Daði Freyr, Teilnehmer am isländischen Vorentscheid 2020.  Foto: RÚV
Stand: 01.04.20 15:18 Uhr

Daði og Gagnamagnið: Perfekter Nerd-Charme für Island

Daði & Gagnamagnið mit der Trophäe des isländischen Vorentscheids "Söngvakeppnin" 2020.  Foto: RÚV

Daði og Gagnamagnið setzen sich beim isländischen Vorentscheid klar durch.

Es lässt sich nicht immer ganz einfach erklären, warum bei einem ESC plötzlich ganz Europa von einem Song verzaubert ist. Noch unerklärlicher scheint es, wenn es schon vor dem Wettbewerb geschieht. Doch beim isländischen ESC-Act Daði og Gagnamagnið liegt es auf der Hand. Die Gruppe war schon vor dem Sieg im isländischen Vorentscheid vielen Leuten außerhalb der ESC-Fangemeinde bekannt. Ihr süßer Song "Think About Things" wurde schon Tage zuvor vielfach über Twitter verbreitet, wurde von diversen Prominenten geteilt. Ein Grund dafür: ein äußerst herzliches und auffälliges Musikvideo. Beim Eurovision Song Contest 2020 hätte die Band nun Island möglicherweise den ersten Sieg überhaupt bringen können, wäre der Wettbewerb nicht wegen der Coronakrise abgesagt worden.

2017 beim Vorentscheid "Söngvakeppnin" gescheitert

Daði og Gagnamagnið

Bandmitglieder: Sigrún Birna Pétursdóttir, Árný Fjóla Ásmundsdóttir, Hulda Kristín Kolbrúnardóttir, Stefán Hannesson, Jóhann Sigurður Jóhannsson
Sänger: Daði Freyr Pétursson
Geburtstag: 30.06.1992
Geburtsort: Reykjavík, Island

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Kopf der Band ist der 1992 geborene Daði Freyr Pétursson - 2,08 Meter groß, Schuhgröße 48. Seine Kindheit verbringt er in Dänemark, später lebt er in Island und seit 2014 wegen seines Studiums der Musikproduktion in Berlin. Er tritt unter dem Namen Mixophyrgian mit elektronischer Musik auf. Im Jahr 2017 werden er und seine Band Gagnamagnið, zu der auch seine Frau Árný Fjóla Ásmundsdóttir und seine Schwester Sigrún Birna Pétursdóttir gehören, islandweit bekannt. Beim Vorentscheid "Söngvakeppnin" scheitern sie mit "Is This Love?" nur an Siegerin Svala. Drei Jahre später siegen sie mit dem groovigen Alternative-Popsong "Think About Things".

"Think About Things" erzählt von Vater-Tochter-Beziehung

Daði Freyr, Teilnehmer am isländischen Vorentscheid 2020.  Foto: RÚV

Seit 2019 ist Daði Freyr Vater von Tochter Áróra. Von ihr handelt "Think About Things".

Für Daði Freyr ist dieser Song auch der wesentlich bessere. Den Song 2017 habe er nur für den ESC geschrieben, jeder hätte ihn singen können, sagte er der britischen Zeitung "Metro". "100 Mal mehr Gedanken" habe er sich um den Song 2020 gemacht und niemals mehr Zeit in einen Song investiert. "Think About Things" erzählt seine persönliche Geschichte. Es geht um einen Vater, der es nicht abwarten kann, seiner neugeborenen Tochter die Welt zu zeigen und zu erfahren, was sie über Dinge denkt. Gleichzeitig erwartet er auch, dass sie ihm neue Perspektiven aufzeigen wird. Daði Freyr selbst ist Vater der elf Monate alten Áróra. Die Band hat auch durch die Performance auf der Bühne und im Musikvideo schon viele Fans gewonnen. Die sechs Bandmitglieder inszenieren sich als Nerds, komplett in Grün gekleidet, mit einer pixeligen Animation ihrer jeweiligen Gesichter auf den Pullovern. Ihre Mimik ist komplett kontrolliert - und schwankt zwischen Gleichgültigkeit und Ekstase. Auf ihren selbstgebastelten Instrumenten spielen sie die Synthiesounds von "Think About Things" und sogar eine Windmaschine kommt zum Einsatz.

Russell Crowe macht Song über Twitter bekannt

Schon vor dem Finale des Vorentscheids verbreitete sich das Musikvideo zum Song viral. Auch der Oscar-prämierte Schauspieler Russell Crowe konnte sich der Band nicht entziehen. Er twitterte nur vielsagend "Song", zusammen mit einer Meldung über das "komische" Musikvideo". Daði Freyr reagierte perplex mit: "Hat Russell Crowe das Video geteilt?" Rylan Clark-Neal, einer der ESC-Präsentatoren der BBC, twitterte: "Das könnte gut abschneiden". In Deutschland teilte Medienjournalist Stefan Niggemeier einen Videoausschnitt des Songs, auch Satiriker Jan Böhmermann teilte das Video mit einem "OMG!" und Emojis.

Netz-Kritik: Steckt Netflix hinter dem Hype um Daði og Gagnamagnið?

Bei dem Hype, den Daði og Gagnamagnið schon vor dem "Söngvakeppnin" kreiert haben und der ihnen möglicherweise half, den Vorentscheid zu gewinnen, witterten manche ESC-Fans im Internet eine Verschwörung. Der Streaminganbieter Netflix arbeitet an einer Komödie über den Eurovision Song Contest, in der es um einen fiktiven isländischen Kandidaten geht. Netflix würde so gezielte Werbung für den Act aus Island machen, hieß es. Daði Freyr wehrt sich gegen die Vorwürfe: "Ich habe Russell Crowe nicht dafür bezahlt, das Video zu teilen", sagte er. Netfilx würde den Song in keiner Weise unterstützen. "Wenn es so wäre, würde ich es sagen, denn es wäre supercool", so Freyr, "aber es ist nicht der Fall".

Dieses Thema im Programm:

NDR Blue | ESC Update | 14.03.2020 | 19:05 Uhr