Die isländischen ESC-Vertreter Daði og Gagnamagnið.  Foto: Thule Photo
Stand: 05.05.21 11:13 Uhr

Daði og Gagnamagnið: Perfekter Nerd-Charme für Island

Es lässt sich nicht immer ganz einfach erklären, warum bei einem ESC plötzlich ganz Europa von einem Song verzaubert ist. Noch unerklärlicher scheint es, wenn es schon vor dem Wettbewerb geschieht. Doch beim isländischen ESC-Act Daði og Gagnamagnið liegt es auf der Hand. Die Gruppe war schon vor dem Sieg im isländischen Vorentscheid 2020 vielen Leuten außerhalb der ESC-Fangemeinde bekannt. Ihr süßer Song "Think About Things" wurde schon Tage zuvor vielfach über Twitter verbreitet und von diversen Prominenten geteilt. Ein Grund dafür: ein äußerst herzliches und auffälliges Musikvideo. Beim Eurovision Song Contest 2020 hätte die Band Island möglicherweise den ersten Sieg in der ESC-Geschichte des Landes bringen können, doch aufgrund der Coronakrise wurde der Wettbewerb abgesagt. 2021 in Rotterdam bekommt die Gruppe eine neue Chance. Die isländische Rundfunkanstalt RÚV nominierte sie direkt. Der neue Song "10 Years" wurde wieder von Daði Freyr selbst geschrieben.

2017 beim Vorentscheid "Söngvakeppnin" gescheitert

Daði Freyr, Teilnehmer am isländischen Vorentscheid 2020.  Foto: RÚV

Nach Stationen in Dänemark und Island lebt Daði Freyr heute in Berlin.

Kopf der Band ist der 1992 geborene Daði Freyr Pétursson - 2,08 Meter groß, Schuhgröße 48. Seine Kindheit verbringt er in Dänemark, später lebt er in Island und seit 2014 wegen seines Studiums der Musikproduktion in Berlin. Er tritt unter dem Namen Mixophyrgian mit elektronischer Musik auf. Im Jahr 2017 werden er und seine Band Gagnamagnið, zu der auch seine Frau Árný Fjóla Ásmundsdóttir und seine Schwester Sigrún Birna Pétursdóttir gehören, islandweit bekannt. Beim Vorentscheid "Söngvakeppnin" scheitern sie mit "Is This Love?" nur an Siegerin Svala. Drei Jahre später siegen sie mit dem groovigen Alternative-Popsong "Think About Things".

Beide ESC-Songs erzählen von Daði Freyrs Familie

Daði og Gagnamagnið

Bandmitglieder: Sigrún Birna Pétursdóttir, Árný Fjóla Ásmundsdóttir, Hulda Kristín Kolbrúnardóttir, Stefán Hannesson, Jóhann Sigurður Jóhannsson
Sänger: Daði Freyr Pétursson
Geburtstag: 30.06.1992
Geburtsort: Reykjavík, Island

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Für Daði Freyr ist dieser Song auch der wesentlich bessere. Den Song 2017 habe er nur für den ESC geschrieben, jeder hätte ihn singen können, sagte er der britischen Zeitung "Metro". "100 Mal mehr Gedanken" habe er sich um den Song 2020 gemacht und niemals mehr Zeit in einen Song investiert. "Think About Things" erzählt seine persönliche Geschichte. Es geht um einen Vater, der es nicht abwarten kann, seiner neugeborenen Tochter die Welt zu zeigen und zu erfahren, was sie über Dinge denkt. Gleichzeitig erwartet er auch, dass sie ihm neue Perspektiven aufzeigen wird. Daði Freyr selbst ist Vater einer kleinen Tochter. Im 2021er-ESC-Song geht es allerdings um die Mutter. Der Sänger ist nun "10 Years" mit seiner Frau Árný Fjóla Ásmundsdóttir zusammen. "Ich hatte das Musikvideo und die Bühne in Rotterdam im Kopf, als ich die Arrangements geschrieben habe, also ist das ein Song, der für den ESC gemacht wurde", so der ESC-Kandidat.

Russell Crowe macht Band über Twitter bekannt

Schon vor dem Finale des Vorentscheids 2020 verbreitete sich das Musikvideo zum Song "Think About Things" viral. Auch der Oscar-prämierte Schauspieler Russell Crowe konnte sich der Band nicht entziehen. Er twitterte nur vielsagend "Song", zusammen mit einer Meldung über das "komische" Musikvideo". Daði Freyr reagierte perplex mit: "Hat Russell Crowe das Video geteilt?" Rylan Clark-Neal, einer der ESC-Präsentatoren der BBC, twitterte: "Das könnte gut abschneiden". In Deutschland teilte Medienjournalist Stefan Niggemeier einen Videoausschnitt des Songs, auch Satiriker Jan Böhmermann teilte das Video mit einem "OMG!" und Emojis.

Netz-Kritik: Steckt Netflix hinter dem Hype um Daði og Gagnamagnið?

Bei dem Hype, den Daði og Gagnamagnið schon vor dem "Söngvakeppnin" kreiert haben und der ihnen möglicherweise half, den Vorentscheid zu gewinnen, witterten manche ESC-Fans im Internet eine Verschwörung. Der Streaminganbieter Netflix arbeitete an einer Komödie über den Eurovision Song Contest, in der es um einen fiktiven isländischen Kandidaten geht. Netflix würde so gezielte Werbung für den Act aus Island machen, hieß es. Daði Freyr wehrt sich gegen die Vorwürfe: "Ich habe Russell Crowe nicht dafür bezahlt, das Video zu teilen", sagte er. Netflix würde den Song in keiner Weise unterstützen. "Wenn es so wäre, würde ich es sagen, denn es wäre supercool", so Freyr, "aber es ist nicht der Fall". 2021 können er und seine Band nun zeigen, ob sie es auch ohne großen Song-Hype schaffen, beim ESC eine gute Platzierung für Island zu holen.

Dieses Thema im Programm:

NDR Blue | ESC Update | 27.03.2021 | 19:05 Uhr