Stand: 16.01.17 09:30 Uhr

Letzte Plätze beim Eurovision Song Contest

Jamie-Lee auf der ESC Bühne. © NDR Foto: Rolf Klatt

Deutschlands Kandidatin Jamie-Lee landete 2016 in Stockholm auf dem letzten Platz.

Man muss, aus deutscher Sicht, die Dinge auch mal mit Humor nehmen können. Zweimal hintereinander den letzten Platz zu belegen, das ist kein leichtes Gepäck für den nächsten ESC. Oder wie es Thomas Schreiber, ARD-Unterhaltungskoordinator und seit Jahren verantwortlich für die deutschen Geschicke beim Eurovisionsfestival, in einem Interview sagte: "Dass es Plätze gibt, die man nicht zum dritten Mal in Folge verteidigen muss, versteht sich von selbst."

Es geht ums bloße Nicht-Letzter-Werden

Alle Künstler und Künstlerinnen wissen vor einem ESC, dass die Wahrscheinlichkeit zu gewinnen möglich, aber gering ist. Viel stärker fürchten sie aber die Aussicht, Letzter zu werden oder auf einem der letzten Plätze zu landen. Man reist an - und will beim Punkte-Rennen wenigstens so viel ernten, dass es für die Qualifikation zum Finale reicht und dort zu einem vorderen Rang. Viele ESC-Künstler sind durch ihre schlechten Platzierungen nachgerade schockiert nach Hause gefahren: Schimpf und Schande erwartend. Einer aber hat aus seinem letzten Platz eine ziemlich große Karriere in der eigenen Heimat begründen können. Jahn Teigen trat 1978 in Paris mit einem Lied für Norwegen an, das er selbst für ziemlich okay hielt: "Mil etter mil" (zu Deutsch: Meile für Meile), so gab er 1996 beim ESC in Oslo kund, war doch eigentlich geeignet, unter den ersten sechs zu landen. Aber es kam anders, Teigen erntete nicht einen einzigen Punkt und fuhr als Letzter nach Hause.

Jahn Teigen - Phönix aus der Asche

Aber die Stimmung war für ihn - sein Auftritt war ja nicht schlecht - und das norwegische Publikum begann, ihm zu huldigen, weil ein solches Resultat nach all den Vorschusslorbeeren vor dem Pariser ESC allen absurd schien. Man darf zusammenfassen: Jahn Teigen wurde einer der größten Stars der norwegischen Unterhaltungsbranche, trat noch ein paar Mal beim ESC an - mit größerem Erfolg als 1978. Etwa 1982 in Harrogate mit Kollegin Anita Skorgan und dem Titel "Adieu". Sie landeten immerhin auf dem 12. Platz. Dies ist nur ein Beispiel für einen Künstler, der Letzter wurde und trotzdem Karriere machte: Ein schlechtes Ranking muss nicht bedeuten, den künstlerischen Tod zu sterben. Eine kleine Revue beweist, dass einige Künstler auf letzten Plätzen sich trotzdem im Leben nach dem ESC behaupten konnten - die meisten allerdings auch nicht.

Letzter Platz Verdient oder nicht: Alles Geschmacksache

Viele ESC-Kandidaten landeten doch unverdient auf dem letzten Platz, oder? Ann Sophie und Jamie-Lee, Linde Lepomme, Elpida, Gracia - oder Barbara Dex, die Belgierin, die 1993 blamiert nach Brüssel zurückflog und von der sehr viele Fans glaubten, dass sie ihr Lied nur in einem schöneren Outfit hätte vortragen sollen, dann wäre die melancholische Schnulze auch belohnt worden. Aber so wie es keine Platz-1-Anleitung gibt, kann auch niemand mit Bestimmtheit sagen, was unbedingt vermieden werden sollte, um beim ESC den letzten Platz zu umgehen.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 14.05.2016 | 21:00 Uhr