupt zur Vorentscheid-Teilnahme gekommen?

Weitere Informationen
Sechs Sänger von Gregorian in Mönchskutte mit Konfettikanone auf der Bühne © Edel Records

Gregorian: Melodien aus der Mönchskutte

Mit ihrem Mix aus gregorianischen Gesängen und Pop haben sie großen Erfolg. Am 25. Februar sind Gregorian beim deutschen ESC-Vorentscheid gestartet. mehr

Peterson: Ich hab 2008 schon mal teilgenommen und den zweiten Platz gemacht mit Caroline Fortenbacher. Das hat mich angestachelt. Insbesondere, weil die Gewinner, die No Angels, dann beim ESC wahnsinnig schlecht abgeschnitten haben. Natürlich hat man immer im Hinterkopf, was wäre geworden, wenn ich den Vorentscheid gewonnen hätte. Und im letzten Jahr kam ein deutscher Act mit null Punkten nach Hause. Das ist für mich einfach nicht akzeptabel (lacht). Das hat mich in meiner Ehre als deutscher Musikproduzent gekränkt. Da hab ich gedacht, ich würde da gerne noch mal mitmachen.

Und dann haben Sie einen Titel von der aktuellen Platte eingereicht ...

Peterson: Ja. Den haben wir aber komplett neu aufgenommen.

Auf der Platte singt Amelia Brightman, die Schwester von Sarah Brightman. Ist Amelia auch dabei?

Peterson: Nein. Wir haben auf der Bühne normalerweise acht Sänger und wir müssen uns auf sechs reduzieren. Hätten wir fünf Sänger und eine Sängerin, würden wir den Impact vom Chor negativ beeinflussen. Also machen wir es jetzt mit einem Countertenor, der beides kann. Er ist ein Mann, singt aber als Countertenor wie eine Frau, und wir brauchen dringend diese extra Stimme.

Was muss so ein Gregorian-Sänger drauf haben?

Sechs Sänger von Gregorian in Mönchskutte im Fotostudio. © Edel Records
Billy King (rechts) und Kollegen treten in Mönchskutten auf.

Billy King: Der muss einfach gut singen. Das ist ja für viele schon schwierig genug (lacht). Man muss chanten können. Das ist eine spezielle Art des Gesangs. Und durch die Popeinflüsse muss man ein bisschen anders singen, als ein klassisch-ausgebildeter Sänger. Das kann nicht jeder, haben wir bei den Produktionen gemerkt. Es gibt sowohl klassisch ausgebildete Sänger, als auch Pop-Sänger, die total einbrechen.

Peterson: Chanting ist Singen völlig ohne Vibrato und sehr obertonreich. Das können nicht viele.

Worauf müssen wir uns bei der Show zum Vorentscheid einstellen?

Peterson: Auf viel. Wir haben sehr aufwendig inszenierte Shows und ein paar Highlights werden wir komprimiert auf drei Minuten verbraten. Also Feuer, Laser, das ganze Programm.

Verfolgen Sie als Komponist und Produzent den ESC?

Peterson: Wir haben sogar jedes Jahr eine legendäre ESC-Party bei mir im Haus. Wenn wir nicht gerade auf Tour sind, findet ein Barbecue statt und dann gucken wir mit 15 bis 20 Leuten zusammen ESC. Es wird getippt und viel Geld gewonnen oder verloren. Es ist Kult. Ich gucke den ESC, seit ich klein bin.

Welche Künstler waren für Sie herausragend?

Peterson: Abba auf jeden Fall. Und ich fand letztes Jahr die zweitplatzierte Russin mit "A Million Voices" grandios. "Merci Chérie", da war ich noch nicht lange auf der Welt, ist eine Jahrhundert-Nummer. An Céline Dion erinnert sich jeder. Die Show, wie sie inzwischen inszeniert ist, ist grandios. Man merkt, jedes Land haut noch einen drauf. Dabei zu sein, finde ich total sexy.

King: Für mich ist es eine Ehre, für Deutschland zu spielen. Wenn Jogi Löw anruft, dann kommt man halt und spielt. Und hier ist es genauso: Es ist eine Ehre, Deutschland vielleicht in Stockholm zu vertreten.

