Kommentar

Stand: 17.01.18 12:08 Uhr

ESC kann wie eine Droge sein

Alexander Rybak springt mit seiner Geige auf die ESC Bühne. © Picture Alliance/dpa Foto: Jörg Carstensen

Alexander Rybak siegte mit seiner Geige 2009 beim ESC in Moskau.

Alexander Rybak wird neun Jahre nach seinem triumphalen ESC-Sieg in Moskau 2009 mit "Fairytale" wieder in die Arena des Eurovision Song Contest gehen. Zunächst muss er sich allerdings das Ticket zur Reise nach Lissabon in der norwegischen Vorentscheidung verdienen. Sein Titel heißt "That's How You Write A Song" und er wird gute Chancen beim Melodi Grand Prix in Oslo am 10. März haben. Zwar sind auch Stella Mwangi (Norwegens Teilnehmerin 2011 in Düsseldorf) und Aleksander Walmann (2017 in Kiew mit Jowst als Sänger) dabei, in gewisser Weise ebenfalls ESC-Veteranen, aber mit der Berühmtheit und der Ausstrahlung Rybaks können sie es nicht aufnehmen. Über das aktuelle Liedgut Rybaks lässt sich geschmacklich ja unterschiedlicher Auffassung sein. Es kommen Fiedeln vor und dann noch ein Schu-bi-du-bi-du-ah-Gerappe mit dem schon der Däne Basim und sein "Cliché Love Song" im Jahre 2014 in Kopenhagen auf dem neunten Platz landeten. Die Nachricht ist, in Europa, vor allem aber in Norwegen: "Alexander der Große" geht nochmal auf Punktefeldzug.

Andererseits ist das keine wirkliche Sensation: Rybak war vor 2009 ein No-Name in Norwegen - und hat nach dem Sieg keine ernsthafte eigene, ESC-unabhängige künstlerische Karriere aufgebaut. Der ESC ist also seine Bühne, er ist seine Droge, er findet das Festival des europäisch gesinnten Publikums super. In fast jedem Jahr seit 2010 hat er im zeitlichen Umfeld des ESC Songs veröffentlicht, Pressematerial herausgegeben und sich damit als Performer in Erinnerung gebracht. Gut so, denn welcher Künstler hat schon zum Entzücken der Zuschauer und Zuhörer vor mehr als 100 Millionen Leuten gesungen?

In guter Gesellschaft

Vor ihm gab es andere ESC-Teilnehmer, die die Eurovisionsbühne immer wieder eroberten - bis hin zum Sieg. Lys Assia, 1956 die erste Gewinnerin, kam nicht nur im Jahr darauf wieder zum Festival, sondern war insgesamt vier mal dabei. Die Niederländerin Corry Brokken, die 1957 gewann, war auch schon 1956 dabei und kam 1958 wieder. Johnny Logan, der 1980 in Den Haag mit "What's Another Year" die Nase vor allen anderen vorn hatte, probierte es 1987 in Brüssel erneut und gewann wieder. Und dann noch einmal 1992 in Malmö als Komponist und Texter von Linda Martins "Why Me?". Martin hatte zuvor auch schon 1984 in Luxemburg teilgenommen. Vicky Leandros schwor eigentlich, nach ihrem Sieg mit "Après toi" 1972 in Edingburgh nie wieder beim Grand Prix Eurovision de la Chanson anzutreten. 2006 wagte sie doch ein Comeback, blieb aber in der deutschen Vorentscheidung hängen mit "Don’t Break My Heart".

Viele kamen immer wieder

Auch andere hatten von der Droge ESC nicht genug, ehe sie die Höchstdosis schafften. Carola Häggqvist startete 1983 in München mit "Främling", ehe sie 1991 in Rom mit "Fångad av en stormvind" gewann. 2006 war sie dann noch einmal in Athen dabei, landete auf Platz 5. Hanne Krogh war schon 1971 in Dublin dabei, ehe sie als Teil der Bobbysocks mit "La det swinge" in 1985 in Göteborg siegte. Oder Conchita, die vor ihrem Sieg mit "Rise Like A Phoenix" beim ESC 2014 in Kopenhagen an einer österreichischen Vorentscheidung gescheitert war. Ebenso erging es auch dem Schweden Måns Zelmerlöw, der vor seinem Triumph mit "Heroes" beim ESC 2015 in Wien zweimal beim schwedischen Melodifestival das Nachsehen hatte.

Alexander Rybak ist in guter Gesellschaft, er wäre für das Teilnehmerfeld des Eurovision Song Contest in Lissabon eine Bereicherung, ebenso auch Aleksander Walmann und Stella Mwangi (die es in ihrem ersten internationalen ESC-Jahr ja nicht mal ins Finale geschafft hatte, leider). Insofern: Rybak hatte eigentlich seinen eurovisionären Zenit hinter sich - und glaubt, einen neuen erklimmen zu können. Viel Glück!

Dieses Thema im Programm:

NDR Blue | ESC Update | 27.01.2018 | 19:05 Uhr