Wie schätzen Sie Ihre Chancen ein?

Peterson: Natürlich geht man da hin, weil man gewinnen will. Ich glaube, unsere Chancen in Stockholm wären sehr gut, weil wir der einzige Vorentscheid-Act sind, der eine europäische Fanbase hat. Wir würden nicht mit null Punkten nach Hause kommen.

Die anderen Teilnehmer
Die Musikerinnen Cosima und Josepha von Joco sitzen auf einem Sofa und starren in die Kamera. © Sony Music

Joco: Musikalisches Talent im Doppelpack

Dass sie Schwestern sind, ist nicht zu übersehen. Josepha und Cosima aus Hamburg gingen beim deutschen Vorentscheid als Duo Joco mit ausdrucksstarkem Harmoniegesang ins Rennen. mehr

Der Singer-Songwriter Alex Diehl © Oliver Zwack - Electrola - a division of Universal Music GmbH

Alex Diehl: Friedensbotschafter mit Gitarre

Sein Friedenssong "Nur ein Lied" ist ein Internethit. Damit hat Alex Diehl die Chance, beim ESC-Finale aufzutreten. Beim deutschen Vorentscheid landet er jedoch auf Platz zwei. mehr

Sängerin Laura Pinski lächelt in die Kamera.

Laura Pinski: Kein Auftritt beim ESC in Stockholm

Laura Pinski ist Castingshow-erfahren und hat einen alten ESC-Hasen an ihrer Seite: Ralph Siegel hat ihren Titel geschrieben. Für den Sieg beim Vorentscheid reichte es aber nicht. mehr

Gruppenfoto der Band Woods of Birnam.

Woods Of Birnam: Vom Theater auf die ESC-Bühne

Christian Friedel ist erfolgreicher Schauspieler. Seine Band Woods Of Birnam ist weniger bekannt. Beim ESC-Vorentscheid hat sie sich einem großen Fernsehpublikum präsentiert. mehr

Die Band Luxuslärm (Pressebild 2016)

Feiern trotz Misserfolgs beim Vorentscheid

Die Band Luxuslärm hat schon einige Erfolge verzeichnen können. Darauf hoffte sie auch beim deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest - vergebens. Gefeiert wurde trotzdem. mehr

Sängerin Kat Frankie steht vor einem alten Auto, Sänger Chris Klopfer sitzt davor. © Embassy of Music Foto: Eduardo Pavez Goye

Keøma: Indie-Pop-Duo aus Köln und Berlin

Kat Frankie und Chris Klopfer sind in der Singer-Songwriter-Underground-Szene keine Unbekannten. Als Duo Keøma konnten sie sich beim ESC-Vorentscheid jedoch nicht durchsetzen. mehr

Sängerin Ella Endlich guckt aus einem offenen Autodach heraus. © Warner Music

Kein großer Durchbruch für Ella Endlich beim ESC

Sie brachte einen Hauch Nostalgie in die Vorentscheid-Show "Unser Lied für Stockholm". Mit einem deutschen Titel knüpft Ella Endlich beim ESC an die Schlager-Tradition an, scheiterte aber. mehr

Jamie-Lee steht in einer märchenhaften Kulisse. © NDR / Rolf Klatt Foto: Rolf Klatt

Jamie-Lee: "Manga-Voice" für Deutschland beim ESC

Jamie-Lee erlebt eine aufregende Zeit vom deutschen Vorentscheid bis zum ESC-Finale. Nach einem tollen Auftritt in Stockholm landet sie mit "Ghost" leider auf dem letzten Platz. mehr

Avantasia beim Wacken Open Air 2011. © Jazz Archiv / picture alliance Foto: Markus Lubitz

Avantasia: Metal made in Germany

Metal-Musiker Tobias Sammet ist mit Avantasia beim ESC-Vorentscheid angetreten. Er wollte zeigen, dass seine Musik zwar nicht olympisch ist wie Synchronschwimmen, aber nicht tot. mehr

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 25.02.2016 | 20:15 Uhr

Schlagwörter zu diesem Artikel

2016

Dt. Vorentscheid

Deutschland